Wolf Harlander: 42 Grad

Deutschland erleidet eine nie dagewesene Dürre. Monatelang regnet es nicht und das bei großer Hitze. Europa trocknet aus. Hausbrunnen versiegen, in den Großstädten wird die Versorgung mit Trinkwasser reglementiert, der Rhein ist ein Rinnsal, wie alle anderen großen europäischen Flüsse auch. Wälder brennen, die Autobahnen sind nahezu unpassierbar, weil in der Hitze den Asphalt schmilzt. Unzählige Menschen versuchen in den Süden des Landes zu fahren, In Bayern fließt das Wasser noch regelmäßig aus den Hähnen. Schuld an der großen Wassernot ist das schon erwähnte „Jahrtausend-Hoch“ und ein Erdbeben mit Epizentrum in Italien, das tektonische Verschiebungen im Erdinneren verursacht, Wasserläufe verlegt und zum Versiegen gebracht hat.

Zwei Wissenschaftlern ist die Brisanz der Lage als Einzige bewusst: Elsa Forsberg, die als IT-Spezialistin und Daten-Analystin bei der europäischen Umweltagentur arbeitet, und Julius Denner, einem jungen Hydrologen. Beiden glaubt man an höchster Stelle in Brüssel aber nicht. Elsa hat als ehemalige Umweltaktivistin keine weiße Weste und sie gerät sogar in den Focus polizeilicher Ermittlungen. Zeitgleich eilt der Experte für Wasserwirtschaft Noah Luethy in ganz Europa von Wasserwerk zu Wasserwerk, weil die Versorgung zusammenzubrechen droht. Bald macht ihn etwas stutzig und er entdeckt, dass bei den großen Wasserverteilern mit der Software etwas nicht stimmen kann… Terroristen und Cyberkriminelle leiten verbotene Chemikalien in die Wasservorräte und platzieren Computerviren in der Software der Wasserwerke. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Dürre, Brände und Wassernot nehmen existenzbedrohende Ausmaße an. „Wasserflüchtlinge“ wie Kerstin Lange mit ihren beiden Kindern gehen von daheim fort, um nicht zu verdursten. Sie werden in Lagern zusammengefasst, dort festgehalten und notdürftig versorgt. Das Männer des THW arbeiten bis zur Erschöpfung, die Spitäler sind überfüllt, die Grenzen werden geschlossen. Die einzelnen Staaten können wassersuchende Nachbarn nicht gebrauchen. Sie haben genug Probleme damit, den Durst im eigenen Land zu stillen. Elsa Forsberg muss aus dem Untergrund agieren, aber sie kann mit Julius Denners Hilfe und in Zusammenarbeit mit Noah Luethy maßgeblich dazu beitragen, eine von Russland finanzierte Terrorzelle ausfindig zu machen, die für das Gift im Wasser und die Cyberattacken auf die Wasserversorger verantwortlich ist. Die Anschläge in Deutschland sollen einerseits die EU dazu zwingen, Sanktionen und Wirtschaftsboykotts gegen Russland aufzuheben und andererseits auf den Umgang mit Trinkwasser weltweit aufmerksam machen. Aber Elsa entdeckt, der größte Coup steht noch bevor!! Aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Fazit: Dieser erschreckend realistische Thriller nimmt gegen Ende noch einmal rasant Fahrt auf. Bis ins Detail recherchiert, führt er den Lesern ein durchaus denkbares Szenario vor Augen. Unwillkürlich überschlägt man in Gedanken die Anzahl an Mineralwasserflaschen, die man vorrätig hat. Kleiner Tipp: Zur Beruhigung der Nerven lieber an einem Regentag lesen!

Wolf Harlander: 42 Grad.
Rowohlt, Juni 2021.
528 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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