Kevin Hearne: Die Chronik des Eisernen Druiden 06: Gejagt

Erinnern wir uns zurück – Loki wurde befreit und schickt sich an, das geweissagte Ragnarök durch die Ermordung von Atticus loszutreten. Die Asen sind untereinander verstritten und de facto handlungsunfähig. Einzig Atticus, der letzte Druide, pardon mittlerweile wurde ja sein Lehrmädchen Granuaile in den hehren Stand der Druiden aufgenommen, scheint die einzige Hoffnung für die Welt zu sein, da nur er sich gegen den Untergang derselbst stemmt. Allerdings und dummerweise ist er gerade mit Anderem beschäftigt. Er versucht verzweifelt zu überleben. Nun ist das für einen mehr als 2000 Jahre alten Druiden nichts wirklich Neues – wenn da nicht die Tatsache wäre, dass seine Feinde allzu viele und allzu mächtig sind.

Seitdem er Baccus, den Gott des Weines aus dem Verkehr gezogen hat, verfolgen ihn gleich zwei rachsüchtige Göttinnen im Auftrag sowohl des Olymp als auch der römischen Götter. Da sämtliche Tore zu anderen Ebenen von den griechisch-römischen Göttern blockiert wurden bedeutet dies für ihn, seine Mitdruidin und den Wolfshund Oberon sich auf Schusters Rappen aus der Bredouille zu entfernen – und das möglichst geschwinden Schrittes. So fliehen sie in ihren Tierkörpern und mit Hilfe der Kräfte, die ihnen Gaia spendet quer durch Europa.

Allerdings sind auch ihre Häscher nicht zu unterschätzen, wie sie leidvoll und schmerzhaft immer wieder erfahren müssen. Immer deutlicher wird auch, dass einer der alten irischen Feen Atticus nicht unbedingt wohlgesonnen ist – die Spur führt zum Land unter und hinter den Hügeln …

Was als relativ simple Urban Fantasy Reihe begann, das hat sich in den bei uns bislang erschienen 6 Bänden gemausert. Nach der Einführung der Figuren und der generellen Konflikte zog der Autor das Tempo immer mehr an, und ging von inhaltlich abgeschlossenen Einzelabenteuern zu einer großen Rahmenhandlung über, die uns den Kampf von Atticus und Co gegen Loki und den Weltuntergang schildert.

Dass die jeweiligen Romane somit nicht länger abgeschlossen sind, dass der Leser zwingend die Kenntnis der vorhergehenden Titel benötigt, um dem Geschehen folgen zu können ist gleichzeitig Nachteil wie Chance. Nachteil deswegen, weil Neuleser der Handlung, steigen sie erst jetzt ein, nicht mehr folgen werden können, Chance, weil der zusätzliche Raum der dem Verfasser zu Verfügung steht naturgemäß in eine komplexere Handlung und detailreichere Schilderungen mündet.

Hearne gelingt dabei das Kunststück, das ursprünglich schon hohe Tempo weiter anzuziehen, eine Actionszenen an die andere zu packen und dabei seinen roten Faden nicht aus dem Visier zu verlieren. Natürlich wuchert er mit bekannten Pfunden – etwa der pointierten, zum Teil urkomischen Darstellung der unterschiedlichen Götter, ihren zutiefst menschlichen Fehlern und Eigenheiten. Die rasante Jagd quer durch Kontinentaleuropa bis hin in die Englischen Parks liest sich wie ein wild gewordener Dauer-Stund eines Hollywood Blockbusters. Da fliegen Streitwagen durch die Lüfte, kämpfen Meeresungeheuer und auch die wilde Jagd ist mit von der Partie. Hearne fährt auf, was gut und teuer ist.

Das liest sich rasant und packend auf einen Rutsch durch und lässt einen, ob des Cliffhangers einmal mehr nägelkauend zurück.

Kevin Hearne: Die Chronik des Eisernen Druiden 06: Gejagt.
Klett-Cotta, April 2017.
368 Seiten, Taschenbuch, 16,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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