D. Nolan Clark: The Silence 01: Der verratene Planet

Was passiert, wenn eine Gesellschaft in Bürokratie erstickt, ist uns allen bekannt. Die Wirtschaft wird ausgebremst, der Fortschritt stagniert, die Menschen werden unzufrieden weil es nichts vorangeht. Als ultimative Lösungsmöglichkeit wird immer die Privatisierung, das freie Spiel der Märkte hochgehalten. Wie man angesichts der gerade in letzter Zeit ans Tageslicht gekommenen Skandalen sieht, scheint auch dies kein wirklich überzeugender Lösungsweg zu sein.

Was dies mit einem Science Fiction Roman zu tun hat, möchten sie jetzt doch endlich einmal wissen? Nun, D. Nolan Clark hinter dem sich der Bestsellerautor Daniel Wellington verbirgt zeigt uns eine zukünftige Welt, in der eben jene Zustände dazu führen, dass Menschen im Stich gelassen werden.

Rechenschieber, beziehungsweise Computer entscheiden, ob es sich rechnet, existenziell bedrohten Menschen zu Hilfe zu kommen. Und, wie kaum anders zu erwarten, wenn die Kosten den vermeintlichen wirtschaftlichen Nutzen übersteigen, sind die Schicksale der Siedler einer ganzen Welt unrelevant. Das Hilfegesuch Nirayas, eines kleinen, unbedeutenden Siedlungsplaneten am Rand der menschlichen Hegemonie, wird von den MegaKons abgelehnt, die Siedler sollen sich um den drohenden Angriff der Aliens, der bevorsteht, selbst kümmern. Dass Niraya ein pazifistisches Weltbild vertritt und keine Waffen besitzt, interessiert auch niemanden, schließlich weiß man, dass sich der arme Agrarplanet weder Waffen noch Söldner leisten kann.

Doch ganz allein sind die Bedrängten nicht. Einer der letzten Helden der Weltraumschlachten der vergangenen Jahrhunderte, der legendäre Kampfflieger Aleister Lanoe sammelt einen bunten Haufen wagemutiger Verbündeter um sich, den Hilfesuchenden zur Seite zu eilen. Dass die Veteranen und Glücksritter allesamt ihre beste Zeit hinter sich haben, dass sie eigentlich chancenlos gegen die Invasoren sind, hält sie nicht auf. Im Kampf gegen einen übermächtigen Feind hat man nichts zu verlieren und viel Ehre und Reputation zu gewinnen. Und so ziehen sie in den Kampf David gegen Goliath …

Auf der Suche nach Umsatzbringern haben inzwischen auch die Großverlage die Military-SF für sich entdeckt. Quer durch alle Verlagshäuser ist man bemüht, dem Leser entsprechendes Lesefutter zu offerieren. Doch nicht nur Literatur-Agenten und Herausgeber sind für die Military SF sensibilisiert, auch Autoren wissen, was ihre Fans und Leser von ihnen erwarten. So hat sich auch ein bekannter Bestseller-Autor unter Pseudonym daran gemacht, einen entsprechenden umfangreichen Plot vorzulegen.

Was er auf den ersten Blick präsentiert, das zeigt sich ganz dem Bekannten verhaftet. Eine Gruppe alter, abgehalfterter Helden zieht im Auftrag der Gerechtigkeit und des Guten aus, Bedrängten in ihrem aussichtslosen Kampf zu Hilfe zu kommen. Moment, das Grundthema kennen Sie? Ja, die Expendables oder auch die Sieben Samurai und ihre Abkömmlinge aus dem Wilden Westen standen ein wenig, na gut, recht viel, Pate, was die grundsätzliche Anlage der Handlung anbelangt. Dass der Roman trotz all der zunächst sehr stereotypen Figuren dann nicht zur Persiflage oder gar Enttäuschung wird, das hat das Buch der Fähigkeit seines Autors überraschende Besonderheiten einzustreuen zu verdanken.

Immer wieder nimmt die Handlung, mehr noch, die Entwicklung der Figuren eine so nicht vorhergesehene Wendung. Dabei kommen Geheimnisse der Figuren ans Tageslicht, die den jeweiligen Charakter beleuchten, erklären und schlicht griffig machen.

Daneben enthält der Roman all das, was wir uns von so einem Buch erwarten – packende Raumschlachten, Kommandounternehmen, jede Menge Dramatik und einen überraschenden Schluss – bis es heißt, warten, dass Band zwei der Reihe erscheint. Kanonenfutter der gefälligen Art also, das sowohl Military-SF Fans faszinieren wird, wie auch Neulesern einen gelungenen Einstieg ins Sub-Genre bietet.

D. Nolan Clark: The Silence 01: Der verratene Planet.
Heyne, Oktober 2017.
736 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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