Sarah Crossan: Eins

einsGrace ist ein ganz normaler Teenager. Sie möchte bei ihren Klassenkameraden gut angekommen, Freunde finden und sich die Fingernägel lackieren. Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen ihr und den meisten ihrer Altersgenossen. Sie ist ein siamesischer Zwilling und an der Hüfte mit ihrer Schwester Tippi zusammengewachsen. Fragt man die beiden, ob sie dies störe, verneinen sie stets. Denn Grace und Tippi sind EINS und könnten sich das Leben ohne die jeweils andere gar nicht mehr vorstellen. Auf der neuen Schule treffen die Mädchen endlich auch Kids, die sie akzeptieren und ihre Freunde sein wollen. Doch dann wird Grace krank und raubt Tippi die Lebensenergie. Es gilt, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen.

„Eins“ ist ein ganz besonderer Roman, bei dem jedes Wort auch in der deutschen Übersetzung am rechten Platz scheint – und das nicht nur sprichwörtlich, denn jedes Wort hat hier tatsächlich seinen Platz. Manche Kapitel sind sehr kurz, andere wieder etwas länger. Sie zeichnen sich aber alle dadurch aus, dass stets mit sehr klaren Worten viel Bedeutung geschaffen wird.

Man lernt die Schwestern durch Graces Augen kennen. Sie ist die Berichtende und beschreibt auch ihre Schwester, die ihr näher kaum sein könnte. Dabei wird nicht nur beschönigend auf die Tatsache eingegangen, dass die beiden sich schlichtweg alles teilen müssen. Privatsphäre scheint es einzig und allein zu geben, wenn eine von ihnen sich Kopfhörer mit Musik aufsetzt oder schon vor der anderen eingeschlafen ist. Nur ganz selten spürt man in Graces Worten ein Verlangen danach, auch eigene Erlebnisse zu haben, die sie nicht mit Tippi teilen muss. Dieser Wunsch wird größer als sie einen gleichaltrigen Jungen kennenlernt und sich in ihn verliebt. Ist das überhaupt möglich – partnerschaftliche Liebe für siamesische Zwillinge? Vor allem für solche, die an der Hüfte zusammengewachsen sind.

Dieser Roman geht toll mit dem Thema um. Oft muss man zwischen den Zeilen lesen und Worte richtig deuten. Dann allerdings haben sie eine ungemeine Kraft und hallen lange nach. „Eins“ ist kein Buch, das man mal eben so liest und dann zur Seite legt. Es beschäftigt einen deutlich länger als bis zur letzten Seite. Die Umsetzung der Thematik ist dabei für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene gut geeignet.

Ein großartiger Geheimtipp! Ein Buch, das unter die Haut geht und welches man so schnell nicht vergisst!

Sarah Crossan: Eins.
mixtvision, Januar 2016.
424 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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