Colum McCann: Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist

Der Autor Colum McCann wurde im Sommer 2014 Opfer einer Gewalttat, bei der er niedergeschlagen wurde, wie er in der Nachbemerkung des Buches beschreibt. Dieses traumatisierende Erlebnis hat Colum McCann auch in den Geschichten dieses Buches verarbeitet. Das Vorfeld von zwei Geschichten hat er vor dem gewalttätigen Übergriff verfasst, als hätte er das Später bereits erahnen können. Dabei kommt McCann ganz ohne Effekthascherei aus, denn er legt den jeweiligen Focus nicht auf die Taten selbst, sondern auf die bedrückenden und einschneidenden Nachwirkungen.

Die Geschichte „Dreizehn Sichtweisen“ beschreibt die Lebenssituation mit allen körperlichen Einschränkungen des zweiundachtzig jährigen verwitweten Mendelssohn, der sich in einem Restaurant in Manhattan mit seinem Sohn Eillot zum Essen verabredet. Das Groteske an der Geschichte ist, dass Eillot sich seinem Vater kaum widmet, sondern sich nur mit seinem Handy beschäftigt.  Als Mendelssohn später allein das Restaurant verlässt, wird er überfallen und stirbt. Die Polizei kann das Verbrechen trotz überall vorhandener Videokameras nicht aufklären.

In „Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist“ konfrontiert uns der Autor mit der Geschichte über eine junge Soldatin, die fern der Heimat der Kälte zwischen den afghanischen Bergen ausgesetzt ist. An Silvester denkt sie an ihren Sohn und ihre Geliebte und möchte mit ihnen telefonieren. Weiterlesen

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Jamie Sawyer: Das Lazarus-Spiel

Willkommen im dritten und letzten Teil einer großen intergalaktischen Liebesgeschichte. Moment, da reiben sie sich überrascht die Augen – sollte die Lazarus Trilogie nicht eigentlich lupenreine Military-SF mit jeder Menge Gefahr, Exotik, Kampf und nicht zuletzt Tod sein? Die Antwort lautet wie immer so treffend, ja, aber …

Schauen wir uns zunächst die Grundsituation an. Zwei menschliche Blöcke, das Asiatische Direktorat und die westliche Allianz haben das All koloniert, stehen einander aber misstrauisch, feindlich bis hin zu kriegerisch gegenüber. Mit der Fremdrasse der Krell in ihren biologischen Raumschiffen und mit entsprechenden Waffen führt die Menschheit seit Jahrzehnten einen verlustreichen, ja desaströsen Krieg, den sie rapide zu verlieren droht. Einzig dem Einsatz von Sims, geklonten Kämpfernkörpern in die der Geist der Soldaten transferiert wird, ist es zu verdanken, dass die Menschheit bis dato überlebt hat. Sobald die Soldaten sterben, wacht ihr Bewusstsein in ihrem natürlichen Körper wieder auf. Weiterlesen

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Christoph Schulte-Richtering: 32 Tage Juli

Lagos in Portugal war der am weitesten entfernte Ort, den man mit einem Interrailticket erreichen konnte. Die beiden Freunde und frischgebackenen Abiturienten Jayjay und Tiggy hatten genau dieses  Ferienziel vor Augen, in das sie ihre Wünsche und Träume packten und dabei den Eltern den Rücken kehren konnten. Endlich war es so weit und sie konnten ganz auf sich allein gestellt in eine Welt eintauchen, in der sie die ersehnten Freiheiten und Abenteuer auskosten wollten, was natürlich auch mit so manchen Widrigkeiten und ungeahnten Risiken einherging.

Viele Jahre später, Jayjay und Tiggy sind mittlerweile siebenundvierzig Jahre alt, machen die beiden sich nochmals auf, ihren alten Sehnsuchtsort Lagos zu besuchen. Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn beide stecken in einer Krise, der eine beruflich, der andere privat. Weiterlesen

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J. P. Delaney: The Girl Before

Jane hat ihr Baby verloren und versucht einen Neuanfang. Sie kündigt ihren Job und sucht eine neue Wohnung. Mit weniger Geld als zuvor fällt die Wohnungssuche schwer und nach einigen Besichtigungen bewirbt sie sich um ein merkwürdig modernes Haus in der Folgate Street 1 in London, das durch Minimalismus und High Tech besticht. „Bewerbung“ bedeutet, dass sie erklären muss, warum das Haus und sie zusammenpassen, dass sie hundert teils persönlicher Fragen beantworten und dem Architekten und Besitzer des Hauses, Edward Monkford, ein Foto von sich schicken muss.

„The Girl Before“, von dem Jane nach und nach erfährt, ist Emma. Sie ist gemeinsam mit ihrem Freund Simon eingezogen, als auch sie an einem Wendepunkt in ihrem Leben war.

Der Dritte im Bunde mit schmerzlicher Vergangenheit ist der Architekt Monkfort selbst: Das Haus war für seine Familie, Frau und Sohn, konzipiert. Beide sind ums Leben gekommen und Jane findet Hinweise darauf, dass sie unter dem Grundstück des Hauses bestattet wurden. Weiterlesen

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Tiffany Watt Smith: Das Buch der Gefühle

»… Es geht in diesem Buch eigentlich nicht um Ratschläge …« (S.26), vielmehr will die Kulturwissenschaftlerin Tiffany Watt Smith einem nicht wissenschaftlichen Publikum Einblicke verschaffen, die über Kuriositäten aus der Kulturgeschichte hinausreichen. Die unvollständige Sammlung von Gefühlen soll zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge führen.

