Julia Knight: Schwerter und Schwindler

Die Welt ist im Umbruch. Nicht nur, dass die Magier, Adeligen ja der König selbst zwangsweise in Rente geschickt wurden, so manches Mal durch das scharfe Beil der Guillotine, auch die Götter wurden ausgetauscht. Statt eines allmächtigen Gottes, der die Reichen mit seinen Segnungen begünstigt, regiert nun der Uhrwerkgott und in seinem Auftrag der Prälat. Alle Menschen sind gleich, jeder soll einen gerechten Anteil am Wohlstand des Reiches haben – so zumindest lautet die offizielle Doktrin. Eigentlich ein hehres Unterfangen, wenn es nicht, wie überall wo Menschen im Spiel sind, Neid, Missgunst und Vetternwirtschaft geben würde. Statt des Adeligen werden die armen Schlucker nun durch die Uhrwerker ausgebeutet, der Hunger, die Armut und die Hilflosigkeit haben sich nicht geändert.

Allerdings ändert sich sonst Vieles rapide. Durch die Einführung von maschinell gefertigten Waffen wurde die Gilde der Duellanten ihrer größten Macht beraubt. Was die Fechter sich in langen Jahren, Jahrzehnten aneignen, das rafft eine einzige Kugel in einem Sekundenbruchteil dahin. Weiterlesen

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James Corey: Babylons Asche

Die Menschheit ist einen weiten Weg gegangen. Sie hat sich die Erde untertan gemacht, dann wurden die Planeten des heimischen Sonnensystems kolonisiert und begonnen, den Mars in eine zweite Heimat für Menschen zu verwandeln. Mitgeholfen haben dabei die Menschen, die ihr ganzes Leben im Raum verbringen – die Gürtler. Auf ihren Raumstationen, den Schiffen und Habitaten leben, leiden und sterben sie, immer ausgenutzt und unterdrückt von den Erdlern.

Nach der Entdeckung des Protomoleküls, der Tore zu anderen, weit entfernten Planeten aufgestoßen hat, hat sich alles geändert. Die Gürtler rebellierten angeführt von Marco Inaros und seiner freien Raummarine, ließen gigantische Felsen auf die Erde prallen und brachten Milliarden Menschen um. Dass Marcos sich zu einem Despoten entwickelt, der das Überleben derer, für die er offiziell kämpft aus dem Visier verliert, die Grauen, die er mit seinen Terrorakten auch bei seinen gemäßigten Verbündeten auslöst führt dazu, dass seine Koalition auseinanderbricht. Weiterlesen

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Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren

„Die Clique“,  hätte natürlich auch gepasst, aber ich glaube, diesen Titel gab es schon. Wir begleiten Eva, Benedict und die Geschwister Sylvie und Lucien ca. 20 Jahre. Wir steigen ungefähr in dem Alter ein, als sie am Anfang ihres Studentenlebens sind,  irgendwo in England und wir enden quasi in der Mitte des Lebens, wo tiefgreifende Entscheidungen gefallen sind, Freundschaften mehrmals in Frage gestellt wurden und die Zukunft auf keinen Fall so (gekommen) ist, wie man sie sich in jungen Jahren vorgestellt hat.

Wir begegnen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf ihrem Lebensweg, ihren Wandel, vor allem ihren Spiegel von sich selbst. Lucien, selbstgefällig immer ein „Mir gehört die Welt“ Typ – dazu Frauenheld und Spieler. Seine Schwester Sylvie, hochbegabte Künstlerinnentalent mit der Option auf eine große kreative Karriere mit dem größten Absturz. Weiterlesen

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Hilary Freeman: Mein schönes falsches Leben

Als die 17-jährige Ella eines Morgens die Augen aufschlägt, ist sie eine andere. Und irgendwie doch nicht. Sie ist noch Ella, aber anders. Sie trägt eine andere Frisur, ihr Zimmer ist anders dekoriert, sie hat andere Freundinnen, ihre Eltern sind nicht geschieden und in der Schule belegt sie völlig andere Kurse als sonst. Was ist passiert? Ella beginnt nach Ursachen zu forschen, während sie sich Stück für Stück in dem fremden Leben zurechtfinden muss. Hat das alles etwas mit dem Autounfall zu tun, der ein paar Wochen zurückliegt? Oder mit der seltsamen alten Frau, die ihr ständig begegnet, die aber niemand außer ihr zu sehen scheint?

Die Idee von Hilary Freeman ist nicht schlecht, aber man hätte mehr aus ihr machen können. Viel zu lange hält sie sich mit Ellas neuem Leben auf, bis sie auf den Kernpunkt – im Wesentlichen eine Theorie über Parallelwelten, die aus Wendepunkten im Leben resultieren – kommt. Weiterlesen

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Andrea Canobbio: Drei Lichtjahre

Einen einfühlsamen Liebesroman erzählt der 1962 geborene italienische Schriftsteller Andrea Canobbio mit seinem neuesten Werk „Drei Lichtjahre“. Darin verlieben sich der Arzt Viberti und die Ärztin Cecilia ineinander, die jedoch beide so schüchtern, zögerlich, verhalten und manchmal widersprüchlich agieren, dass sie wie die berühmten zwei Königskinder lange nicht zusammenkommen können. Das rächt sich: Irgendwann tritt die Schwester der Ärztin – Silvia heißt sie – auf den Plan. Sie hat bei ihrer berühmten Teezeremonie weit weniger Skrupel …

Canobbio erzählt seine Geschichte aus den Perspektiven der drei beteiligten Figuren, wodurch ein und derselbe Vorgang oft dreifach vorkommt. Das sorgt für eine Genauigkeit, die man in anderen Romanen selten findet. Kleinste Gemütsregungen werden thematisiert, wodurch der Leser die Figuren genau kennenlernt. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Weiterlesen

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Samuel Selvon: Die Taugenichtse (1956)

Sie nennen sich Mokkas. Die Engländer sehen in den Einwanderern aus den Kronkolonien unerwünschte Schwarze, die den Arbeitern ab 1948 die Jobs wegnehmen. Wie es sich aus Moses Perspektive, der eines Mokkas, im kalten, nebelverhangenen London lebt, zeigt der 1923 in Trinidad geborene Samuel Selvon in seinem zeitlosen Episodenroman.

