Tom Hillebrand: Hologrammatica, gelesen von Oliver Siebeck

Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der Galahad Singh lebt. Er wohnt in der Stadt, die wir heute als London kennen, aber die Welt hat sich verändert. Nicht nur, dass die Autos endlich selbst fahren und Eigensteuerung als Abenteuer gilt, es gibt das Holonet, das die ganze Welt ein bisschen aufhübscht und „Mind Uploading“ – das zeitweise Leben in einem Wunschkörper – ist Alltag. Dazu haben die Folgen des Klimawandels und einer Art Pestausbruch die Welt und die Bevölkerung grundlegend verändert. Galahad arbeitet als Quästor, heißt: Er sucht verschwundene Menschen. Keine einfache Sache in einer Welt, in der jeder so aussehen kann, wie er gerade will. Sein aktueller Fall ist die die Ausnahmeprogrammiererin Juliette Perotte, Tochter eines greisen Herrschers. Die Suche führt Galahad tief in die Szene der Menschen ein, die inzwischen das Leben in einem Holokörper dem eigenen Selbst vorziehen. Weiterlesen

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A.J. Finn: The Woman in the Window, gelesen von Nina Kunzendorf

Anna Fox lebt in New York. Allein. Ihre Familie ist „abwesend“. Sie fotografiert. Sie kann das Haus nicht verlassen. Aber nicht ein Beinbruch hindert sie daran, wie in dem nicht zufällig ähnlich klingenden Klassiker-Film, sondern ihre Angst. Sie hat sich eingerichtet, verbringt viel Zeit im Internet und geht dort sogar ihrem Beruf als Psychologin nach. Nachbarn kommen und gehen und sie lernt eine der neuen Nachbarinnen kennen. Man trifft sich, man unterhält sich, dann eines Nachts beobachtet Anna, wie die Nachbarin ermordet wird. Sie ruft die Polizei. Aber es gab keinen Mord, bloß sieht die neu Nachbarin überhaupt nicht so aus, wie Anna sie kennengelernt hat, es ist eine ganz andere Frau. Wer war bei Anna, oder hat sie sich den Besuch nur eingebildet. Niemand glaubt ihr, fast verliert sie den Glauben an sich selbst.

Was für ein Ritt durch die Psyche. Stück für Stück enthüllt sich die Wahrheit ebenso wie der Grund für Annas Angststörung. Von der ersten Minute an superspannend, entfaltet das Hörbuch einen Sog, dem man sich als Zuhörer kaum entziehen kann. Das liegt unter anderem an Nina Kunzendorf, die Anna eine tolle Stimme gibt. Mal ängstlich, mal trotzig, mal zweifelnd, aber immer Anna. Weiterlesen

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Kelly Barnhill: Das Mächen, das den Mond trank, gelesen von Simon Jäger

Jedes Jahr kommt in die an Trauer und Verzweiflung nicht arme Protektoratsstadt noch weitereTrauer hinzu. Jedes Jahr zur gleichen Zeit müssen sie das jeweils jüngste Kind im umliegenden Sumpf zurücklassen und die Hexe holt es sich, um dafür die Stadt ein weiteres Jahr zu verschonen. Die Hexe dagegen wundert sich über die seltsamen Stadtbewohner, die einmal im Jahr ein Kind aussetzen. Was müssen das nur für herzlose Menschen sein. Sie holt das Kind, damit es im Sumpf nicht umkommt, tränkt es mit Sternenlicht und bringt es bei kinderlosen Paaren in der nächsten, glücklicheren Stadt unter. Was für ein grausamer Kreislauf.

Und was für ein bezauberndes Hörbuch. Liebevoll vorgetragen von Simon Jäger ist es ein Märchen, eine Geschichte über Mut und Veränderung, aber auch über den Lauf der Zeit. Denn eines Tages geht etwas schief. Weiterlesen

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Gin Phillips: Nachtwild, gelesen von Andrea Sawatzki u.a.

Boah, was für ein Ritt durch die Nacht. Gin Phillips versteht es, die Spannung mit kleinen Randbemerkungen bis ins Unerträgliche aufzubauen und dann zu halten bis zum Schluss. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Mit einem Zoobesuch. Joan geht gerne mit ihrem kleinen Sohn Lincoln in den Zoo, sie beobachten die Menschen und Tiere, der phantasiebegabte Lincoln spielt mit seinen Figuren, ein schöner Tag. Gerade als sie auf dem Weg zum Ausgang sind, fallen Schüsse, die Joan zunächst nicht zuordnen kann. Bis sie die ersten Leichen findet. Der Weg zum Ausgang ist versperrt, sie ist gezwungen, sich mit ihrem kleinen Sohn zu verstecken und die Nacht auszuharren. Was dann folgt, ist sowohl spannend als auch grauenhaft. Joan verändert sich. Ihr Denken, sogar ihre Werte verändern sich, denn es gibt nur noch einen Grundsatz: Lincoln muss überleben. Dafür ist Joan bereit, die Sicherheit anderer Menschen zu opfern. Weiterlesen

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Poznanski & Strobel: Invisible, gelesen von Christiane Marx u.a.

