Tristan Garcia: Faber. Der Zerstörer

Faber ist anders als alle anderen. Schon als Kind fällt er durch seine Überlegenheit an Intelligenz und Mut auf. Als er mit acht Jahren neu an die Schule kommt, beschützt und hilft er den beiden Außenseitern Basile und Madeleine, die auf dem Pausenhof ausgegrenzt und gequält werden. Dies ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft des Dreiergespanns, die über die Jahre während ihrer Grundschulzeit und später im Collège der fiktiven Stadt Mornay anhält.

Faber, dessen algerische Eltern ihn verlassen haben, wächst nachdem seine ersten Pflegeeltern tödlich verunglücken, bei einem älteren französischen Ehepaar auf. Obwohl seine Adoptiveltern sich liebevoll alle Mühe mit ihm geben, entwickelt er ein stark persönlichkeitsgestörtes, unbezwingbares Eigenleben. Häufig zieht er sich in seine Kammer zurück und befasst sich, seinem Alter weit voraus, unter anderem mit anspruchsvoller Literatur. Immer wieder fügt er sich selbst mit einem Cutter Verletzungen zu, um das Leben aushalten zu können.

So intelligent Faber einerseits ist, so problembehaftet ist er auch. Abgesehen von seiner außergewöhnlichen Intelligenz legt er mit verblüffender Selbstverständlichkeit und Unverfrorenheit eine gehörige Portion krimineller Energie an den Tag. Zuerst ist da nur der anfangs von den Freunden bestaunte unerklärliche Kartentrick.   Später setzt er seine Fähigkeiten skrupellos dafür ein, anderen Portmonees oder Schlüssel aus den Taschen zu ziehen um damit seine ausgeklügelten Pläne umzusetzen.

Zusammen setzen sich die drei Freunde für Gerechtigkeit ein. Nach einem Aufstand, den Faber am Collège inszeniert, verschwindet er aus der Stadt. Für die nachwachsenden Schüler vom Collège bleibt Faber noch Jahre später Gesprächsstoff und Idolfigur. Madeleine und Basile jedoch bleiben mit psychischen Problemen behaftet verstört zurück. Erst nachdem sie einen Brief mit einem Hilferuf erhalten, machen sie Faber in den Pyrenäen ausfindig und Madeleine holt ihn zurück nach Mornay. Doch der Plan von Basile und Madeleine geht nicht auf. Alles wird nur noch schlimmer. Die zerstörerische Wucht, die von Faber ausgeht, richtet noch mehr ungeahntes Unheil an.

Der Roman ist in fünf Teile gegliedert, die sich in der Gegenwart, Kindheit und Jugendzeit der drei Protagonisten abspielt. Faber, Basile und Madeleine werden abwechselnd als Ich-Erzähler eingesetzt. Ihre unterschiedlichen Sichtweisen und Charaktere sind so mit der Handlung verwoben, dass die Spannung kontinuierlich ansteigt.

Ungewöhnlich und klug arrangiert: Mit der vierten Person Tristan gibt der Autor dem Plot eine nochmalige Wende und führt sich selbst am Ende als Außenbetrachter mit verschiedenen Hypothesen über die Person Faber in die Geschichte ein.

Tristan Garcia: Faber. Der Zerstörer.
Klaus Wagenbach Verlag, August 2017.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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