Rosita Magnus: Der Riese Unta

Der Riese Unta ist einsam. Er sitzt schon so lange am Untersberg, dass er selbst zu Stein geworden ist und sich nicht bewegen kann. Immer wieder sieht er die Kinder unten im Tal spielen und wünscht sich, er könnte dabei sein, doch das ist unmöglich. Ein kleiner Junge, der Franz, gefällt ihm besonders gut. Eines Tages bittet er die Feen, Franz zu ihm nach oben zu bringen – und diese erfüllen ihm seinen Wunsch.

Endlich hat der Riese Unta einen Freund, mit dem er alles teilen kann: seine Geschichten, Geheimnisse und alle Märchen der Berge. Franz ist begeistert, erkundet die tiefen Höhlen des Untersbergs zusammen mit Berggeistern und Zwergen und bemerkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Doch natürlich kann Franz nicht für immer bei dem Riesen bleiben. Er muss nach Hause, damit sich seine Mutter keine Sorgen macht. Als er schließlich geht, ist Unta untröstlich. Wird Franz etwas einfallen, um den Riesen aus seiner Einsamkeit zu holen? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jo Nesbø: Messer: Ein Fall für Harry Hole

Der Norweger Jo Nesbø (Jahrgang 1960) gehört zu den erfolgreichsten internationalen Krimischreibern. Seine Harry-Hole-Reihe hat Kultstatus. Bei Ullstein Buchverlage ist am 27. August 2019 Fall Nummer 12 mit dem Titel „Messer“ in einer Übersetzung von Günther Frauenlob erschienen.

Harry Hole ist an einem weiteren Tiefpunkt seines Lebens angelangt: Rakel hat ihn rausgeschmissen, er trinkt wieder und sein Job an der Polizeihochschule ist auch futsch. Harry weiß nicht, warum Rakel sich von ihm getrennt hat. Er versinkt in Selbstmitleid und noch mehr Alkohol. Dann erreicht ihn die schlimmste aller Mitteilungen: Rakel wurde ermordet. Und Harry hat den Abend und die Nacht im Vollrausch verbracht, er erinnert sich an nichts. Die Ermittlungen beginnen. Katrine Bratt, Harrys Chefin,  muss ihn suspendieren. Sie ist inzwischen mit Björn Holm, dem Kriminaltechniker verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn. Auch Ole Winter vom Kriminalamt wird eingeschaltet. Es gibt keine Spuren. Aber Harry Hole hat einen Verdacht: Svein Finne, der Vergewaltiger und Mörder, den Hole ins Gefängnis brachte. Harry vermutet Rache als Svein Finnes Motiv, weil Harry dessen Sohn Valentin Gjertsen erschossen hat.

Svein Finne spielt sein eigenes makabres Spiel. Doch dann gerät Rakels Chef Roar Bohr in den Fokus der Ermittlungen. Harry Hole folgt seinem Bauchgefühl, unterstützt von Kaja Solness, seiner  Ex-Kollegin und Ex-Freundin und Alexandra Sturdza von der Rechtsmedizin. Bald entsteht in Hole ein ungeheurer Verdacht, Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mick Schulz: MS Mord – Tödliches Nordlicht

Da hat ein Autor seine neue „Nische“ im Genre Kriminalroman gefunden. Der 1959 in Bonn geborene Mick Schulz veröffentlicht seinen zweiten Kreuzfahrt-Krimi. Ermutigt durch den großen Erfolg des ersten (2018 veröffentlichten) Bandes der MS Mord Reihe, nimmt er nun seine Leserinnen und Leser mit auf die legendäre Postschiffroute entlang der norwegischen Küste. Werden die Reisenden mit dem einzigartigen Naturschauspiel der Aurora Borealis, dem flackernd grünen Polarlicht belohnt?