Moses und seine Freunde lavieren sich durch den Arbeitsalltag. Während der eine gewitzt als routinierter Schnorrer über die Runden kommt, sind die anderen Hilfsarbeiter. Sie brauchen für das Überleben Überstunden oder genug Vögel auf der Fensterbank der eigenen Dachstube. Die Episoden in Moses Erzählung zeigen nicht nur die unterschiedlichen Charaktere. Im Zentrum steht ihr Einfallsreichtum und die Sehnsucht nach einem besseren Leben geht. Weiterlesen

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Richard Russo: Ein Mann der Tat

Der US-amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger von 2002, Richard Russo (Jahrgang 1949),  legt mit dem Roman „Ein Mann der Tat“ (Originaltitel: „Everybody’s Fool“) die Fortsetzung von dem 1993 erschienenen Buch „Nobody’s Fool“ (Deutscher Titel: „Ein grundzufriedener Mann) vor. Der DuMont Buchverlag hat beide Titel im Mai 2017 auf Deutsch herausgebracht.

Der Lesende findet sich am Memorial-Day-Wochenende zunächst auf dem Hilldale-Friedhof von North Bath im US-Staat New York anlässlich der Beerdigung von Richter Barton Flatt wieder. Dort stürzt der unglückliche, von Zweifeln geplagte Polizeichef Douglas Raymer ohnmächtig ins offene Grab des Richters und verliert dabei sein einziges Beweisstück für die Untreue seiner vor einem Jahr bei einem Sturz auf der Treppe tödlich verunglückten Frau Rebecka (Becka): eine Garagentorfernbedienung.

Es ist heiß in North Bath und es stinkt. Rub Squeers, einfältiger Gelegenheitsarbeiter, wartet darauf, dass sein einziger Freund Donald Sullivan (genannt Sully) endlich etwas Zeit für ihn hat. Er ist schwer genervt von seiner Frau Bootsie, die ihm mit ihren Vorwürfen das Leben schwer macht. Weiterlesen

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Titus Müller: Der Tag X, gelesen von Svenja Pages

Nelly Findeisen und ihre Eltern haben den Krieg gerade überstanden, da bricht das nächste Drama über sie hinein. 1946 dringen Russen in ihre Wohnung ein und wollen sie alle nach Rußland verschleppen. Als klar wird, dass es nur um den Vater, den Wissenschaftler geht, trifft ihre Muter die Entscheidung, mit dem kleinen Kind in Berlin zu bleiben und den Vater alleine gehen zu lassen. Nelly wird ihr diese Entscheidung niemals verzeihen. Durch den russischen Offizier Ilja hält sie brieflichen Kontakt zu ihrem Vater in seltenen, viel gelesenen Briefen. Die kirchliche Jugendorganisation gibt ihr den Halt, den ihr die Familie nicht mehr bieten kann und später lernt sie Wolf kennen. Wolf, den unschuldigen Uhrmacher, der nichts will außer mit Uhren zu arbeiten und durch Nelly doch tief in die Revolution gerät. Weiterlesen

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V. E. Schwab: Weltenwanderer-Trilogie 01: Vier Farben der Magie

Willkommen in London, einem der vier London zumindest. Jetzt stutzen Sie? Sie wissen aber schon, dass Sie ein Fantasy-Buch in Händen halten? So mit phantastischem Handlungsort – erwähnte ich die vier London bereits? – Zauberer, fiesen Schurken und versierten Dieben? Na dann ist es ja gut.  Also zurück zum Buch.

Kell ist einer der letzten Antari, Reisenden, die mittels des Blutes in ihren Venen und erkennbar an den Augen zwischen den Dimensionen reisen können. Einst, vor langer Zeit floss die Magie wild und ungehemmt zwischen den vier Dimensionen hin- und her. Dann passierte etwas Mysteriöses – und das schwarze London war nicht mehr erreichbar. Mehr noch, als Kinderschreck überlebte die Mär von den skrupellosen Magiern die dafür verantwortlich waren, dass das schwarze London der Vernichtung anheim fiel. Weiterlesen

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Colum McCann: Briefe an junge Autoren

Wer schon einmal nach Schreibratgebern gesucht hat, weiß, dass sich hierzu jede Menge mehr oder weniger hilfreiche Bücher finden lassen. Viele dieser Ratgeber sind angereichert mit Anleitungen für Schreibtechniken, die sich in der Praxis dann aber oftmals kontraproduktiv auf die eigene Kreativität auswirken.

Colum McCanns kleines Büchlein Briefe an junge Autoren kommt dagegen ganz ohne starre Regeln aus, vielmehr liest es sich mehr als wohlmeinender Zuspruch. Mit „junge Autoren“ sind hier ganz nebenbei bemerkt nicht explizit Autoren im jungen Lebensalter, sondern gleichermaßen auch die Älteren angesprochen.

McCann muntert darin sogar dazu auf, Regeln zu missachten. Er hält sich in seinen Ausführungen weder mit theoretischen Ausschweifungen auf, noch schreibt er mehrseitige Kapitel, deren Kernaussagen man in drei kurzen Sätzen bündeln könnte. Weiterlesen

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