Rebecca Green: Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet

Weißt du eigentlich, wie man sich mit Gespenstern anfreundet? Weißt du, was sie essen, was sie gerne machen und wie du dich um sie kümmern musst? Nein? Dann ist das genau das richtige Buch für dich.

Hier kann man beobachten, wie ein  Mädchen ein Gespenst als Freund für das Leben gewinnt, wie sie zusammen Blätter sammeln und Schwebespagetti mit Matschklößchen kochen. Das Gespenst begleitet das Mädchen durch ihr ganzes Leben. Sie wird älter, gründet eine Familie und kommt schließlich am Ende ihres Lebens an, doch auch danach wird ihr Gespenst sie immer begleiten. Als sie schließlich so alt ist, dass sie nicht mehr lesen kann, kümmert sich ihr Gespenst um sie, es liest ihr vor und bringt sie zum Lachen.

Dieses Buch ist unglaublich niedlich und kreativ gestaltet. Es eignet sich gut zum aktiven Vorlesen, allerdings muss klar sein, dass die Hauptfigur am Ende stirbt. Das ist nicht tragisch aufgebaut, sondern spielt vielmehr auf ein Leben nach dem Tod an und darauf, dass eine Seele unendlich ist. Die Geschichte soll zeigen, dass man wirklich wahre Freunde niemals verliert, da das Mädchen und das Gespenst auch nach ihrem Tod zusammenbleiben. Weiterlesen

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Martin Schult: Anfangs sonnig, später Herbst

Frankfurt 1977. Johannes möchte eigentlich ein ganz normaler 15-Jähriger sein. Aber weil sein Vater für die RAF Päckchen durch die Gegend fährt und seine Mutter nach Indien verschwunden ist, ist er davon ein ganzes Stück entfernt.

Jetzt sitzt er in Frankfurt beim Großvater und soll sich, mit spießigem Seitenscheitel und Bundfaltenhosen ausgestattet, möglichst unauffällig verhalten. Der Schulbesuch ist bis auf Weiteres gestrichen und der Vater erlaubt nur kurze Ausflüge in die Stadt. Die meiste Zeit ist Johannes damit beschäftigt, die „American Top 40“ aus dem Radio auf Kassette aufzunehmen, Musik zu hören und sich zu langweilen. Bis er Paul kennenlernt, einen Jungen in seinem Alter, mit dem er sofort auf einer Wellenlänge ist und der ihm in Dukes Plattenladen eine neue Musikwelt zeigt.

Elisabeth, genannt Eli, Meissner ist mit ihren über 50 Jahren wohl das, was man in den 1970ern noch eine „alte Jungfer“ genannt hat. An Verehrern fehlt es ihr nicht, doch sie geht in ihrem Beruf als Archivarin auf und in ihrem Privatleben gilt es, gemeinsam mit der Mutter den Vater zu pflegen, der querschnittsgelähmt aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Und auch ihr Bruder Hans spukt noch oft in ihren Gedanken herum.

Doch nun sind ihre Eltern in ein Pflegeheim gezogen und Eli weiß zunächst nicht so richtig, was sie mit ihrer ungewohnten Freiheit anfangen soll. Als sie beschließt, ihre Wohnung unterzuvermieten, kommen Dinge ans Licht, die sie aus der Bahn zu werfen drohen. Weiterlesen

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Jörg Maurer: Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt, gelesen vom Autor

Kommissar Jennerwein will mit seinem Team in seiner verschneiten Berghütte hoch über dem idyllischen Kurort Weihnachten feiern. Es soll dabei einmal ausnahmsweise nicht um Dienstliches und Ermittlungen gehen, sondern um ein gemütliches Beisammensein. Leider kommt es dann aber anders als geplant…

