Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenfluch

Ann Kathrin Klaasen und ihr Team sind zurück. Wer diese außergewöhnliche Hauptkommissarin aus Ostfriesland kennt und mag, wird sich darüber freuen, aber auch Neueinsteiger kommen mit diesem spannenden Krimi gut zurecht. In einem Rapsfeld nahe des Deiches liegt eine nackte, tote, mit Blumen geschmückte Frau. Neben ihr, ebenfalls mit einem Schrotgewehr ermordet, ein Tourist aus Wattenscheid. Die Identitäten sind schnell geklärt und bald stellt sich heraus, dass Angela Röttgen vor ihrem Tod schon seit einiger Zeit spurlos verschwunden war. Hat sie ihre Familie verlassen, wurde sie entführt oder hat ihr Mann sie im Haus eingeschlossen?

Weitere Fälle von verschwundenen Frauen werden bekannt. Bei Freunden (oder Geliebten?) kommen Päckchen mit Frauenkleidung an. Auf Angela Röttgens Ehemann wird mit dem Schrotgewehr geschossen. Wie hängt das alles zusammen? Gibt es einen Täter oder sind es mehrere?

Die actionreiche Geschichte bleibt offen bis zum Showdown, hat zahlreiche Wendungen und einige Verdächtige zu bieten. Mit viel psychologischem Feingefühlt entwickelt Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf in seinem 12. Ostfriesenkrimi eine Geschichte um verletzte Seelen, um Sein und Schein, um Liebe und Verzweiflung.

Dabei schildert er die Figuren mit viel Sympathie und würzt wie gewohnt mit einer Prise Ostfriesen-Ironie, die zum Grinsen einlädt. Ann Kathrin Klaasen schwankt zwischen stark und verletzlich, ihr Kollege und Ehemann Frank Weller stützt sie, so gut er kann, hat aber selbst seine Höhen und Tiefen. Rupert nervt wie immer mit seinem Macho-Getue, ist aber doch irgendwie rührend, wenn er versucht, der russischen Austausch-Polizistin weiszumachen, dass eigentlich er der Größte und Beste ist. Auch Ubbo Heide, der Ex-Chef und Mentor Ann Kathrins kommt beratend zum Einsatz und führt das Team auf die richtige Spur. Der neue Polizeichef Martin Büscher kommt auf den Marzipan-Seehund-Geschmack und schafft es, dem eingeschworenen Team näher zu rücken. Ein bisschen blass bleibt lediglich Sylvia Hoppe.

Wolf nimmt alle Personen in seiner Geschichte ernst und erlaubt auch den Nebenfiguren Gedanken, die nicht unbedingt direkt mit dem Fall zu tun haben, manchmal blickt er sogar gemeinsam mit dem Leser in ihre Zukunft.

Dem zahlreich für seine Bücher ausgezeichneten Wahl-Ostfriesen Klaus-Peter Wolf ist es mit diesem Krimi wieder gelungen, Spannung, Humor und etwas Tiefgang zu bester Unterhaltung zu verbinden. Man fiebert mit den lebensnahen Figuren mit, teilt mit ihnen das Wechselbad der Gefühle, atmet am Ende tief durch und würde am liebsten sofort an die Nordsee aufbrechen, um gemütlich in einer Teestube zu sitzen oder sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Ein Buch für alle Krimi- und Ostfrieslandfans, ideal für ein Wochenende auf dem Sofa oder einen Urlaub im Strandkorb.

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenfluch.
Fischer, Februar 2018.
512 Seiten, Taschenbuch, 10,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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