Fürst Lahovary/Georges Manolescu: Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler (1905)

Anfang des vorigen Jahrhunderts war ein Mann sehr bekannt, der als Urbild des Hochstaplers gilt: Georges Manolescu, der sich zeitweise auch „Fürst Lahovary“ nannte. Sogar der große Thomas Mann hat aus diesem Fall Inspiration für seinen berühmten „Felix Krull“ gezogen.

Der Manesse-Verlag, der sich auf Klassiker spezialisiert hat, hat nun erneut die Memoiren Manolescus herausgebracht, die bereits 1905 entstanden sind. In abgehobener, manierierter Weise, wie es sich für einen Hochstapler gehört, beschreibt Manolescu frei von jeder Moral, wie er Hotelzimmer ausraubt, auf der Suche nach Frauen ist, die über genügend Geld verfügen, und generell auf großem Fuße lebt, um seine Umwelt zu beeindrucken. Unglücklicherweise (aus seiner Sicht) bezahlt er diesen Lebensstil mit längeren Aufenthalten in Gefängnissen und sogar in der Irrenanstalt. Doch auch dort verliert er nicht die Fasson.

Der Lesegenuss dieses Buches besteht auch darin, sich über Manolescus naive Umwelt zu amüsieren, die immer wieder auf dessen schönen Schein und seine Redegewandtheit hereinfällt. Wer will, kann darin durchaus Parallelen zu aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen sehen: Stichwort Wirecard-Skandal zum Beispiel. Gelegentlich ertappt man sich sogar dabei, sich versehentlich auf die Seite des Hochstaplers geschlagen zu haben.

Fürst Lahovary/Georges Manolescu: Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler (1905).
Manesse, Oktober 2020.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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