John Fante: Der Weg nach Los Angeles (1936)

In den 30er-Jahren geschrieben, in den 80ern erstmals veröffentlicht, jetzt von Alex Capus hervorragend und mit viel Liebe zum Detail neu ins Deutsche übersetzt – das ist John Fantes erster Roman „Der Weg nach Los Angeles“, den immerhin der große Charles Bukowski zum Besten gerechnet hat, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.

John Fante (1909-1983) beschreibt das Leben seines Alter Egos, Arturo Bandini, bei dem Eigenwahrnehmung und Realität etwas auseinanderdriften, um es einmal vorsichtig auszudrücken: Bandini hält sich selbst für einen großen Denker und für den größten Schriftsteller aller Zeiten, arbeitet dem zum Trotz aber in einer Fischfabrik und kommt jeden Abend stinkend zu Mutter und Schwester nach Hause. Vor allem die Schwester verachtet ihn und es gibt täglich Streit. In der Fischfabrik wird er zum Einstand verprügelt und würgt sich wegen des Gestanks, der dort herrscht, die Seele aus dem Leib. Weiterlesen

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Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?

Ein schöner Abenteuer-Unterhaltungsroman ist dem 1966 geborenen Potsdamer Autor Torsten Seifert mit „Wer ist B. Traven?“ gelungen. Darin schickt er seinen Helden Leon in der Nachkriegszeit auf die Suche nach dem legendären Autor mit dem Pseudonym B. Traven. Den gab‘s wirklich, und um seine wahre Identität ranken sich noch immer Rätsel – auch wenn die Literaturwissenschaft heute zumindest annimmt, dass es sich um einen Deutschen namens Otto Feige gehandelt hat.

Von Traven stammen immerhin so berühmte Romane wie „Der Schatz der Sierra Madre“, der später von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Der Film hat mehrere Oskars eingeheimst. Weiterlesen

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Volker Heise: Außer Kontrolle

Volker Heises Roman „Außer Kontrolle“ ist womöglich nicht spektakulär genug, dass man sich noch in ein paar Jahren an ihn erinnern wird. Aber gute Unterhaltung bietet diese Mischung aus Drama und Thriller mit stetig steigender Eskalationskurve allemal.

Jan möchte seiner Angebeteten in einem Luxusrestaurant einen Heiratsantrag machen. Doch die Sache geht schief – und zwar so dermaßen, wie man es sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen könnte. Schuld sind ein Restaurantchef vor dem finanziellen Ruin, der keine Kreditkarten akzeptiert, ein übereifriger, aber nicht allzu heller Polizist und Jan, der mit allem schlicht überfordert ist.

Autor Volker Heise ist Fernseh-Regisseur, Dramaturg und Produzent – und das merkt man seinem ersten Roman an. Weiterlesen

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Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir

Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer nennt sein Buch über das Ende einer Ehe und die Zeit danach „Roman“ – doch das ist es nur zu einem ganz kleinen Teil. Größtenteils ist es eine Art Materialsammlung aus wissenschaftlichen Büchern und Untersuchungen, Zeitschriften-Artikeln, eigenen Überlegungen und allem, was der Autor zu dem Thema „Scheidung“ zusammentragen konnte. Eine gute Recherche-Leistung, sicher, aber eben kein Roman.

Der Leser erfährt viel über Statistiken und über die Wirkungsweise unterschiedlicher Pillen, über Parship und Depressionen – also all das, was man in einem Sachbuch zum Thema erwarten würde.

Aber alles, was einen Roman ausmachen würde – eine Art Handlung oder auch das tiefere Eindringen in die Köpfe der handelnden Figuren – bleibt an der Oberfläche. Weiterlesen

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Irene Dische: Schwarz und Weiß

„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.

Der Leser begleitet das gemischtrassige Paar Lili und Duke durch ihr Leben in New York von den 70er-Jahren bis zum Ende der 90er. Duke ist schwarz, stammt aus einfachsten Verhältnissen, avanciert aber auch dank der stetigen Hilfe seiner Frau, die aus einer Familie von Intellektuellen kommt, zu einem großen Weinkenner. Und auch für die weiße Lili geht es bergauf. Sie wird ein gefragtes Model. Zunächst scheint es für die beiden, die sich ständig ihrer Liebe versichern, stetig bergauf zu gehen. Doch dann tauchen erste Risse auf: Ihr kostspieliges Leben verschlingt Unsummen an Geld, und in Lilis Charakter zeigen sich weniger sympathische Eigenschaften. Weiterlesen

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Matthew Weiner: Alles über Heather

„Alles über Heather“ von Matthew Weiner ist ein dünnes Romänchen, das man an einem Nachmittag durchlesen kann. In seiner stilistisch hervorragend geschriebenen Geschichte beschränkt sich der Autor auf die allernötigsten Informationen, und dennoch (oder gerade deswegen?) gelingt es ihm, ein Werk vorzulegen, das eine große Intensität entfaltet.