»… Wenn Emotionen … heute … von Regierungen gemessen werden; wenn sie Gegenstand einer zunehmenden pharmazeutischen Intervention … sind …, dann wäre es schon gut zu wissen, woher die Überzeugungen … kommen.« (S. 26) erklärt die Autorin in ihrer Einleitung. Weiterlesen

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Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge

Sophie ist 17 Jahre alt und steht direkt vor ihren Abiturprüfungen, als es ihrem alleinerziehenden Vater einfällt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Umzug wäre. Er will die Zelte in Hamburg abbauen und zu seiner Freundin und deren zwei Söhnen nach München ziehen – zehn Wochen vor Sophies Abiturprüfungen! Mürrisch lässt sich Sophie darauf ein und ist in München die Neue, die keiner kennt. Doch dann lernt sie das gleichaltrige Nachbarsmädchen Alex und deren Freunde Clemens und Nik kennen und die Geschichte scheint eine Wendung zu nehmen. Alex nimmt sich freundlich Sophie an und selbst die Freundin ihres Vaters, Lena, scheint sich für das Mädchen zu interessieren. Weiterlesen

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Shari Lapena: The Couple Next Door, gelesen von Friederike Kempter

Anne und Marco gehen das erste Mal aus, seit die kleine Cora auf der Welt ist. Nur ein netter Abend bei den Nachbarn, Cora bleibt allein im Haus zurück, aber das Babyfon reicht ja soweit und die beiden gehen alle halbe Stunde nachsehen. Trotzdem ist Cora verschwunden, als die Nachts endlich nach Hause gehen. Wie konnte das passieren? Die sofort eingeleitete Suche bleibt erfolglos und nach und nach taucht der Zuhörer ein in das doch nicht so perfekte Leben der beiden Paare. Anne kommt aus reichem Haus, Marco eher nicht. Mit Hilfe von Annes Vater hat er sich selbstständig gemacht, aber der Laden läuft nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Kann er etwas mit der Entführung seiner geliebten Tochter zu tun gehabt haben? Oder war doch eher Cora beteiligt, die früher schon Gedächtnisaussetzer hatte und sich immer weniger an den wahren Verlauf der Nacht erinnern kann, je länger sie darüber nachdenkt. Weiterlesen

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Brandon Sanderson: Die Nebelgeborenen 05: Schatten über Elantel

„Schatten über Elantel – ein Nebelgeborenenroman“ von Brandon Sanderson  ist der fünfte Teil der „Nebelgeborerenen-Serie“. Die ersten drei Teile spielen in einer mittelalterlich-feudalen Gesellschaft, deren Machtstrukturen auf einer ganz besonderen Art der Magie fußen. Hier hatte Sanderson eine völlig neue und wie ich finde, hoch interessante Idee. Nebelgeborene sind Menschen, die über eine besondere Begabung verfügen.  Sie können Metalle verbrennen und erlangen dadurch besondere Fähigkeiten. So gibt es zum Beispiel sogenannte „Münzwerfer“, die Stahl verbrennen. Das befähigt sie, sich von metallischen Objekten abstoßen und dadurch zum Beispiel geradezu durch eine Stadt „fliegen“ zu können.

Ab dem vierten Teil erleben wir Elantel in einer Zeit mehrere Jahrhunderte nach dem Ende der ersten Trilogie. Unser Protagonist heißt Waxilium Ladrian. Er ist ein Adeliger Elantels, den es aber ins sogenannte „Rauland“ verschlagen hat. Während seine Heimatstadt sich bereits in einer Zeit der frühen Industrialisierung befindet, ist das Rauland am ehesten mit dem Wilden Westen zu vergleichen. Weiterlesen

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Camille Aubray: Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten

Für mich ist der Roman „Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten“ schon jetzt das schönste Buch des Jahres. Der Amerikanerin Camille Aubray ist ein zauberhaftes Porträt einer französischen Familie gelungen, das den Duft der Provence verströmt und eine fiktive Episode aus dem Leben des spanischen Malers erzählt. Der hatte sich im Mai 1936 in ein provenzalisches Dorf zurückgezogen. Die junge Gastwirttochter Ondile hat ihn bekocht und ihm auch Modell gesessen. Picasso dankte mit einem Porträt des Mädchens, und dieses Bild rettet später Ondiles Enkelin Celine die Existenz.

Fast 80 Jahre später macht sich die junge Amerikanerin in der Heimat ihrer Großmutter auf die Suche nach dem Bild, und erfährt am Schluss, dass sie Picassos Enkelin ist. Weiterlesen

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Jostein Gaarder: Ein treuer Freund

26 Jahre nach dem Weltbestseller „Sophies Welt“ hat der Norweger Jostein Gaarder einen neuen, wunderbar leisen und ebenso philosophischen Roman geschrieben: „Ein treuer Freund“ ist ein wunderbares Buch über die Liebe und über einen Menschen auf der Suche nach Gesellschaft.

Protagonist Jakop erzählt seine Geschichte im Rückblick in einem Brief an Agnes, die Frau, die er liebt. Und dieser Jakop ist ein herrlich liebenswerter, skurriler Kauz vom Schlag eines Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Seine Leidenschaft ist es, zu Beerdigungen zu gehen – von Wildfremden, die er nicht kennt. Aber bevor er sich zum Leichenschmaus mit der Familie an einen Tisch setzt, hat er sich über den Verstorbenen und alle Angehörigen genau informiert. Die Familien werden für Jakop zu Ersatzfamilien, nach denen er sich sein ganzes Leben lang gesehnt hat. Weiterlesen

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