Karen Harrington: Briefe an mein verrücktes Leben

Sarah Nelson wird zwölf Jahre alt und ist in ihrem Leben schon etliche Male umgezogen. Immer dann, wenn jemand herausfindet, wer sie wirklich ist. Denn Sarah ist die Tochter von Jane Nelson. Ebendiese Frau versuchte, ihre Zwillinge im Alter von zwei Jahren in der Küchenspüle zu ertränken. Der Fall ging um die Welt, Sarahs Bruder Simon verstarb, doch Sarah konnte gerettet werden. Seitdem lebt ihre Mutter in einer geschlossenen Anstalt und Sarah beim Vater. Mit zunehmendem Alter fragt sie sich immer mehr, ob etwas vom Verhalten ihrer Mutter auf sie abgefärbt hat. Sie sind doch blutsverwandt, also muss etwas von Jane Nelson auch in Sarah stecken, nicht wahr?

Karen Harrington ist ein ganz besonderer Jugendroman gelungen. Die Zielgruppe lässt sich dabei gar nicht so genau bestimmen. Vom Schreibstil her spricht der Roman Jugendliche ab zwölf Jahren an, doch zwischen Zeilen steht so viel mehr, dass auch erwachsene Leser und Leserinnen von dem kleinen Juwel bestens unterhalten werden. Weiterlesen

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Jonathan Stroud: Scarlett & Browne 01: Die Outlaws

Als Scarlett McCain auf der Flucht nach einem Banküberfall in der Wildnis einen verunglückten Bus findet, wendet sich ihr Schicksal abrupt. Sie trifft auf den nur wenig jüngeren Albert Browne, einen verängstigten Jungen, der als einziger einen Angriff der bösen Wesen dort draußen überlebt hat. Doch schon bald bemerkt Scarlett, dass nun hinter den beiden nicht nur die rechtmäßigen Besitzer des Geldes her sind, sondern sich auch neue Verfolger eingereiht haben. Was ist an Albert so besonders, dass diese Menschen alles versuchen, ihn in ihre Gewalt zu bringen?

Jonathan Stroud, einem meiner absoluten Lieblingsautoren – er ist bekannt für keine geringeren Bücher als die von Bartimäus! –, ist mit „Scarlett & Browne“ ein neuer Streich gelungen. Scarlett lebt als Gesetzlose in einem Großbritannien, in dem nur noch wenige Städte existieren. Das Niemandsland zwischen ihnen wird von Wesen beherrscht, die entfernt an Zombies erinnern. Weiterlesen

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Antonia Blum: Kinderklinik Weißensee 01: Zeit der Wunder

Berlin, 1911: Mit vor Aufregung schweißnassen Händen treten die Schwestern Marlene und Emma Lindow auf das Gelände der Kinderklinik Weißensee. Die soeben neu eröffnete Kinderklinik bietet den beiden Waisen die Chance, eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester zu absolvieren. Doch aufgrund ihrer Herkunft haben die beiden jungen Frauen es nicht leicht und müssen immer wieder gegen Vorurteile ankommen. Als dann auch noch ein kleiner Patient mit unklaren Symptomen für Aufsehen sorgt, steht der ganze Ruf der Klinik auf der Kippe.

Die Autorin Antonia Blum entdeckte durch Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik Weißensee und begab sich dann auf Spurensuche in der Vergangenheit. Der vorliegende Roman ist der erste von drei Bänden rund um Marlene und Emma Lindow, die meist abwechselnd von ihren Erlebnissen in der Klinik berichten. Entstanden ist ein sehr bunter, unterhaltsamer historischer Roman, in dem sich natürlich auch das ein oder andere Klischee findet – das schadet ihm aber nicht. Die Geschichte rund um die beiden angehenden Kinderkrankenschwestern ist so nett erzählt, dass man darüber gerne hinwegsieht. Im Roman findet sich die ganze Bandbreite menschlicher Themen. Beide Schwestern verlieben sich in dem Jahr, bekommen menschliche Schicksale mit, geraten an ihre Grenzen und gehen darüber hinaus. Weiterlesen

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Ellen Sandberg: Die Schweigende

München, 2019: Seitdem Karins Manns vor wenigen Wochen verstarb, ist sie nicht mehr die Alte. Ihre erwachsenen Töchter Imke, Angelika und Anne machen sich Sorgen. Imke, die beim Tod des Vaters dabei war, steht außerdem vor großen Fragen. Denn ihr Vater bat sie mit seinem letzten Atemzug, nach Peter zu suchen. Doch wer ist Peter? Spricht man die Mutter darauf an, blockt Karin ab und gibt an, sie kenne keinen Peter. Doch Imke lässt nicht locker und deckt die Geheimnisse der Vergangenheit auf.

