Adam Haslett: Stellt euch vor, ich bin fort

In seinem nach „Union Atlantic“ (2009) zweiten Roman widmet sich der US-amerikanische Schriftsteller Adam Haslett dem Thema Depression. „Stellt euch vor, ich bin fort“ heißt das Werk. Haslett begleitet eine Familie über viele Jahre, die damit klarkommen muss, dass sich Vater John wegen seiner psychischen Erkrankung das Leben genommen hat.

Reizvoll an diesem Buch ist, dass es abwechselnd und sehr glaubwürdig die unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder einnimmt. Da ist Sohn Michael, der ebenfalls mit starken Angststörungen leben muss. Er hat Schwierigkeiten, eine Frau und einen Job zu finden. Seinen beiden einzigen Interessen gelten der Funk-Musik und dem Schicksal der Schwarzen in den Zeiten der Sklaverei. Er ist sehr kreativ und fantasievoll, was sich immer dann im Roman widerspiegelt, wenn aus seiner Sicht berichtet wird. Weiterlesen

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David Szalay: Was ein Mann ist

Der britische Schriftsteller David Szalay geht in seinem Buch „Was ein Mann ist“ der Frage nach, was eigentlich die typischen Wesensmerkmale und Charaktereigenschaften von Männern sind. Dazu reiht er neun kürzere Erzählungen aneinander, in denen ganz unterschiedliche Männer im Alter zwischen 17 und 73 Jahren im Mittelpunkt stehen. Manche sind arm, manche reich, einige haben einen höheren, andere einen niedrigen Bildungsgrad.

Oft – und wie sollte es anders sein – stehen in diesen Geschichten die Beziehungen zu Frauen im Fokus. Aber während der 17-Jährige Simon Tag und Nacht an seine Angebetete denkt, obwohl er noch nie mit ihr gesprochen hat, geht es später um Streit in Beziehungen oder sogar gescheiterte Ehen. Weiterlesen

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Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre

Dem Flüchtlingsthema widmet sich der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein in seinem Roman „Die kommenden Jahre“. Doch es geht in diesem Buch um mehr. Natascha, eine wortgewandte und den Menschen zugetane Autorin, lässt eine syrische Flüchtlingsfamilie in einem Sommerhaus wohnen, das sie und ihr Mann Richard an einem abgelegenen See besitzen. Doch während sie – schon auf fast verbissene Weise – alles dafür tut, es den Neuankömmlingen so einfach wie möglich zu machen, sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben, kapselt sich Richard immer mehr ab. Er ist ein Gletscher-Forscher und träumt davon, mit seinem Freund Tim in Kanada seinen eiskalten Forschungen nachzugehen.

Die Anwesenheit der syrischen Familie macht etwas deutlich, das vielleicht schon viel länger unter der Oberfläche schwelt: Natascha und Richard passen nicht zusammen. Sie unternimmt immer mehr mit dem Vater der syrischen Familie, er ist wieder mehr an einer alten Freundin interessiert, die ebenfalls als Gletscher-Forscherin arbeitet. Weiterlesen

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T. C. Boyle: Good Home

Ein Mann muss eine Leber zu einer Patientin transportieren. Doch dann gerät er wegen eines Erdrutsches in einen Megastau, und das Organ wird von Minute zu Minute unbrauchbarer. Eine liebesbedürftige Frau gerät an einen Fanatiker, der alle wild lebenden Katzen töten möchte. Ein einsamer Mann kauft sich eine Schlange, kommt aber nicht damit zurecht, dass er ihr Ratten zum Fraß vorwerfen muss, die ihm so sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Geschichten in T.C. Boyles Story-Sammlung „Good Home“ haben es allesamt in sich und sind deshalb so atemberaubend spannend und lesenswert, dass man sich zuweilen fast nicht traut, auf die nächste Seite zu blättern, es dann aber natürlich doch tut, weil man wissen muss, wie es weitergeht.

Dass man sich alle 30 bis 40 Seiten an neues Personal und ganz neue Situationen gewöhnen muss, ist gar nicht schlimm – im Gegenteil: Es macht den Reiz dieses Buches aus. Weiterlesen

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Eshkol Nevo: Über uns

Der 1971 geborene israelische Autor Eshkol Nevo hat die Bewohner eines dreistöckigen Hauses unter die Lupe genommen und ihre Eigenarten, Sorgen und Probleme in drei Kapiteln niedergeschrieben. Diese Idee ist zwar nicht ganz neu – unter anderem José Saramago für „Claraboia“ hatte sie schon –, aber interessant ist sie trotzdem.

