Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua

Pfeijffer_MaedchenGenua_U1.inddEine Liebeserklärung an die italienische Hafenstadt Genua ist der Roman des niederländischen Schriftstellers Ilja Leonard Pfeijffer.

In herrlich poetischen Bildern beschreibt der 1968 geborene Autor, wie der Ich-Erzähler in einem Straßencafé sitzt und die Bedienung anhimmelt, die er als schönstes Mädchen von Genua sieht.

Es macht Spaß, ihn dabei zu beobachten, wie er versucht, die junge Dame auf sich aufmerksam zu machen. Gelingt es ihm, die Schönheit zum Rendezvous zu überreden? Doch unser Protagonist studiert auch das übrige Leben in seiner Wahlheimat – und zeigt dabei viel Herz für örtliche Sitten und Gebräuche, wobei er viel Sympathie für Rosenverkäufer, einen Flüchtling aus dem Senegal oder einen mittellosen, aber stadtbekannten Geschichtenerzähler und Trinker entwickelt. Mit Touristen und Geschäftsleuten dagegen kann er weniger anfangen.

Zunächst gibt‘s in diesem Buch nur wenig Handlung. Der Text besteht vielmehr aus Beobachtungen und den philosophischen Gedanken des Protagonisten dazu.
Das ändert sich zeitweise, als Pfeijffer versucht, ein Theater zu kaufen und die dazu notwendige Sponsorin zu beglücken.

Doch „Das schönste Mädchen von Genua“, so heißt dieses Buch, ist nicht nur eine Mischung aus romantischer Verklärung der südlichen Lebensweise und einiger skurriler Geschehnisse, wie es diese Kurzbeschreibung vermuten ließe – das Buch wird zwischenzeitlich sehr ernst, als es um die Erzählung des Senegalesen geht, unter welch menschenunwürdigen Zuständen er nach Genua gekommen ist.

Insgesamt bietet dieser Roman somit ein facettenreiches und unterhaltsames Bild zum Ist-Zustand des Lebens in südeuropäischen Großstädten, wobei er auch die dunklen Seiten – Flüchtlingselend, Prostitution – nicht ausspart. Dem Ende – den letzten 70 oder 80 Seiten – hätte vielleicht eine Kürzung gut getan.

Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua.
Aufbau Verlag, Juni 2016.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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