Gill Sims: Mami braucht ’nen Drink

Es ist der erste Schultag nach den Sommerferien und Ellen ist gerade 39 Jahre alt geworden und Mutter von zwei Kindern im Grundschulalter. Dieses Jahr möchte sie alles richtig machen, ihren Kindern eine tolle Mutter, ihrem Mann eine tolle Ehefrau, ihrer Schwiegermutter … nein, das dann lieber doch nicht. Aber Ellen hat für dieses Jahr Ziele und Wünsche. Vielleicht wäre es sogar möglich, dass sie richtig viel Geld verdient? Denn sie denkt, dass man den Alltag als Mutter manchmal nur mit einem Glas Wein überstehen kann. Und da ihr in ihrem Teilzeitjob so schrecklich langweilig ist, hat sie genug Zeit, um dort eine App zu programmieren. Und dann geht „Mami braucht nen Drink“, wie die App treffenderweise heißt, viral. Doch während die App tausendfach runtergeladen wird, kündigt sich zu Weihnachten schon die nächste Katastrophe an: Die liebe Familie rückt Ellen auf die Pelle.

Anfangs war ich von diesem Roman nicht sehr überzeugt. Es wirkte gezwungen witzig, wollte irgendwie Klischees erfüllen und ich konnte mit der Handlung nicht so richtig etwas anfangen. Aber spätestens bei den Weihnachtskapiteln, als die liebe Familie anrückt, war’s um mich wirklich geschehen und ich war „drin“ im Buch. Ja, Gill Sims versucht sich an anderen Romanen, die mit einem ähnlichen Schema (etwa Bridget Jones) erfolgreich waren. Und klar erfindet sie das Rad nicht neu. Aber es kommt dieser Punkt im Roman, an dem leidet man mit der Protagonistin, die so viele Klischees erfüllt, mit. Ellen hat unser Mitleid einfach verdient. Ihr Mann ist nie zu Hause und wenn er dann am Wochenende doch mal da ist, verzieht er sich zum Werkeln in seinen Schuppen. Also hat Ellen den ganzen Tag, die ganze Woche ihre liebenswerten Kinder am Hals. Und die sind wirklich nicht gerade wohlerzogen und stellen das Familienleben reichlich auf den Kopf.

Auch der Kontakt zu anderen Müttern fällt Ellen nicht gerade leicht, weil sie selbst in ihren Augen nicht in deren Schema passt. Sie trägt nicht die Kleidung, die die anderen tragen, trinkt nicht den Kaffee, den die anderen trinken, und ihre Kinder sind bei weitem nicht so wohlerzogen wie die der anderen, das sieht man wohl auf den ersten Blick. Aber ist Ellen deshalb eine schlechte Mutter? Gegen diesen Gedanken wehrt sie sich vehement.

Die Sache mit der App ist nur nettes, aber amüsantes Nebenwerk, einen wirklich hohen Stellenwert nimmt besagte App im Roman nicht ein. Das tut der Freude aber keinen Abbruch. Ich habe mit nach einigen Startschwierigkeiten bestens unterhalten gefühlt!

Gill Sims Roman ist in Großbritannien so angekommen wie Ellens App – sehr erfolgreich. Deshalb hat sie eine Fortsetzung geschrieben, die auf Englisch im Juli 2018 erschien. Das mögliche Erscheinungsdatum einer deutschen Übersetzung ist bisher allerdings nicht bekannt.

Gill Sims: Mami braucht ’nen Drink.
Eisele Verlag, August 2018.
352 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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