In der ersten Etage des porträtierten Hauses ist es ein Vater, der der fixen Idee verfällt, sein an beginnender Demenz leidender Nachbar hätte seine Tochter missbraucht. Er steigert sich immer mehr in diesen Wahn hinein. Eine Etage darüber leidet Chani unter der ständigen Abwesenheit ihres Mannes. Auch dass er sich so wenig für seine Kinder interessiert, setzt ihr zu. Dann kommt der Bruder des Ehemanns, der ein gesuchter Immobilienhai ist und seinen Kunden Unsummen an Geld schuldet. Aber er tut genau das, was sein Bruder nie tut: Er hört Chani zu und kümmert sich um die Kinder. Das führt zu einer schwierigen Zwickmühle für Chani. Weiterlesen

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John Fante: Der Weg nach Los Angeles (1936)

In den 30er-Jahren geschrieben, in den 80ern erstmals veröffentlicht, jetzt von Alex Capus hervorragend und mit viel Liebe zum Detail neu ins Deutsche übersetzt – das ist John Fantes erster Roman „Der Weg nach Los Angeles“, den immerhin der große Charles Bukowski zum Besten gerechnet hat, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.

John Fante (1909-1983) beschreibt das Leben seines Alter Egos, Arturo Bandini, bei dem Eigenwahrnehmung und Realität etwas auseinanderdriften, um es einmal vorsichtig auszudrücken: Bandini hält sich selbst für einen großen Denker und für den größten Schriftsteller aller Zeiten, arbeitet dem zum Trotz aber in einer Fischfabrik und kommt jeden Abend stinkend zu Mutter und Schwester nach Hause. Vor allem die Schwester verachtet ihn und es gibt täglich Streit. In der Fischfabrik wird er zum Einstand verprügelt und würgt sich wegen des Gestanks, der dort herrscht, die Seele aus dem Leib. Weiterlesen

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Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?

Ein schöner Abenteuer-Unterhaltungsroman ist dem 1966 geborenen Potsdamer Autor Torsten Seifert mit „Wer ist B. Traven?“ gelungen. Darin schickt er seinen Helden Leon in der Nachkriegszeit auf die Suche nach dem legendären Autor mit dem Pseudonym B. Traven. Den gab‘s wirklich, und um seine wahre Identität ranken sich noch immer Rätsel – auch wenn die Literaturwissenschaft heute zumindest annimmt, dass es sich um einen Deutschen namens Otto Feige gehandelt hat.

Von Traven stammen immerhin so berühmte Romane wie „Der Schatz der Sierra Madre“, der später von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Der Film hat mehrere Oskars eingeheimst. Weiterlesen

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Volker Heise: Außer Kontrolle

Volker Heises Roman „Außer Kontrolle“ ist womöglich nicht spektakulär genug, dass man sich noch in ein paar Jahren an ihn erinnern wird. Aber gute Unterhaltung bietet diese Mischung aus Drama und Thriller mit stetig steigender Eskalationskurve allemal.

Jan möchte seiner Angebeteten in einem Luxusrestaurant einen Heiratsantrag machen. Doch die Sache geht schief – und zwar so dermaßen, wie man es sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen könnte. Schuld sind ein Restaurantchef vor dem finanziellen Ruin, der keine Kreditkarten akzeptiert, ein übereifriger, aber nicht allzu heller Polizist und Jan, der mit allem schlicht überfordert ist.

Autor Volker Heise ist Fernseh-Regisseur, Dramaturg und Produzent – und das merkt man seinem ersten Roman an. Weiterlesen

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Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir

Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer nennt sein Buch über das Ende einer Ehe und die Zeit danach „Roman“ – doch das ist es nur zu einem ganz kleinen Teil. Größtenteils ist es eine Art Materialsammlung aus wissenschaftlichen Büchern und Untersuchungen, Zeitschriften-Artikeln, eigenen Überlegungen und allem, was der Autor zu dem Thema „Scheidung“ zusammentragen konnte. Eine gute Recherche-Leistung, sicher, aber eben kein Roman.

Der Leser erfährt viel über Statistiken und über die Wirkungsweise unterschiedlicher Pillen, über Parship und Depressionen – also all das, was man in einem Sachbuch zum Thema erwarten würde.

Aber alles, was einen Roman ausmachen würde – eine Art Handlung oder auch das tiefere Eindringen in die Köpfe der handelnden Figuren – bleibt an der Oberfläche. Weiterlesen

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Irene Dische: Schwarz und Weiß

„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.

Der Leser begleitet das gemischtrassige Paar Lili und Duke durch ihr Leben in New York von den 70er-Jahren bis zum Ende der 90er. Duke ist schwarz, stammt aus einfachsten Verhältnissen, avanciert aber auch dank der stetigen Hilfe seiner Frau, die aus einer Familie von Intellektuellen kommt, zu einem großen Weinkenner. Und auch für die weiße Lili geht es bergauf. Sie wird ein gefragtes Model. Zunächst scheint es für die beiden, die sich ständig ihrer Liebe versichern, stetig bergauf zu gehen. Doch dann tauchen erste Risse auf: Ihr kostspieliges Leben verschlingt Unsummen an Geld, und in Lilis Charakter zeigen sich weniger sympathische Eigenschaften. Weiterlesen

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