München, 1956: Karin ist ein 16-jähriger Teenager und genießt die Zeit mit ihren Freunden. Doch mit ihrem provokativen Verhalten gerät sie ins Visier der Nachbarn. Diese zeigen ihre Mutter bei der Polizei an, wenig später steht das Jugendamt vor der Tür und das Sorgerecht ist in Gefahr.

Immer ums Jahresende herum kommt er mit Sicherheit. Ein neuer Roman von Ellen Sandberg alias Inge Löhning, der einschlägt wie eine Garante. Diesmal befasst sie sich in ihrem Werk mit der Heimerziehung der 1950er und 1960er Jahre. Für mich auch beruflich ein hochbrisantes und interessantes Thema. Deshalb hat sie für mich diesmal den Nagel gleich doppelt auf den Kopf getroffen. Immer abwechselnd die Geschichte aus der Sicht von Karin, Imke, Anne und Geli in der Gegenwart erzählt. Unterbrochen wird der Erzählfluss von Karin aus dem Jahr 1956. Nach und nach kommen immer neue Details ans Licht und man ist gefesselt von der Geschichte. Weiterlesen

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Fenja Lüders: Speicherstadt-Saga 02: Der Glanz der neuen Zeit

Hamburg, 1920: Die Kaffeeimportfirma Kopmann & Deharde hat den Krieg stark angeschlagen überstanden. Kaffee gibt es in der Hansestadt schon lange keinen mehr und Mina ist ratlos, wie sie das Auskommen der Firma bestreiten soll. Dann hat sie einen mutigen Plan: Sie wird ihrem Schwiegervater Paul in Guatemala schreiben und ihn bitten, ihr von seinem Kaffee zu verkaufen. Mina weiß sehr wohl, dass der Mann mit ihrem Ehemann Frederik einen nicht begrabenen Streit hat und ihr Frederik dieses Vorpreschen sehr übel nehmen wird. Doch Mina hat keine Wahl, möchte sie die Firma und ihre Familie retten. Sie setzt alles auf eine Karte.

Fenja Lüders zweiter Roman der Speicherstadt-Saga aus Hamburg ist mindestens so schön wie der erste. Doch sei es Neueinsteigern der dreiteiligen Reihe empfohlen, auf jeden Fall mit dem ersten Band „Der Duft der weiten Welt“ zu beginnen. Einige Ereignisse des ersten Teils werden nur sehr locker nacherzählt, so dass zum vollen Verständnis und Genuss der erste Band Pflicht ist. Weiterlesen

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Anne Freytag: Aus schwarzem Wasser

Als Maja als Beifahrerin ihrer Mutter Dr. Patricia Kohlbeck, der Innenministerin, in die Spree rast, sind beide tot. Doch Maja wacht wenige Stunden später in einem Leichensack in der Pathologie auf. Scheinbar unverletzt und sehr lebendig. Sie kann sich unbemerkt aus dem Gebäude schleichen und zu ihrem Freund retten. Die beiden stehen vor einem großen Rätsel und wollen die Geschehnisse um Maja so lange wie möglich für sich behalten. Denn eins ist klar: Wenn andere von Majas Überleben erfahren, wird das die Presse heraufbeschwören. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Maja einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommt.

Mit „Aus schwarzem Wasser“ legt Anne Freytag, die sonst für sehr gelungene Jugendromane bekannt ist, ihren ersten Spannungsroman für Erwachsene vor. „Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin“ ist der letzte Satz, denn Patricia ihrer Tochter vor ihrem Ableben noch mit auf den Weg gibt. Der Satz wird mit Fortschreiten der Seiten zu einer Art Slogan des Romans. Denn man kann wirklich nicht einer der Figuren trauen. Immer wieder gelingt es der Autorin, bespielweise durch ganz knappe, blitzlichtartige Kapitel oder einen Blick auf die Gegenseite, Spannung aufzubauen und über viele Seiten hinweg zu halten. Weiterlesen

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Christina Pishiris: This Is (Not) a Love Song

Zoë hat ihren Traum wahrgemacht und arbeitet als Chefredakteurin des Musikmagazins re:sound. Überhaupt besteht ihr Leben vorwiegend aus Musik. Für einen Mann war da bisher kein Platz. Ihr bester Freund aus Sandkastenzeiten, Simon, ist mittlerweile weit weggezogen. Als Teenager hätte sie sich gut vorstellen können, Simon dauerhaft an ihrer Seite zu haben. Doch daraus wurde nie etwas. Dann steht der erwachsene Simon allerdings überraschend vor der erwachsenen Zoë und die Ereignisse überschlagen sich turbulent.