Die Geschichte fängt ganz harmlos an. Nach und nach treffen die Teammitglieder auf der Hütte ein.  Der Zuhörer, der vielleicht zum ersten mal einen Jennerwein-Krimi hört, hat so Gelegenheit, die einzelnen Charaktere häppchenweise kennen zu lernen. Lange fragt man sich, welche Art Verbrechen wohl geschehen wird – das Szenario wäre perfekt für ein klassisches Locked-Room Mystery.  Um die Spannung zu erhöhen, vermischt der Autor zwei Erzählstränge (einmal die Jetztzeit, einmal eine Geschichte aus Jennerweins Schulzeit). Auch wird hierdurch eine Art Countdown bis Weihnachten erschaffen. Eine Art interner Weihnachtskalender. Wie ich finde, ein sehr schöner erzählerischer Kniff. Weiterlesen

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I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit & Geir Gulliksen (Hrsg.): Heimatland und andere Geschichten aus Norwegen

In diesem Erzählband lassen die Herausgeber AutorInnen mit Bezug zu Norwegen aufgrund der jeweiligen literarischen Aussagen ihrer Geschichten zu Wort kommen. In einem Vorwort tauschen sich die beiden Herausgeber über ihre ausgewählten Beiträge für dieses Buch aus und darüber, welchen Bezug sie selbst zur norwegischen Literatur haben. So ist das offizielle Wirken von I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit, die sich schon früh mit Literatur beschäftigt hat, häufig durch Vermittlung von Literatur geprägt. Ihr Mitherausgeber Geir Gulliksen ist in Norwegen mit mehr als fünfundzwanzig Büchern bekannt. Beide Herausgeber vereint die Faszination von Literatur, die Gewichtung und Aussagekraft literarischer Texte samt ihrer Sogwirkung mit den Prozessen, die sie bei LeserInnen auslösen können.

So unterschiedlich wie die in diesem Buch vertretenen AutorInnen sind, lesen sich auch ihre Texte, die das Leben in Norwegen in vielfältigster Form spiegeln. In ihren Beiträgen berichten sie    darüber, welche Bedeutung der Begriff Heimat, das Gefühl des zu Hause seins, im Zusammenhang mit dem Norwegischen für sie hat. Die AutorInnen definieren so mit individuellen Blickwinkeln und Herangehensweisen ihr Heimatland mit all seinen landschaftlichen und klimatischen Facetten, seinen Prägungen durch Historie, Kultur und den Menschen die es bevölkern. Weiterlesen

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Karl Friedrich Borée: Ein Abschied (1951)

Ende Januar 1945 steht die Stadt Königsberg kurz vor der Einkesselung. Unaufhaltsam rücken die Russen näher, während die Propaganda der Nazis vom Durchhalten spricht und die drohende Gefahr verharmlost. Die Bewohner sollen zu Hause bleiben; sie seien in ihren Häusern sicher, weil der Russe ein anderes Ziel habe. Trotzdem ist der Aufbruch zur Flucht unverkennbar. Auf den Straßen liegen tote Soldaten, die bei ihrer Fahnenflucht erschossen worden sind. Das Zentrum der Stadt und der Hafen liegen in Trümmern, nur die Außenbezirke und die Chemiefabrik sind noch nicht zerstört. Marian Burger hatte das Glück, als leitender Chemiker unverzichtbar zu sein. Doch mit dem Eintreffen der Russen ändert sich auch sein beschauliches Leben. Der Krieg ist bei ihm angekommen. Die Angst der Nazis und Bürger vor Repressalien überschattet das Ende ihrer bisherigen Unterdrückung. Sie befinden sich nun alle in gesetzlosen Verhältnissen. Alles ist dem Sieger erlaubt.

