Jane Gardam: Bell und Harry

Die britische Schriftstellerin Jane Gardam (Jahrgang 1928) ist in Deutschland vor allem für ihre „Old Filth“-Trilogie bekannt. 2018 erschien bei Hanser Berlin ihr Debütroman „Weit weg von Verona“ aus dem Jahr 1971. Nun veröffentlichte der Verlag am 13. Mai 2019 „Bell und Harry“ in einer Übersetzung von Isabel Bogdan. Die englische Originalausgabe unter dem Titel „The Hollow Land“ erschien 1981.

Bell Teesdale, der Landjunge, und Harry Bateman, der Stadtjunge, lernen sich im „Hohlen Land“ kennen, das so heißt, weil früher in dieser Region in Yorkshire Bergbau betrieben wurde. Harrys Eltern haben das Farmhaus „Light Trees“ von Bells Großvater Hewitson gepachtet und suchen dort Erholung vom anstrengenden Stadtleben in London. Zunächst müssen sich die Familien aneinander gewöhnen. Und erst sieht es danach aus, als ob die Batemans nicht lange bleiben werden. Denn es ist Heuernte und die Teesdales machen jede Menge Krach mit ihren Treckern und Mähern. Aber danach wird „Light Trees“ für Jahrzehnte zum Urlaubsdomizil für die Familie Bateman. Harry aber fühlt sich dort von Anfang an zu Hause. Er schließt Freundschaft mit Bell, er flieht vor der Eierhexe, und er lauscht den alten Geschichten und Mythen, die der Schornsteinfeger Kendal ihnen erzählt. Mit Bell erkundet er einen verlassenen Stollen, bis Geröll ihnen den Rückweg versperrt. Harry sitzt mit Granny Crack, der Mutter von der Eierhexe, auf der Mauer und erzählt ihr von London. Im Winter machen Harry und Bell einen „Fahrradeisflug“. Und 20 Jahre später, Bell ist mit Poppet verheiratet und hat eine Tochter namens Anne, kommt Harry immer noch ins „hohle Land“. Irgendwann erscheint ein südamerikanischer Cousin, Henry Roberto Hewitson III, und erhebt Anspruch auf „Light Trees“. Glücklicherweise hat Großvater Hewitson in seinem Testament festgelegt, dass „Light Trees“ an Anne fällt und Harry lebenslanges Wohnrecht bekommt.

Jane Gardam hat mit „Bell und Harry“ ein schönes, kleines Buch über eine Ferienbekanntschaft geschrieben, die sich zu einer lebenslangen Freundschaft mausert. Sie beschreibt die Annäherung von Land- und Stadtmenschen in kleinen Anekdoten und Erlebnissen, die für die beiden Jungen zu unvergesslichen Momenten werden. Durch einen respektvollen Umgang mit den Unterschieden werden die Familien zu Freunden. Und am Ende gilt diese Freundschaft mehr als die Familienbande.

Jane Gardam erzählt in einem heiteren, vielleicht etwas altmodisch klingenden Tonfall, oft aus Sicht der Kinder in der Geschichte, die in jenen Jahren ihre Freizeit noch ohne Smartphone und Computer gestalten mussten. Dabei wird der Alltag zum Ereignis und die Freundschaft mit jedem gemeinsamen Erlebnis gestärkt.

„Bell und Harry“ ist ein Gute-Laune-Buch für die kommende Ferien- und Urlaubszeit oder für eine kleine Auszeit im Alltag.

Jane Gardam: Bell und Harry.
Hanser, Mai 2019.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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