Christina Pishiris gelingt ein humorvoller Liebesroman mit der ein oder anderen chaotischen Wendung. Die Ich-Perspektive von Zoë umschreibt die Geschehnisse. Simon ist wieder in London und das ehemalige Dreamteam nähert sich langsam wieder an und merkt, dass der jeweils andere sich im Laufe der Jahre ganz schön verändert hat. Das sorgt dafür, dass man sich neu auf das Gegenüber einstellen muss und schauen muss, ob die bisherige Freundschaft die Veränderungen tragen kann. Weiterlesen

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Mary E. Garner: Das Buch der gelöschten Wörter 01: Der erste Federstrich

Hope Turner lebt in London und träumt sich nur zu gern in die Welt von Jane Austen. Hier kann sie schlechte Gedanken und Ereignisse hinter sich lassen und einfach allen Sorgen entkommen. Nur mit einem Buch vor der Nase kann ein Tag für Hope gut werden. In Jane Austens Geschichten gibt es Romatik, die große Liebe und Abenteuer für Frauen … all das, was es in Hopes Leben nicht gibt. Doch dann trifft sie in einem alten Buchladen auf einen mysteriösen Fremden und wird zudem von einem Mann namens Rufus übers Internet gestalkt. Plötzlich nimmt Hopes langweiliges Leben eine rasante Wende und sie erfährt, dass man über den Buchladen eine Welt betreten kann, in der die Romanfiguren, die sie so sehr liebt, ein Eigenleben führen. Weiterlesen

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Anne Freytag: Das Gegenteil von Hasen

„Er trägt ein Hasenherz im Wolfspelz. […] Ich wäre gern besser als das. Aber ich bin es nicht. Ich bin ein Hase unter Wölfen, der rennt und Haken schlägt.“ (Kapitel 1382-2)

Marlene und Leonard, Zwillinge und unzertrennlich, gehören mit ihrer besten Freundin Julia zu den beliebten Jugendlichen der Jahrgangsstufe. Einen Knick bekommt ihre Freundschaft, als Leonard und Julia vor ein paar Wochen ein Paar werden. Doch scheinbar sind sie immer noch beliebt und zu dritt unterwegs. Dann verliert die 17-jährige Julia ihren Laptop und mit ihm viele sensible Daten. Sie hat einen Blog geführt, in dem sie Einträge über sich und ihre Mitschüler geschrieben hat. Schonungslos, ehrlich, direkt. Keine Lügen mehr, sondern nichts als die Wahrheit. Als nun der Laptop verloren geht, tauchen wenig später eben diese Einträge öffentlich im Netz auf. Alle Schüler, Lehrer und die Eltern können Julias persönliche Gedanken lesen. Der tägliche Schulbesuch wird zum Spießroutenlauf!

Schonungslos, ehrlich, direkt. So könnte man auch den kompletten Roman beschreiben. Ich halte ihn für Anne Freytags direktestes Werk. Hier wird nichts schöngeredet und alles auf den Punkt gebracht. Julia gehört durch ihre Freundschaft zu den Zwillingen auf die Seite der beliebten Jugendlichen. Sie mobben sich fröhlich durch ihren Alltag, grenzen andere aus, die nicht ins klassische Bild passen. Weiterlesen

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Colleen Hoover: Verity

Als Lowen Ashleigh Jeremy Crawford kennenlernt, geschieht das unmittelbar nach einem Verkehrsunfall, dessen Zeugin sie geworden ist. Nur wenige Minuten treffen sich Lowen und Jeremy wieder. Diesmal ein großer Tisch zwischen ihnen, denn nun ist er ihr Auftraggeber. Er möchte, dass Lowen die Romanreihe seiner Frau fortsetzt. Diese sei nach einem Unfall dazu leider nicht mehr in der Lage. Lowen ringt sehr mit sich und sagt schließlich zu. Zu Recherchezwecken zieht sie einige Tage bei Jeremy, seiner Frau Verity und dem gemeinsamen Sohn ein. Dann findet sie zwischen Veritys Aufzeichnungen einen schockierenden Bericht, der alle Ereignisse in ein ganz neues Licht stellt.

Jeremy und Verity haben im letzten Jahr schwierige Zeiten hinter sich. Erst stirbt die eine Zwillingstochter an einem Allergieschock, dann die andere bei einem Unfall. Zurück bleiben Jeremy, Verity und der gemeinsame Sohn Crew, gerade einmal fünf Jahre alt. Als dann auch noch Verity selbst, einen Unfall hat, steht alles Kopf. Sie reagiert auf nichts mehr in der Welt, kann – ohne medizinisch erkennbaren Grund – nur noch in ihrem Bett liegen. Die Romanreihe, die so erfolgreich lief, soll allerdings beendet werden. Ganz offiziell mit Lowen als Co-Autorin. Doch Lowen findet schreckliche Dinge heraus und hat einen düsteren Verdacht. Weiterlesen

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