Burger flieht in der Nacht aus Königsberg, der Gedanke, unterwegs bei seiner ehemaligen Verlobten Ulrike vorbeizuschauen, bringt ihn in Gefahr, entweder im Schneegestöber zu erfrieren oder von Soldaten als Fahnenflüchtiger erschossen zu werden. Weiterlesen

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Adam Brookes: Der chinesische Verräter

Verdammt lang her, dass ich einen Spionage Thriller gelesen habe. Aber ich vertraute mal einem Tipp des Buchhändlers meiner Wahl und hatte ein paar Tage Urlaub. Ich muss sagen, genau richtig! Der Roman besticht durch Aufbau und Spannung, Direktheit und gnadenloser Weltsicht. Eine, die, wie zu vermuten ist, zu den neuen Todsünden der Menschheit gehört: Cyberkrieg. Und die Gier der jeweiligen beteiligten Staaten, durch ihr Agentennetz Vorteile zu erlangen. Menschenleben sind dabei egal. Das große Ziel bleibt, wie bei alle diesen verrückten Entwicklungen im mörderischen Kapitalismus oder im China von heute, einen Vorteil vor der Konkurrenz zu haben. Mit der fragwürdigen Begründung, dass, wenn man es nicht selbst macht, tun es die anderen sowieso. Und so schaukelt sich das Ganze hoch. Wir befinden uns im China dieser Tage beim Ausbruch eines Gefangenen namens Peanut (ein Art Deckname), der im Jahre 1989 am 4 Juni bei den Unruhen auf dem Tiananmen Platz gefangen und eingekerkert wurde. Irgendwo in einer staubtrockenen Wüste, zig Kilometer von der nächsten Stadt. Der normale Weg ist, hier zu sterben. Doch Peanut wurde nicht gebrochen, ihm gelingt nach zwanzig Jahren eine unglaubliche Flucht. Weiterlesen

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Christi Daugherty: Die schöne Tote

Harper McClain war Polizistin. Schnell wurde ihr Chef zu einem Mentor und einer wichtigen Bezugsperson. Damals genoss er den Ruf, viele Mordfälle aufzuklären. Heute arbeitet Harper als Gerichtsreporterin für eine Tageszeitung, während das Morddezernat unter neuer Leitung nur noch eine geringe Aufklärungsquote vorweisen kann.

Eines Nachts wird in der von Touristen beliebten Altstadt von Savannah (US-Bundesstaat Georgia) eine Jurastudentin erschossen, die kurz vorher noch in derselben Bar gearbeitet hat, in der Harper ihrer Freundin Bonnie Gesellschaft leistet.

Selbstverständlich glaubt die Polizei, nur der Freund der Toten könne aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit der Mörder sein. Zum einen habe er für die Tatzeit kein Alibi, und zum anderen spreche die Statistik gegen ihn.

Der Ex-Freund, reich und Sohn eines mächtigen Mannes, hat ebenfalls ein Motiv aber auch ein Alibi für die Tatzeit. Schon nach wenigen Tagen verläuft die Ermittlungsarbeit der Polizei ins Leere. Harpers Nachfragen ergeben stets das gleiche Ergebnis: Es fehle an handfesten Beweisen. Aus diesem Grund ermittelt Harper selbst, auch wenn dies einigen Menschen missfällt. Der Mörder darf nicht davon kommen, ist ihre Devise. Schon bald findet sie heraus, dass nicht nur das Opfer einen aggressiven Stalker hatte. Auch sie selbst wird gestalkt. Weiterlesen

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Qiufan Chen: Die Siliziuminsel

Wir leben im Überfluss. Ein Jeder nennt einen Flachfernseher sein Eigen, PCs, Pads und Handys sind auch in jedem Haushalt aufzufinden, von ausgebrauchten Hifi-Anlagen, Röhrenfernsehern, Monitoren und Spielkonsolen gibt es auch wahrlich genügend. Wohin aber mit dem alten Teil, wenn uns die Industrie wieder einmal einredet, das gerade neu auf den Markt gebrachte Gerät müsse unbedingt in unserem Haushalt einziehen? Ab in den Müll damit, wenn wir verantwortungsbewusst mit unserer Umwelt umgehen wollen, dann auf den Recyclinghof, das war es dann aber auch.

