Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter

Vielleicht kennen einige die sehr gute Stephen King Kurzgeschichte „Stand by me – Das Geheimnis eine Sommers“. Da geht es um die Verdichtung, bzw. Nacherzählung der Erlebnisse von vier Freunden die sich um den Fund einer Leiche im Wald dreht. Stephen King hat hier wunderbar die Atmosphäre des Heranwachsens, den Zwist mit Erwachsenen und der örtlichen Halbstarkenszene eingefangen. Vielleicht waren das damals in den USA die Fünfziger. Es geht um den Rückblick einer Erlebnisstrecke die Jahre her ist; in diesem Fall, im Roman von Ulrich Woelk, um das Jahr 1969. Die Apollomissionen waren da hochaktuell und eigentlich interessierte unseren Ich-Erzähler Tobi, damals 11 Jahre, nichts anderes.

Die Dinge liefen wie sie mussten, Vater, Mutter, Kind, Vorstadteigenheim. Gute Lage, guter Job – eben all die Bürgerlichkeit. All dies wird durch den Zuzug einer neuen Familie als Nachbarn gesprengt. Diese ist auch dreiköpfig und Rosa, die Tochter, zwei Jahre älter als unser Tobias. Man freundet sich an, kommt sich auf Partys näher und Tobias und Rosa haben auch sowas wie erste erotische Erlebnisse, wobei hier die Initiative von der Älteren ausgeht. Die beiden Ehepaare, die Eltern von Tobias und Rosa, dazu noch ein Onkel und eine Tante, gehen in diesem Sommer 1969, durch alle Widersprüchlichkeiten ihres Lebens, es geht um Weltanschauung, sexuelle Orientierungen, subjektive Wahrnehmung die zu objektiven Katastrophen führen. Wer das Alter hat und sich an 1969 erinnert (Mondlandung, Woodstock), für den ist es auch eine gelungene Zeitreise. Ein Büchlein, zwei Nachmittage, ruhiger Erzählfluss. Genuss ohne Reue!

Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter.
C. H. Beck, Januar 2019.
189 Seiten, Taschenbuch, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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