Kerstin Gier: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann

Quinn ist umschwärmt. Er wird zu Partys eingeladen, um seine Meinung gefragt, ist einfach ein cooler Teenager – der sich nur zu gerne von seiner Freundin Lilly trennen würde, es aber nicht übers Herz bringt – nett ist er also auch noch. Mathilda ist klug, hilfsbereit und hübsch, aber für andere alles andere als cool. Denn sie kommt aus einer hochreligiösen Familie mit langer Tradition und verbringt einen Großteil ihrer Freizeit in kirchlichen Einrichtungen. Ausgerechnet während der Party, auf der Quinn sich endgültig von Lilly trennen will, wird er angegriffen. Zumindest glaubt er das, alle anderen denken, er ist betrunken vor den LKW gelaufen.

Quinn überlebt nur knapp und ist lange auf Krücken und Rollstuhl angewiesen, sein Kopf ist jetzt kahl und vernarbt und seine Umwelt glaubt, er hätte auch geistige Schäden davongetragen. Er glaubt das auch, denn er sieht Wesen, hört Stimmen und irgendwas stimmt mit seiner Sehschärfe nicht. Quinns Mutter bezahlt Mathilda dafür, Zeit mit Quinn zu verbringen, denn seine alten Freunde will er nicht mehr sehen.

Zwei, die es noch nicht wissen, haben sich gefunden. Denn Quinn, der Pragmatiker, wird plötzlich mit einer Welt – dem Saum – konfrontiert, die es doch eigentlich nicht geben kann oder höchstens in Fantasy-Geschichten, die er nicht liest. Mathilda dagegen kennt jeden Fantasy-Roman auf dem Planeten, hat sie doch Grund genug, dem geistigen Leben ihrer Familie zu entfliehen. Dafür kann sie den Saum weder sehen noch betreten.

Mit „Vergiss mein nicht“ hat Kerstin Gier einen Roman voller Humor und Abenteuer geschrieben, der einen nicht loslässt und das Ende ist wirklich gemein. Die Saumwelt ist sicher nicht ganz neu, aber interessant beschrieben. Auch versteht Kerstin Gier es, die altbekannte Story Nerd schwärmt für Mr. Cool, dem ist sie egal und dann verliebt er sich doch, nochmal ganz neu zu erzählen. Die Spannung zwischen den beiden knistert zwischen den Seiten und es ist überraschend, wie Mathilda es schafft, sich trotz ihrer Erziehung innerlich von dem Habitus ihrer Eltern zu lösen. Ausgerechnet sie, die zwischen Glauben und Kirche aufgewachsen ist, tut sich am leichtesten damit, die Saumwelt, die sich ja nicht mal sehen oder betreten kann, zu akzeptieren.

Die Reihe ist als Trilogie konzipiert und das Ende von Band 1 ist schon ein wirklich gemeiner Cliffhanger, zumal zwischen Gier-Büchern meist ein ganzes Jahr bis zur Fortsetzung liegt. Ich warte gespannt drauf.

Das Buch ist in zwei Versionen erhältlich, mit und ohne Farbschnitt. Da es je nach Verfügbarkeit geliefert wird, anscheinend nach dem Zufallsprinzip, lohnt sich für Sammler schöner Bücher, die die Triloge später im Regal haben wollen, also durchaus der Weg zum örtlichen Buchhändler. Da sieht man dann, ob man den Farbschnitt kauft oder nicht.

Fazit: Spannendes Jugendbuch mit nicht ganz neuer Story, aber gut und humorvoll erzählt.

Kerstin Gier: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann.
Fischer, September 2021.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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