Der Autor kennt den Weg! Dies spürt der Leser recht schnell. Der Autor weiß, wovon er schreibt. Er ist schon auf den Postschiffen der Hurtigruten gefahren. Er kennt die Häfen, Städte und Routen. Und noch etwas ist zu spüren, wenn man Mick Schulz ließt. Der Autor ist ein echtes Multitalent: Er liebt die Literatur, er kennt sich aus in der Philosophie und er ist musikalisch begabt. Darum studiert er Musik und erlernt das Dirigat am »Mozarteum« in Salzburg. Schulz geht an die Oper, ohne jedoch seine literarische Ader zu vernachlässigen. So ist es nur eine Frage der Zeit, dass er das Schreiben als neue Passion für sich entdeckt. Er verfasst Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. Im Harz schlägt er neue Wurzel. Ob der Autor auch im Krimi-Genre weitere Wurzel treibt, wird auch die Lektüre von „MS-Mord – tödliches Nordlicht“ zeigen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alex North: Der Kinderflüsterer, gelesen von Stefan Kaminski

Es ist 20 Jahre her, dass in Featherbank fünf Kinder verschwanden, der Täter ist gefasst und längst hinter Gittern, nur das letzte Opfer wurde nie gefunden. Ausgerechnet diesen Ort sucht Tom, oder vielmehr sein Sohn Jake, für einen Neuanfang aus. Toms Frau Rebecca ist plötzlich und unerwartet verstorben und der kleine Jake hat seine Mutter gefunden. Das neue Haus zieht den Jungen magisch an, dort möchte er wohnen. Kurz nach ihrem Einzug verschwindet wieder ein Kind und im Ort werden Gerüchte laut, der Kinderflüsterer hätte vor 20 Jahren einen Komplizen gehabt, der jetzt sein Werk fortsetze. Und Jake benimmt sich merkwürdig, hört ein Wispern – wie die Kinder vor 20 Jahren, sieht Kinder, die nur er sieht. Ist ausgerechnet er in Gefahr?

Der Anfang des Hörbuchs war ein echter Knaller. Die Atmosphäre ins Toms Haus ist derart gruselig und gut gesprochen, dass ich das Licht wieder angeschaltet und unter das Bett gesehen habe. Leider hält sich die Stimmung nicht über das ganze Hörbuch. Dazu wird die Geschichte zum komplex, was ihr viel von der Spannung nimmt und sie in Nebenschauplätze zerfranst. Da ist zum einen Jake und das kleine zerrissene Mädchen, mit dem er immer wieder spricht, Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Melissa Caruso: Feuerfalken-Saga 01: Flammenflug

Wir kennen sie alle – unsere muskelbepackten Helden, die sich mit geschliffenem Stahl in archaischen Kulturen aufmachen, das Böse zu bekämpfen. So manches Mal wird das verhüttete Eisen auch durch einen Zauberspruch ersetzt, ansonsten ähneln sich die Grundanlagen erfolgreicher High Fantasy Epen verblüffend. Um so erfreulicher, wenn ein Verlag andere Wege geht, und ganz gezielt nach Büchern Ausschau hält, die dem gängigen Muster nicht so ganz entsprechen. Bastei-Lübbe hat in den letzten Monaten zwar sein Print-Programm massiv heruntergefahren, dabei aber durchaus interessante, weil ungewöhnliche Titel vorgelegt.

Mit dem ersten Band einer Trilogie (wie kann es auch anders sein) stellt uns die Autorin einen Stadtstaat, Raverra genannt vor, der unschwer als eine Abwandlung Venedigs erkennbar ist. Nicht umsonst regiert ein Doge das Reich, ein Rat der Neun bestimmt über die Geschickte, Gesetze und letztlich das Wohl der Menschen in der Stadt wie in den annektierten Ländern. Amalia stammt aus einem noblen Geschlecht. Ihr Mutter ist die unoffizielle Anführerin des Rats der Neun, Führerin des Geheimdienstes und machtbesessene Lenkerin der großen Spiels der Beeinflussung mit allen Mitteln. Dass ihre Tochter so gar nicht nach ihr kommt, dass diese sich lieber mit allen Büchern beschäftigt, trübt ihr Verhältnis ein wenig.

