Rachel Cusk: Danach: Über Ehe und Trennung

Rachel Cusk (Jahrgang 1967) wurde in Kanada geboren, lebte danach einige Jahre in den USA und heute in Großbritannien, wo sie als Schriftstellerin arbeitet. Mit ihrem autobiografischen Essay „A Life’s Work“  über ihre Mutterschaft aus dem Jahre 2001 erregte Cusk kontroverse Aufmerksamkeit. Unter dem Titel „Lebenswerk“ erschien das Buch erst 2019 in Deutschland. Nun veröffentlicht der Suhrkamp Verlag „Danach – Über Ehe und Trennung“ in einer Übersetzung von Eva Bonné. Der Originaltitel „Aftermath“ erschien schon 2012 in Großbritannien.

Auch „Danach“ ist ein autobiografischer Essay, der sich mit dem Scheitern von Rachel Cusks Ehe beschäftigt. Und dazu holt sie groß aus. Von der griechischen Tragödie über den Feminismus bis zu den schnöden Verletzungen im Trennungsstreit. Über die Ehe sagt sie wenig, außer „er war überzeugt, in unserer Ehe die Rolle der Frau gespielt zu haben…“. Und überhaupt scheinen Rachel Cusk die Anleihen an die Geschichten aus der griechischen Antike gerade einmal elementar genug, um das Scheitern ihrer Ehe zu erklären. Sie leidet an ihrer neuen Rolle als alleinerziehende Mutter, gönnt ihrem Ex, X, aber die Zeit mit den Töchtern nicht. Sie gibt vor nach der Wahrheit zu suchen, findet jedoch nur ihre subjektive Einschätzung. Sie geht einmal in der Woche zum Psychotherapeuten, Y. Von den Sitzungen  bei ihm weiß sie jedoch nicht, ob sie ihr nützen werden. Am Ende lernt sie einen neuen Mann, Z, auf einer Party kennen. Und dann kommt am Ende des Buches der beste Teil, nämlich mit dem Schwenk der Erzählperspektive auf das Au-Pair-Mädchen Sonia, das in Rachel Cusks Familie kurz vor der Trennung auf die beiden Töchter aufpassen soll.

Nachdem ich „Danach“ gelesen hatte, brauchte ich ein paar Tage Pause. Ich wollte mir klar darüber werden, wie ich das Buch fand. Und ich wollte nicht ungerecht sein. Denn schon nach den ersten Seiten erschien mir als Lesende Rachel Cusks Erzählen über die Trennung von ihrem damaligen Ehemann (es war ihr 2.) eher unausgewogen, einseitig und theatralisch. Nur löste sich dieser Ersteindruck auch in den Tagen danach nicht. Ihre Exkurse in die griechischen Göttersagen und in den Feminismus sind weit hergeholt:

„Was ich als Feminismus lebte, war in Wahrheit eine Ansammlung männlicher Werte, die meine Eltern und andere Menschen mir in bester Absicht vermacht hatten – das Crossdressingvorbild meines Vaters, die antifemininen Ideale meiner Mutter. Ich bin keine Feministin, sondern ein von Selbsthass erfüllter Transvestit.“ (S. 24).

Rachel Cusk hat, gelinde ausgedrückt, ein sehr einfaches Verständnis von Gleichberechtigung. Gleichberechtigung ist für sie das Zusammenleben von zwei „Mischwesen“, jedes von ihnen zur Hälfte ein Mann und zur anderen Hälfte eine Frau:

„Mein Mann gab seine Stelle als Anwalt auf und ich mein exklusives, primitives Mutterrecht auf die Kinder.“ (S. 30).

Das ist keine Gleichberechtigung, sondern Rollentausch in einem überkommenen, veralteten Ehesystem. Das ist für eine moderne Frau im Jahre 2012 eine arg rückgewandte Ansicht.

Gleichberechtigung bedeutet nicht, jede*r macht die Hälfte, sondern jede*r macht alles, also z.B. Geld verdienen, Kinder erziehen, Wohnung putzen oder Wäsche waschen und sich lieben.

Fehlt ein Mann im Haus, so geht vieles nach und nach kaputt. Und so beschreibt Rachel Cusk, wozu die Männer in einer Beziehung auch noch nützlich sein können:

„Z bringt seinen Werkzeugkasten mit. Er repariert die kaputte Dusche, die rostigen Fahrräder und das Rohr, aus dem das Wasser in die Küchenwand läuft.“ (S. 152).

Mit diesen Sätzen hadere ich. Sie sind es, die mich das Buch wenig überzeugend finden lassen.

„Danach: Über Ehe und Trennung“ ist die höchst subjektive Geschichte Rachel Cusks über das schmerzliche Scheitern ihrer Ehe trotz vielleicht bester Absichten auf beiden Seiten. Eine Geschichte, die man lesen kann, aber nicht muss.

Rachel Cusk: Danach: Über Ehe und Trennung.
Suhrkamp Verlag, Mai 2020.
187 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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