Gill Sims: Mami kann auch anders

Mittlerweile ist Ellen, die uns in „Mami braucht ’nen Drink“ und „Mami muss mal raus“ tagebuchartig die Erlebnisse einer Mutter zweier Kinder schilderte, 45 Jahre alt und ihre Kinder Teenager. Peter (13) frisst Ellen die Haare vom Kopf und hat einen unstillbaren Hunger, während sein Zimmer zwischen Mansize-Taschentüchern und Jungs-Mief kaum mehr betretbar ist. Jane (15) ist immer noch davon überzeugt, dass ihre Mutter ihr Leben zerstören will. Vielleicht verrät sie Ellen deshalb nichts von ihrem heimlichen Freund Harry? Und da ist ja auch noch Simon, Ellens Ehemann und das größte Problem in „Mami kann auch anders“. Denn Simon ist fremdgegangen und hat es Ellen auch noch gebeichtet. Nun braucht er Abstand und ist sich gar nicht mehr so sicher, ob er Ellen überhaupt noch liebt. Da macht die emanzipierte Mutter Nägel mit Köpfen, setzt Simon vor die Tür, kündigt die Wohnung und zieht mit den Kids aufs Land, um sich endlich ihren Traum von einer kleinen ländlichen Hütte zu erfüllen.

Die Vorgängerbände von Gill Sims habe ich grölend verschlungen und konnte manchmal vor Lachen kaum mehr atmen. Sie schreibt erfrischend, erfindet das Rad zwar nicht neu, hat aber ein Händchen für das Chaos in Ellens Leben. „Mami kann auch anders“ braucht allerdings in meinen Augen etwa die Hälfte der Seiten, um zumindest an dieses Niveau ranzureichen. Das mag daran liegen, dass mit Ellens anstehender Scheidung und der Frage, was dies mit den beiden Kindern macht, erstmals im Mittelpunkt des Geschehens sehr ernste Themen stehen. Die Schreibe ist immer noch amüsant, aber es kommt in der ersten Hälfte nicht recht Fahrt auf. In der zweiten Hälfte gelingt dann der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und dem typischen Ellen-Chaos deutlich besser. Obwohl Ellens Vater stirbt, birgt diese Hälfte viele Lacher und mehr von dem, was ich an Ellen und Gill Sims so schätze.

Man kann den neuen Band lesen, ohne die anderen beiden zu kennen, dann fehlt allerdings hier und da eine Hintergrundinformation. Besser ist es tatsächlich, vorne zu beginnen und sich mit auf die irre Reise von „Mami braucht ’nen Drink“ nehmen zu lassen. Denn dieser Roman ist bei weitem noch Gill Sims‘ bester!

Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet die Autorin einen gelungen Weg zwischen Ernst und Wahn, Ellens Leben ist mal wieder das pure Chaos, stimmt aber auch gefühlvolle und nachdenkliche Töne an.

Gill Sims: Mami kann auch anders.
Eisele Verlag, April 2020.
416 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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