Eines Nachts kommt Amalia von einem natürlich illegalen und von der Mutter verbotenem Buchkauf zurück, als sie auf ein Gossenmädchen trifft, das von finsteren Schurken überfallen wird. Als sie eingreift, eskaliert die Lage – kurz darauf entfacht die Unbekannte ihre magische Kraft – ein Feuer, das Stein und Bein in Flammen aufgehen lässt und die ganze Stadt niederbrennen könnte. Nur mittels eines magischen Bundes kann die Bedrohung noch aufgehalten werden – ein Bund den nur der Tod lösen kann und der die beiden so ungleichen Frauen aneinander kettet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eugen Ruge: Metropol

Eugen Ruge wurde 2011 für seinen Debütroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Damals ging es um das Schicksal seiner Familie in der untergehenden DDR.

Nach einigen weniger erfolgreichen Romanen hat sich der 1954 geborene Autor nun erneut seiner Familie zugewandt. „Metropol“ springt gegenüber dem Erstling einige Jahre zurück und zeichnet das Leben Ruges Großmutter ab 1936 in der Sowjetunion nach.

Auf der Flucht vor den Nazis ist die Kommunistin Charlotte mit ihrem Mann Wilhelm in die UdSSR emigriert. Dort arbeiten beide in der „Komintern“, einer Organisation, in der Kommunisten aus dem Ausland tätig sind.

Doch schon bald rückt etwas in den Mittelpunkt ihres Daseins, das heute als die „Große Säuberung“ bekannt ist. Diktator Stalin ließ damals und auch später noch zum Teil völlig grundlos Menschen verhaften und zum Tode verurteilen, die seine Macht gefährden konnten. Es begann eine Zeit der Angst und der Denunziation.

Auch Charlotte und Wilhelm sind bedroht. Sie kannten jemanden der Verhafteten. Allein das reicht schon, sie ihres Jobs bei der Komintern zu entheben und sie im Hotel „Metropol“ – darauf bezieht sich der Titel – zu parken. Eine quälende Zeit der Ungewissheit beginnt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Ich mag Bücher von Karen Duve und ich mag historische Romane. Anhand von „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ habe ich allerdings gelernt, dass ich die Kombination aus beiden nicht mag. Annette von Droste-Hülshoff als Protagonistin hat nur genervt und zwar nicht nur ihre Umwelt, sondern auch mich. Der Spiegel der Zeit ist Karen Duve gut gelungen, aber als Roman vermag das Buch nicht zu packen. Die Intrige um Annettes Ehe geht fast unter in den vielen Hä?-Erlebnissen, die man während dieses Romans als Leser hat. Das Handeln der Männer bleibt – auch unter dem Aspekt der anderen Zeit – zum Teil völlig rätselhaft. Ich habe den Roman immer wieder angefangen und wieder weggelegt und fast ein Jahr bis zum Ende gebraucht. Außer „es hat mich überhaupt nicht gepackt“, kann ich auch nicht viel herumkritteln, ich kann an nichts festmachen, was mich eigentlich so gestört hat. Darum greife ich auf die Aussage zurück: Roman und Leserin haben irgendwie nicht zusammen gepasst.

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer.
Galiani-Berlin, September 2018.
592 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Edward Carey: Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud

„Ich stecke immer in den kleinen Ecken und Nischen dieser Welt. Ich dränge mich niemandem mit großem Gepolter auf. Ich suche mir eine Lücke und richte mich dort ein.“ (Seite 313)

Anna Maria Grosholtz wird 1761 im Elsass geboren und zieht im Alter von sieben Jahren mit ihrer Mutter nach Bern. Bei Dr. Curtius soll ihre Mutter als Haushaltshilfe arbeiten, doch sie stirbt und Marie nimmt ihre Stelle ein. Im Laufe der Zeit übernimmt sie immer mehr die Aufgaben einer Assistentin von Dr. Curtius, der für das Spital Wachsmodelle der menschlichen Organe und Körperteile herstellt.

