Meredith Russo: Birthday – Eine Liebesgeschichte

Ein Unwetter hält zwei Familien bei der Geburt ihrer Kinder in einem Krankenhaus fest. So kommt es, dass sich nicht nur die Eltern miteinander anfreunden. Auch Eric und Morgan werden im Laufe ihrer Kindheit allerbeste Freunde. Sie lieben die Tradition, mit ihren Eltern den gemeinsamen Geburtstag zu feiern. Als Morgans Mutter an Krebs stirbt, ändert sich alles. Die Freundschaft zwischen Erics Eltern und Morgans Vater zerbricht. Morgan und sein Vater müssen in einen Trailer ziehen, während Eric und seine Eltern jeden Luxus haben, den man sich nur wünschen kann. Doch der Schein trügt. In beiden Familien brodelt es. Auch in Eric und Morgan brodelt es. Während Eric etwas fühlt, was er nicht versteht, spürt Morgan, dass etwas in ihm anders ist. Sein Körper fühlt sich falsch an, und er glaubt, mit ihm sei etwas verkehrt. Auch andere merken dies und lehnen Morgan deshalb ab. Nur Eric hält zu ihm. Irgendwann begreift Morgan, sein Leben braucht dringend eine Wendung zum Besseren. Er weiß nur nicht, wie.

„… Die Typen an der Schule beschimpfen mich als Weichei und Heulsuse … und das, obwohl ich wirklich nie, niemals weine. Die Traurigkeit steigt normalerweise nie höher als bis in meine Kehle. Nur heute Abend kann ich sie nicht mehr aufhalten.“ (S. 167)

Meredith Russo lebt seit 2013 als Frau. Ihr Debütroman „Als ich Amanda wurde“ war in den USA eines der ersten Bücher zum Thema Transgender. In diesem Jahr erscheint von ihr ein Jugendroman zu ihrem Lebensthema. Er wurde von Anne Brauner und Susanne Klein übersetzt. Entstanden ist eine ergreifende, wunderschöne Liebesgeschichte, wie man sie selten zu lesen bekommt.

In ihrem Roman lässt sie abwechselnd Morgan und Eric erzählen, wie sie ihre Geburtstage erleben. Jedes Kapitel ist einem Geburtstag gewidmet und zeigt die Veränderung in ihrem Leben. Sie werden älter und die Probleme größer. Trotzdem bleiben sie beste Freunde.

Die Autorin schreibt einfühlsam und mit so viel Herzblut, dass man als Leser einfach mitgenommen wird. Sie zeigt nicht Eingeweihten, wie es sich anfühlt, in einem fremden Körper gefangen zu sein und gleichzeitig von anderen angegriffen wird. Dies geschieht ohne erhobenen Zeigefinger. Die Angriffe in der Schule geschehen, weil Morgans Mitmenschen mit dem Anderssein nicht umgehen können. Kaum einer von ihnen hat scheinbar gelernt, jeden so zu akzeptieren, wie sie/er ist. Wenn man sich vor Augen führt, wie lange schon Vertreter der Kirche das kurzgegriffene Lebensmodell Mann/Frau hochhalten oder Homosexualität in vielen Ländern als Straftat geahndet wird, dann ist es höchste Zeit für andere Töne. Und wenn sie so wundervoll sind, wie die von Meredith Russo, gibt es erneut Beispiele, jedem Menschen mit Respekt zu begegnen.

Ihre Liebesgeschichte macht froh, schenkt Hoffnung und ist eine der besten in der Jugendliteratur.

Meredith Russo: Birthday – Eine Liebesgeschichte.
Loewe, Januar 2021.
320 Seiten, Taschenbuch, 16,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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