Meredith Russo: Als ich Amanda wurde

Die 17-jährige Amanda zieht aus ihrem Heimatort weg, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Denn zu viele Menschen dort wissen, dass Amanda nicht immer so hieß. Geboren wurde sie als Andrew Hardy. Doch den hat sie lange hinter sich gelassen. Denn Andrew spürte schon als kleines Kind, dass er ein Mädchen ist. Die geschlechtsangleichenden Operationen hat Amanda endlich hinter sich und durch die Hormoneinnahmen ist sie auch sonst ein Mädchen. Im Wohnort ihres Vaters will Amanda neu anfangen und alles klappt erstmal total gut. Sie findet schnell neue Freunde und dann taucht sogar ein Junge auf: Grant. Amanda verliebt sich Hals über Kopf. Doch was passiert, wenn irgendjemand hier die Wahrheit herausfindet?

Meredith Russo behandelt in ihrem Roman ein Thema, das sehr selten in Jugendbüchern angesprochen wird. Transgender scheint bei deutschen Autoren immer noch ein Tabuthema, internationale Autoren wagen sich langsam heran. Ein großes Plus hat die Autorin auf ihrer Seite: Sie ist selbst Transgender und hat eigene Erfahrungen in ihre Geschichte einfließen lassen! Russo erzählt in der Gegenwart die aktuellen Entwicklungen rund um Amanda, die die geschlechtsangleichenden Operationen hinter sich hat und nun endlich als vollkommene junge Frau leben kann. Zwischen den Kapiteln werden immer wieder Stationen in Amandas Leben aufgegriffen, die sie zum aktuellen Punkt geführt haben, etwa ein Selbstmordversuch oder ein Schulaufsatz, in dem sie sich die Zukunft als Frau ausmalte.

Der Roman ist gut zu lesen, ihm fehlt aber jeglicher Schnickschnack. Amanda zieht in die neue Stadt, lernt augenblicklich nette Menschen kennen, die innerhalb von einem Tag bereit sind, sie in ihrer Clique aufzunehmen. Dann taucht noch am selben Tag ein toller Junge auf und wenig später teilt sie mit einem ihr völlig unbekannten Mädchen schon tiefgründige Geheimnisse aus. Wen das nicht stört, der ist hier gut unterhalten! Denn von diesem Problem mal abgesehen – der Roman wirkt dadurch arg konstruiert – ist das Lesen wirklich interessant. Das Thema ist gut umgesetzt, doch wo andere Autoren und Autorinnen zu viel schwafeln, ist es bei Russo fast zu wenig.

Dennoch bleibt „Als ich Amanda wurde“ aufgrund der selten angesprochenen Thematik sehr empfehlenswert für Jugendliche ab 14 Jahren.

Meredith Russo: Als ich Amanda wurde.
dtv, September 2017.
304 Seiten, Taschenbuch, 10,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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