Es geht um die unterschiedlichen Lebensweisen einer sozial hochstehenden Familie mit viel Geld und einem Mann aus schwierigsten sozialen Verhältnissen. Weiterlesen

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Ned Beauman: Glow

Ned Beaumans Roman „Glow“, der jetzt als Taschenbuch im Hoffmann & Campe-Ableger Tempo erschienen ist, beginnt vielversprechend. Ein junger Londoner namens Raf mit Schlafstörungen verliebt sich auf einer illegalen Party in einem Waschsalon Hals über Kopf in eine atemberaubend schöne Frau. Man erwartet einen coolen Roman aus der englischen Jugendszene mit viel Drive, Gefühl und London-Flair – und wird bitter enttäuscht.

Es geht nach diesem ersten guten Kapitel weiter mit seitenlangen Beschreibungen von Wirkstoffen in irgendwelchen Drogen, deren Namen man noch nie gehört hat. Das liest sich genauso spannend wie ein Chemiebuch. Einer neuartigen Droge namens „Glow“ scheint dabei eine besondere Bedeutung zu haben. Hinzu kommt ein kruder und äußerst verzwickter Handlungsstrang über eine Firma, die vor illegalen Machenschaften inklusive Entführungen und Misshandlungen nicht zurückschreckt. Auch der Ferne Osten in Gestalt des Staates Burma kommt vor. Weiterlesen

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Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers

Sten Nadolny (75) ist 1983 mit „Die Entdeckung der Langsamkeit“ berühmt geworden. In seinem neuen Roman geht es zauberhaft zu. Zauberer Pahroc hat im Alter von über 100 Jahren das Bedürfnis, seiner Enkelin Mathilda Briefe zu schreiben, die sie in ferner Zukunft – wenn sie volljährig ist – lesen soll. Darin beschreibt der hochbetagte Senior sein Leben und erklärt ihr die wichtigsten Zauberkünste. Dieses Zaubern ist hier durchaus wörtlich gemeint und bezieht sich nicht auf irgendwelche Zirkustricks. Pahroc kann fliegen, durch Wände gehen, Geld in unbegrenzter Menge herstellen und vieles mehr. Das verleiht dem Buch einen angenehm surrealen, manchmal märchenhaften Glanz mit Ironie und leisem Humor.

Dennoch ist „Das Glück des Zauberers“ kein verkappter „Harry Potter“. Im Mittelpunkt stehen die deutschen Geschehnisse im 20. Jahrhundert von der Zwischenkriegszeit in den 20ern, über Nazizeit und Krieg in den 30er- und 40er-Jahren bis bin zu den Studentenunruhen und der Gegenwart mit Flüchtlingen und Terror. Weiterlesen

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Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt

Dem Erwachsenwerden widmet Lindsey Lee Johnson ihren Debütroman „Der gefährlichste Ort der Welt“. Mit diesem Ort ist eine Mittelschule in einem kleinen Städtchen in der Nähe von San Francisco gemeint. Und gefährlich ist es dort, weil sich die Jugendlichen benehmen wie kleine Monster und keine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig zu mobben. Wer da ein Außenseiter ist wie Tristan und zudem noch den Fehler begeht, seiner unerreichbar Angebeteten einen innigen Liebesbrief zu schreiben, der macht sich noch angreifbarer, als er ohnehin schon ist, und hat somit verdammt schlechte Karten.

Auch sollte man die Wohnung seiner Eltern während deren Abwesenheit nicht für eine wilde Party zur Verfügung stellen. Weiterlesen

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Fritz Schaap: Hotel Istanbul

Mit dem Nahen Osten befasst sich die Geschichten-Sammlung „Hotel Istanbul“ des Journalisten Fritz Schaap. Und diesen journalistischen Ansatz spürt man. Die Storys, die von Drogenhändlern in Damaskus, Kriegstouristen an der türkischen Grenze zu Syrien oder Rekrutierungsschulen für die Kämpfer des Islamischen Staates handeln, sind gut recherchierte Reiseberichte – mit einigen (wenigen) fiktiven Elementen.

Schaap, geboren 1981 und tätig unter anderem für Spiegel, Zeit und SZ-Magazin, informiert sich bei einem schwulen Palästinenser über dessen massive Schwierigkeiten in einem homophoben Land und spricht mit Menschenhändlern im Sinai, wobei er sich selbst in Gefahr begibt. Und in „Die heiligen Trinker von Gaza“ trifft er Menschen, die sich über das strikte Alkoholverbot der Muslime hinwegsetzen. Weiterlesen

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