Timo Leibig: Nanos – Sie bestimmen, was du denkst

Deutschland, 2028: Johann Kehlis ist nicht nur Bundeskanzler der Republik, er kontrolliert auch alle Lebensmittelgeschäfte und -lieferungen. Man kann nur noch Produkte seiner Firma kaufen. Und das aus gutem Grund: Über JKs erhalten die Menschen mit der Nahrung kleine Nanopartikel, die in ihrem Gehirn aktiv werden. So denkt und fühlt die Bevölkerung nur das, was JK für richtig hält. Doch immer mehr Menschen werden immun gegen die Nanos und es gilt, diese Menschen zu finden und aus dem Verkehr zu ziehen. Maria und ihr kleiner Sohn sind zwei dieser Menschen. Sie glaubt schon lange nicht mehr an den Schund aus dem Fernsehen und Johann Kehlis‘ Botschaften. Doch das darf sie niemandem zeigen, sonst droht sie aufzufliegen. Auch Malek hat von JKs bisher nicht viel mitbekommen. Er war jahrelang im Gefängnis und lebt nun nach seiner Flucht allein in einem Wohnwagen. Als er in einer Verfolgungsjagd verstrickt wird, wird klar, dass er seinen Lebensstil verändern muss. Denn er wird von Kehlis‘ Männern gesucht und könnte bei der im Geheimen operierenden Opposition Unterschlupf finden.

Timo Leibig, der mit „Nanos – Sie bestimmen, was du denkst“ sein Verlagsdebüt im Penhaligon Verlag vorlegt, beschreibt eine erschreckende Zukunftsvision, die gar nicht so abwegig klingt. Viele Szenen wirken wie aus der Zeit des Nationalsozialismus gegriffen. Die Menschen glauben wie hörig alles, was Kehlis sagt und hinterfragen ihn nicht. Wie kleine Roboter hängen sie vor den Fernsehbildschirmen und saugen seine Nachrichten ein. Die EU ist schon lange passé. Nationalstolz steht an erster Stelle, nationale Abschottung ist der neue Weg. Deswegen enthalten die Nachrichten auch nur noch gefilterte Information, die für die Menschen wichtig scheinen. Informiert werden sie schon lange nicht mehr. In dieser neuen Welt folgen die Leserinnen und Leser mehreren Figuren, die alle nur bedingt Teil des Systems sind. Die beiden wichtigsten von ihnen sind Malek und Maria, zwischen denen es sogar eine starke Verbindung gibt. Denn einst waren sie ein Team, wurden dann getrennt und nun erhält Malek von Marias verstorbenem Bruder die Aufgabe, die junge Frau zu finden und ihr zu Sicherheit zu verhelfen. Malek nimmt die Aufgabe ernst und beginnt, Maria zu suchen.

Von der ersten Seite an ist Timo Leibigs Roman spannend gehalten. Man wird bereits im ersten Kapitel Zeuge einer rasanten Verfolgungsjagd durch den Wald, in die Malek involviert ist. Die Figuren und die Zustände in Deutschland lernt man danach erst nach und nach kennen. Man muss – teilweise zwischen den Zeilen – suchen, was gerade passiert und was zuvor passiert ist. Dass die Menschen über das Essen manipuliert werden, ist anfangs nicht so deutlich. Wenig später kann man sich diesen Umstand gut zusammenreimen. Leibig zeichnet eine erschreckende Zukunftsvision, geht aber manchmal für meinen Geschmack nicht genug ins Detail. Sein Augenmerk liegt klar auf Action und Handlungsfortschritt. Auch wird es sprachlich gelegentlich etwas holprig. Bisher veröffentlichte Timo Leibig im Eigenverlag Thriller-Reihen. Auch „Nanos – Sie bestimmen, was du denkst“ ist auf eine Fortsetzung angelegt, das beweist schon das offene Ende und die vielen ungestellten Fragen. Für die Fortsetzung würde ich mir ganz klar eine sehr genaue Auseinandersetzung mit den Nano-Partikeln wünschen, die hier bestenfalls am Rande thematisiert werden.

Gute und rasante Geschichte, nur in der eigentlichen thematischen Behandlung der Nano-Partikel könnte es gerne noch etwas mehr sein.

Timo Leibig: Nanos – Sie bestimmen, was du denkst.
Penhaligon, September 2018.
512 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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