Nicolas Maleski: Ein unerwarteter Brief

Man muss sich in diesen Roman etwas einfinden: Hauptfigur und Ich-Erzähler Franck erschlägt gleich zu Beginn einen Igel im Garten – und man denkt unweigerlich: Was für ein unsympathischer Typ! Warum soll ich meine Lesezeit mit ihm verschwenden?

Nach und nach wird‘s ein bisschen besser, und man erkennt, dass sich durch das gesamte Buch ein Hauch von Selbstironie zieht, die das Ganze etwas erträglicher macht. Aber nur etwas. Franck bleibt im Grunde ein Kotzbrocken, aber man kann sich seine Art mit etwas gutem Willen schönreden.

Besagter Franck, ein Hausmann mit Garten-Fimmel, erhält einen anonymen Brief, in dem behauptet wird, seine Frau Gisèle, eine Tierärztin gehe fremd. Franck nimmt das zum Anlass, selbst mit allen Frauen ins Bett zu steigen, derer er habhaft werden kann. Dafür – Gipfel der Spannung in diesem Buch – verzichtet er sogar mal aufs Gießen seiner geliebten Pflanzen. Überraschend ist, wie mühelos es ihm gelingt, die Frauen gleich reihenweise in die Horizontale zu befördern, ohne dass seine ebenfalls ganz hinreißende Gattin auch nur die Spur einer Ahnung davon hätte.

Eine solche Handlung ist allerseichteste Trivial-Unterhaltung und nicht weit von Groschenheft-Niveau (oder Fernseh-Vorabendserien) entfernt – was noch erträglich wäre, wäre der Roman stilistisch auf hohem Niveau verfasst. Ist er aber nicht. Plattitüden und abgegriffene Worthülsen finden sich zu Hauf – so wie das Bier, das sich Franck ständig „genehmigt“, statt es einfach zu trinken.

Insgesamt ein Roman, den man bestenfalls als seichtes Begleitrauschen – im Zug oder Wartezimmer – empfehlen kann.

Nicloas Maleski ist das Pseudonym eines französischen Autors, der in der Verlagsbranche arbeitet.

Nicholas Maleski: Ein unerwarteter Brief.
Bastei Lübbe, Januar 2019.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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