Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten

Vor mir liegt ein Bildungsroman, den ich mit Vergnügen und Eifer gelesen habe. Eifrig, was für ein bescheuertes Wort, aber hier passt es eben. Es sind zwei Größen des letzten Jahrtausends um die es hier geht, eben Karl Marx und Charles Darwin! Sie haben das Denken, die Richtung, die Aufklärung und überhaupt alles revolutionär geprägt, in dem sie den Ballast hinter sich gelassen, den Klerus und Feudalismus, beide schon immer Hand in Hand arbeitend, in vielen Jahrhunderten zu ihrem Nutzen aufgeschichtet haben. Marx und Darwin und räumen auf. Darwin erkennt die Gesetzmäßigkeiten der Evolution und Marx eben die des Kapitals uns seiner Gier, sich selbst zu aufzufressen.

Das alles gepackt in ein Romankonstrukt, in dem die kluge Autorin eine Figur, Dr. Beckett, Leibarzt der beiden Helden, entwickelt hat, der zwischen den beiden so unterschiedlichen Gelehrten hin und her eilt.  Beide Fürsten des Wissens sind krank und alt – und Dr. Beckett bewundert beide sehr, so dass er nicht umhin kann, irgendwie dafür zu sorgen, dass es zu einem Treffen kommt. Ich denke, das hat niemals stattgefunden, aber es ist amüsant zu lesen, was sich bei einem derartigen Dinner im Hause Darwin, abgespielt haben könnte.

Das ist wieder ein Roman von der Sorte, die ich so liebe: eine Art zweiter Bildungsweg, denn wie nebenbei, sammelt sich bei uns auch wieder (oft schon verlorenes) Wissen über den historischen Materialismus und der Entstehung der Arten an. Wunderbar illustriert und in knappen wohl komponierten Sätzen, erklärt die Autorin, die Lehren dieser Geistesgiganten! Klasse!

Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten.
Ullstein, August 2017.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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