Doch das ist noch lange nicht das Ende. Der Elektroschrott wird nämlich nicht verbrannt, sondern, wie der meiste Plastikmüll, exportiert. 8000 Tonnen unrecyceltes Plastik wurden allein von Deutschland aus bis vor kurzem nach China exportiert, genauer gesagt nach Guiyu in der Guangdong Provinz. Quifan Chen hat diese Tatsache genommen und daraus einen faszinierenden, einen erschreckenden und aufrüttelnden Roman gemacht.

Früher wurde auf der Insel, auf der die Welt ihren Wohlstandmüll ablädt Reis angebaut. Jetzt dient die Siliziuminsel als riesige Müllhalde, auf der giftige und gesundheitsgefährdende Überbleibsel der Industrienationen günstig entsorgt werden. Ausrangierte Prothesen, Gehirn-Implantate und Chips finden hier ebenso ihre letzte Ruhestätte wie verbrauchte Akkus und die anhängenden Geräte. Weiterlesen

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Lea Streisand: Hufeland, Ecke Bötzow

Es war ganz eindeutig der Titel, der mich neugierig machte auf dieses Buch. Von der Autorin hatte ich vorher noch nicht gehört, geschweige denn, etwas gelesen.

Lea Streisand ist 1979 in Berlin zur Welt gekommen, in Ostberlin wohlgemerkt. Der Roman ist, so vermute ich mal, stark von ihren eigenen Erlebnissen beeinflusst, angereichert mit Erfundenem.

Sie erzählt von einer Kindheit in der DDR, vom Schulalltag, von Kinderspielen in dunklen Hinterhöfen und auf hohen Dächern, von Freundschaft und von Geheimnissen der Erwachsenen. Und selbstverständlich vom Mauerfall und dem Ende der DDR.

Die Handlung spannt sich von 1986, kurz vor der Einschulung der kleinen Franzi, der Ich-Erzählerin des Romans, bis zu ihrem Erwachsenwerden.

Die Autorin richtet den Blick nicht auf die großen Namen der Geschichte, stellt nicht die national bedeutenden Ereignisse in den Mittelpunkt. Die in ihrem Roman auftretenden Menschen haben mit ihrem eigenen, kleinen Alltag zu tun. Zuerst mit dem Mangel und den Verhältnissen in der DDR, später mit den Veränderungen, die sie nicht aufhalten können, aber verkraften müssen. Weiterlesen

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Paul Pen: Die Wahrheit will nicht sterben

In Franks Leben ist alles perfekt: Er hat eine Frau, Grace, mit der er eine glückliche Ehe führt, zwei nette Kinder namens Simon und Audrey und das durch und durch tolle Leben. Aber seit einiger Zeit fühlen sie sich vom Unglück verfolgt. Beängstigende Zwischenfälle häufen sich und es scheint nur einen Ausweg zu geben: Flucht. Die Familie beschließ, einmal quer durch Amerika umzuziehen und vor Ort alle Zelte abzubauen. Doch die Reise entwickelt sich anders als gedacht, als Frank mit dem großen Wohnmobil im Dunkeln eine Frau anfährt, mit der ihm mehr verbindet als er zugeben mag. Denn Frank hat ein Geheimnis …

Paul Pens neuer Thriller steht etwas hinter seinen beiden letzten Werken zurück. „Die Wahrheit will nicht sterben“ braucht deutlich länger, bis es eine Sogwirkung entwickelt. Bei seinen beiden anderen Thrillern der letzten Zeit war man immer sofort drin im Geschehen und ahnte Schlimmes. Diesmal lernt man eine Familie kennen, die vor etwas davonzulaufen scheint. Doch was es ist, kann man erstmal nicht herausfinden. So dramatisch wirkt es allerdings auf den ersten Blick nicht, denn der Abzug aus dem alten Wohnort passiert recht gesittet und geplant. Erst als die Frau mit der vermeintlichen Panne, Mara, hinzukommt, spitzt die Lage sich zu und es wird sehr schnell klar, dass hinter der ganzen Geschichte mehr steckt. Weiterlesen

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