Ned Beauman: Glow

Ned Beaumans Roman „Glow“, der jetzt als Taschenbuch im Hoffmann & Campe-Ableger Tempo erschienen ist, beginnt vielversprechend. Ein junger Londoner namens Raf mit Schlafstörungen verliebt sich auf einer illegalen Party in einem Waschsalon Hals über Kopf in eine atemberaubend schöne Frau. Man erwartet einen coolen Roman aus der englischen Jugendszene mit viel Drive, Gefühl und London-Flair – und wird bitter enttäuscht.

Es geht nach diesem ersten guten Kapitel weiter mit seitenlangen Beschreibungen von Wirkstoffen in irgendwelchen Drogen, deren Namen man noch nie gehört hat. Das liest sich genauso spannend wie ein Chemiebuch. Einer neuartigen Droge namens „Glow“ scheint dabei eine besondere Bedeutung zu haben. Hinzu kommt ein kruder und äußerst verzwickter Handlungsstrang über eine Firma, die vor illegalen Machenschaften inklusive Entführungen und Misshandlungen nicht zurückschreckt. Auch der Ferne Osten in Gestalt des Staates Burma kommt vor.

Wie die Droge Glow, besagte Firma, Burma, die neuerdings vermehrt auftauchenden Füchse, Raf und die schöne Frau zusammenhängen, erschließt sich kaum – zumal der Autor immer neue Handlungsfäden und Figuren einführt, deren Namen und Funktionen sich auf Dauer kein Mensch merken kann. Man ist versucht, dieses Buch weit vor dem Ende zur Seite zu legen.

Hauptproblem dürfte wohl seine durchgängige Seelenlosigkeit sein. Die Figuren wirken schablonenhaft, ihr Innenleben erschließt sich dem Leser nicht. Wenn sie Sex miteinander haben, kommt die Erotik nicht an, wenn jemand gefoltert wird, ist dies so knapp und dürftig beschrieben, dass sich kaum Mitleid oder Betroffenheit einstellen können.

Der Autor wollte vermutlich einen extrem coolen und modernen Roman schreiben. Dabei ist jedoch zu viel an wichtigen Zutaten auf der Strecke geblieben.

Ned Beauman: Glow.
Tempo, September 2017.
400 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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