Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer

Der Tod zweier Hunde bildet den Handlungsrahmen in diesem Roman. Sie gehören Jakob Fischer, einem jungen Bauern aus dem Alpenvorland. Die Hündin Landa wildert. Der Jagdtrieb geht mit ihr durch, sie haut ab, gehorcht nicht, macht auf eigene Faust Beute und frisst diese auch auf. Jakob vergiftet sie zu Beginn des Buches. Sie stirbt qualvoll.

Fischer betreibt auf dem heruntergekommenen Hof seiner Familie eine Geflügelmast. Erst hat man die Milchwirtschaft eingestellt, dann gingen eine Schafzucht und der Betrieb von Fischteichen daneben. Jetzt lebt Jakob also kläglich von der Hühnerfleisch-Produktion und führt ein zurückgezogenes, verschrobenes Leben. Mit am Hof wohnen seine Mutter, der Vater, der als „Nichtsnutz“ bezeichnet wird, die Oma, die nie den ersten Stock verlässt und fallweise seine Schwester Luisa, die nichts arbeitet, auftaucht, eine Weile bleibt und wieder verschwindet. Alles ändert sich, als er der unsteten und ziellosen Künstlerin Katja begegnet. Sie erkennt das Potential, das in Jakob und im Hof steckt. Mit der Freilandhaltung einer alten Schweinerasse feiert der Betrieb ein Comeback. Weil die verstorbene Großmutter Jakob viel Geld vererbt, kann er die verkauften Felder zurückholen. Es geht aufwärts. Er heiratet Katja, sie bekommen einen Sohn. Alles scheint gut zu laufen. Mit Axel kommt ein neuer Hund auf den Hof. Jakob glaubt, sein Leben im Griff zu haben, bis er entdeckt, dass auch Axel wildert. Er erwischt ihn, als er ein Rehkitz frisst. Grausamst erhängt er ihn und läutet damit den Niedergang seiner Ehe und seines Hofes ein.

Kaiser-Mühlecker versucht das von Tristesse und Sprachlosigkeit geprägte Leben des jungen Bauern Jakob zu beschreiben. Die Figuren bleiben allerdings allesamt blass und oberflächlich. Man findet zu ihnen keinen Zugang. Sie sind diffus, ihr Verhalten ist nicht schlüssig. Die Familie weiß zum Beispiel tagelang nicht, wo sich der Vater aufhält. Das wundert oder kümmert aber keinen. Man redet zwar miteinander, sagt einander aber nichts. Jakobs Handeln bleibt über weite Strecken unverständlich. Auf den letzten Seiten tauchen noch Informationen über Grausamkeiten auf, an denen Jakob beteiligt war. Warum er Axel derart brutal tötet, was es mit seinen taub werdenden Händen und Füßen auf sich hat, warum seine Schwester Luisa handelt, wie sie es tut, all das wären wichtige Fragen, die der Autor genauso in der Luft hängen lässt, wie noch einige weitere. Aus dieser Geschichte hätte man viel, viel mehr machen können.

Fazit: Dieser bejubelte Roman bleibt erheblich hinter den Erwartungen zurück.

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer.
S. Fischer, März 2022.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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