Zwei Jahre später müssen sie Bern verlassen und gehen nach Paris. Dort mieten sie sich bei der Witwe Picot ein. Marie oder Petite, wie sie wegen ihrer geringen Körpergröße gerufen wird, arbeitet auch im Haushalt der Witwe und ihres Sohnes als Dienstmädchen, wird permanent von der Witwe schikaniert und drangsaliert. Sie muss in einem dunklen Verschlag wohnen und darf nicht mehr das sein, was sie sich am meisten wünscht: die Assistentin von Dr. Curtius. Der hat immer mehr zu tun, da sehr viele Pariser ihre Köpfe in Wachs nachgeformt haben möchten.

Sie treffen die skurrilsten und absonderlichsten Menschen in diesem Paris der vorrevolutionären Jahre. Curtius und Marie formen Wachsköpfe von Adligen und Gaunern, von Philosophen und Mördern, von Lebenden und von Toten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tom Callaghan: Erbarmungsloser Herbst

Akyl Borubaew, Inspektor der Mordkommission in Bischkek, Kirgisistan, glaubt nicht daran, alt zu werden. Sein Job ist extrem schmutzig und gefährlich, seine Gegner sind skrupellos, und die Politik in Gestalt des Ministers für Staatssicherheit ist auch nicht ohne.

In der Vergangenheit hat Akyl dem Minister so manche Gefallen erwiesen, die an der Grenze oder auch jenseits der Legalität waren. Inzwischen kennt er zu viele Geheimnisse, die ihn in ernsthafte Gefahr bringen. Sein neuer Auftrag sieht deshalb auch nach Erpressung aus. Der Minister zeigt ihm die beiden Alternativen: Entweder Auftrag erfüllen oder sofort durch die Hand der Kollegen sterben. Akyl entschließt sich für eine mögliche spätere Ermordung. Bisher hatte er mit viel List seine Kontrahenten in Schach gehalten, vielleicht gelingt es ihm bei der Kontaktaufnahme mit den Drogenbaronen im eigenen Land oder in Bangkok wieder.

Der englische Autor Tom Callaghan begann seine Thrillerserie um den kirgisischen Inspektor Akyl Borubaew 2015 und ging mit ihm durch die Jahreszeiten Blutiger Winter, Tödlicher Frühling und Mörderischer Sommer. In diesem Jahr schließt sich der Kreis der Jahreszeiten, der insgesamt von Sepp Leeb und Kristian Lutze übersetzt wurde. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kjersti A. Skomsvold: meine gedanken stehen unter einem baum und sehen in die krone

Die Ich-Erzählerin hat sich für ein Leben entschieden, in dem nur Raum für das Schreiben bleibt. Bis sie Bo kennenlernt, glaubte sie, sich in der konservierten Einsamkeit eingerichtet zu haben. Und dann, völlig überraschend sagt sie nach fünf Jahren ja zu Bo, einem Mann, der trotz der ständigen Absagen immer wieder auf sie zugegangen ist. Jetzt sind sie eine Familie. Als ihr zweites Kind, eine Tochter, geboren wird, hält sie mit ihr eine Zwiesprache, die eine Liebeserklärung an das Leben ist.

Die Autorin Kjersti A. Skomsvold, 1979 in Oslo geboren, zählt zu den wichtigsten Gegenwartsautorinnen Norwegens. Zahlreiche Preise und unterschiedliche Werke in den Bereichen Lyrik und autobiographischer Prosa zeigen ihre künstlerische Vielfalt. Ihr aktueller Kurzroman handelt von einer schreibenden Frau, die ihre Arbeit und die Natur braucht, um sich vollständig zu fühlen. Die Ich-Erzählerin beschreibt ein an und für sich normales Leben so präzise und zugleich reduziert, dass sich ihre Lebensabschnitte als besonders und einzigartig offenbaren. Mit leichter Hand weiß sie ihren vertraulichen, halb privaten Erzählton einzusetzen, um den Leser für sich einzunehmen. Sie vermittelt damit den Eindruck, man tauche in das reiche Innenleben einer intellektuellen Künstlerin ein. Einige Textpassagen sind direkte Ansprachen an ihre Tochter, viele andere jedoch haben den Charakter des inneren Monologes, in dem die Ich-Erzählerin sich ihrem Thema offen und ehrlich stellt, nämlich der Überwindung der Einsamkeit für eine Zwei- beziehungsweise Mehrsamkeit. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: