Paul Pen: Das Haus in der Kakteenwüste

Elmer und Rose leben mit ihren vier Töchtern Dahlia, Daisy, Iris und Melissa in der Abgeschiedenheit der mexikanischen Wüste. Nur selten lassen sie sich vereinzelt im weit entfernten Ort blicken. Für die Mädchen ist dies nicht immer einfach. Die 13-jährige Melissa spricht mit Kakteen und Steinen, nur damit sie irgendjemanden zum Reden hat. Ihre 16-jährige Schwester Iris wünscht sich nichts mehr, als einen Jungen in ihrem Alter kennenzulernen und sich endlich, wie in ihren geliebten Romanen geschehen, zu verlieben. Als plötzlich der junge Wanderer Rick vor der Haustür der Familie lebt, steht nicht nur Iris‘ Welt Kopf. Auch Rose und Elmer sind erschüttert, denn Rick scheint ein Jahre lang gehütetes Geheimnis zu kennen.

Im Vorjahr begeisterte Paul Pen mit seinem bedrückenden Roman „Glühwürmchen, glüh“, in dem ebenfalls eine Familie in die selbstgewählte Einsamkeit eines Kellers gezogen war. Elmer und Rose wohnen zwar über die Erde, aber in ähnlicher Abgeschiedenheit. Nur gelegentlich fährt Elmer mit jeweils einer Tochter oder allein in das weit entfernte mexikanische Städtchen, um Vorräte zu kaufen. Außerdem arbeitet er an einer Tankstelle, die ebenfalls nicht gerade nahe zum Haus der Familie ist. Das Leben der Kinder scheint von Anfang an bedrückend. Außer den Eltern und der Hauslehrerin sehen sie so gut wie niemanden. Dahlia und Daisy, die 6-jährigen eineiigen Zwillinge der Familie, müssen sich zudem verstecken, wenn Fremde kommen. Denn die Hauslehrerin glaubt, dass sie nur drei Mädchen unterrichtet. So zumindest die Annahme zu Beginn des Romans. Zusätzlich bedrückend wird die Stimmung, da hinterm Haus das Grab eines der Geschwister liegt. Die 18-jährige Edelweiß ist vor nicht mal einem Jahr gestorben und dort begraben worden. Die Umstände ihres Todes bleiben bis zuletzt mysteriös.

Paul Pen gelingt es hervorragend, diese geheimnisvoll düstere Stimmung in Worte zu packen und seine Leser zu fesseln. Dieser Autor zeigt auch mit seinem zweiten Roman, dass er durchaus bei einem großen Verlag veröffentlichen könnte. Auch in „Das Haus in der Kakteenwüste“ ist es dabei nicht vordergründig ein besonders spannender Plot, sondern vielmehr die Gesamtatmosphäre, die Leser und Leserinnen an den Roman bindet. Man will einfach wissen, was es mit der zurückgezogen lebenden Familie auf sich hat, was ihr Geheimnis ist.

Insgesamt sehr gut zu lesen und empfehlenswert!

Paul Pen: Das Haus in der Kakteenwüste.
AmazonCrossing, April 2017.
384 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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