Benedict Jacka: Alex Verus 04: Der Wächter von London

Es ist schon eine Krux mit der Vergangenheit – insbesondere dann, wenn es sich um die eigene Historie handelt. Fehler, die man als junger Mensch machte holen einen früher oder später immer ein. Sei es, dass man in der Retrospektive sieht, wie anders das Leben hätte verlaufen können, wenn man nicht wie getan agiert hätte, oder auch auf durchaus drastischere Art. Letzteres muss Alex Verus, Magiermeister und mit der Seher-Gabe ausgestattet schmerzhaft feststellen, als ihn seine lang zurückliegende Lehrzeit einholt.

Einst, fast ein Jahrzehnt ist es her, hatte er sich als Adept einem Schwarzmagier angeschlossen und während seiner Ausbildung Dinge getan, auf die er alles andere als stolz ist. Eine junge Frau, ein Teenager wurde grausam gefoltert, missbraucht und letztlich geopfert – und er hat seine Kommilitonen im Dienst seines Meisters zu dem Opfer geführt. Nun ist der Bruder auf Vendetta aus – und er hat sich Hilfe der magischen Art mitgebracht. Eine ganze Gruppe magisch Begabter heftet sich auf Alex´ Spuren und bringen dazu noch seine wenigen Freunde in Gefahr. Das kann, das muss und das wird Alex Verus sich nicht gefallen lassen – wenn nur dieses lästige Gewissen in seinem Hinterkopf nicht wäre. Doch wie lautet der alte weise Spruch? Nur ein toter Feind ist ein guter Feind – und so macht sich Alex auf, im Kampf dringend benötigte Hilfe zu suchen – ob diese nur freiwillig offeriert wird, oder man sie sich ergaunern muss, das sei einmal dahingestellt …

Auch im vierten Band er Urban Fantasy Reihe erweist sich Benedict Jacka als veritable Konkurrenz zu Jim Butcher. Verus versus Dresden – ein Fernduell, das der Magier aus Chicago bislang noch gerade so für sich entscheiden kann, doch der Verfolger kommt deutlich näher. In den ersten Teilen lernten wir unsere Hauptfigur kennen, wurden mit der magischen Welt in Großbritannien vertraut und durften, peu a peu, die Wesen an der Seite unseres Magiers kennenlernen. Vorliegend geht der Autor nun auf die Vergangenheit seines Protagonisten ein. Er, der von dem magischen Establishment gemieden wurde und wird hat nur die Möglichkeit seine Ausbildung bei einem Magier des dunklen Weges zu absolvieren. Dass er hier Taten vollüben musste, die moralisch zweifelhaft waren und sind war klar, wie tief er dabei aber innerlich verletzt wurde, das zeigt sich, nach und nach, in diesem Roman.

Der Autor lässt sich dabei Zeit. Behutsam baut er die Historie auf, lässt uns zögerlich, fast zaghaft mit unseren Erzähler in diese für ihn schlimme und verdrängte Zeit eintauchen. Flankiert wird diese durchaus kritische Rückschau durch so manche Actionszenen um die Angriffe der Rächer auf unseren Helden. Das hält das Tempo hoch, ansonsten ist man als Leser durch die sich behutsam offenbarenden Geheimnisse an die Seiten gebannt. Ergänzt wird das Bild dann durch das Porträt seine Mitlehrlinge, von denen eine in der Jetztzeit immer wieder seinen Weg kreuzt. Ganz zum Schluss darf dann auch ein wirklich fieser Cliffhanger nicht fehlen, um auch ja das Interesse bis zum nächsten Band hoch zu halten.

Ergo, alles in Allem hat Jacka hier Vieles richtig gemacht. Er hat seine Hauptperson mit weiterem Background hinterfüttert, Gegenspieler platziert, Rätsel angedeutet und kommende Konflikte vorbereitet. Wenn er denn noch einen Tick mehr auf den inneren Zwiespalt Verus´ hingewiesen hätte, der Roman wäre perfekt. So bleibt ein interessantes Werk, das allerdings zum Verständnis die Kenntnis der Vorbände fast unabdingbar voraussetzt.

Benedict Jacka: Alex Verus 04: Der Wächter von London.
Blanvalet, Mai 2020.
416 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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