Wie erkennt man eine Mordserie, wenn es kein offensichtliches Motiv, immer andere – bekannte – Täter gibt und dazu Opfer, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben? Kriminalkommissarin Nina Salomon erkennt genau darin das Gemeinsame: die scheinbare Wahllosigkeit der Opfer und natürlich die immer gleiche Fassungslosigkeit der Täter. Da ist der Chirurg, der auf seinen Patienten während der Operation mit dem Skalpell einsticht, da ist der junge Mann, der auf offener Straße förmlich erschlagen wird. Und allen Täter ist doch etwas gemeinsam: Sie sind unglaublich wütend auf die Opfer – obwohl sie sie in den meisten Fällen sogar nur flüchtig kannten.

Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Buchholz kommt sie zu der Überzeugung, dass es noch einen weiteren, quasi einen übergeordneten Täter geben muß, der alle anderen steuert. Aber wie? Und warum? Weiterlesen

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Jan Weiler: Kühn hat Ärger, gelesen vom Autor

Drei Jahre nach seinem ersten Auftreten ermittelt Hauptkommissar Kühn wieder auf und um die (imaginäre) Münchner Weberhöhe herum: Die Leiche eines jungen ausländischen Mannes, Amir, wird an einer S-Bahn-Haltestelle erschlagen und äußerst übel zugerichtet aufgefunden. Eine rechtsorientierte Tat?

Die Ermittlungen führen Kühn und seinen Kollegen Steierer in die High Society Münchens, denn das Opfer war mit einem Mädchen aus gutem Haus zusammen. Neben dieser Krimihandlung, die – wie bereits im ersten Fall – oft zur Nebensache verkommt, wirft dieser Roman vor allem einen  ironischen, oft auch bissigen Blick auf die Münchner Schickeria. Besonders gelungen dabei fand ich die Beschreibungen des Hauses der van Hautens. Gut inszeniert auch der Kontrast zwischen dem vielleicht etwas biederen Kleinbürger Martin Kühn und der Welt der Schönen und Reichen  auf dem Sommerfest der Familie. Weiterlesen

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Koethi Zan: Nur das Böse, gelesen von Nina Petri u.a.

Man soll ja immer mit dem Positiven beginnen: Also, das Hörbuch ist toll anzuhören. Das liegt an den drei professionellen Sprechern, die aus der etwas verworrenen Geschichte wirklich das Beste herausholen.

Worum geht es? Julie ist eine Studentin mit einem normalen, erfolgreichen Leben. Bis sie eines Nachts direkt vom Bahnhof in einen Transporter geworfen wird und sich in einem Keller eingesperrt wiederfindet. Ihre Hoffnung, die Frau des Hauses, Cora, könnte ihre eine Hilfe sein, erweist sich recht schnell als Irrtum. Im Gegenteil empfindet Cora Julie eher als Bedrohung ihrer „Ehe“, vor allem als Julie schwanger wird. Zwischendurch taucht ein Ex-Polizist auf, der die Suche nach dem Entführer zu seinem Leben gemacht hat und nahe dran ist, daran zu zerbrechen und der Entführer verschwindet. Weiterlesen

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Marion Meister: Julie Jewels 01: Perlenschein und Wahrheitszauber, gelesen von Nana Spier

Julie bekommt zu ihrem 16. Geburtstag von der ihr unbekannten Großmutter ein Kästchen zum Schmuckbasteln geschenkt. Ihre Mutter will ihr das Geschenk vorenthalten und schon bald findet Julie heraus, warum. Das Kästchen ist magisch, oder sie ist magisch, jedenfalls kann sie mit dem Inhalt Schmuck herstellen, der die Menschen verhext. Wenn Julie ihre Sternenohringe trägt, ist sie für die anderen ein Star, trägt sie ihr Armband, ist jeder gezwungen, ihr die Wahrheit zu sagen. Das klingt erstmal toll, aber birgt so eine Magie nicht auch Gefahren, wie ihre Mutter vehement behauptet? Vor allem dann, wenn man keine Anleitung hat und alles alleine herausfinden muß.

Eingebettet ist die Geschichte um den magischen Schmuck in Julies Geschichte, die sich um ihre beste Freundin Merle dreht, um ihren Sandkastenkumpel Ben und ihre große heimliche Liebe Noah. Kein Wunder, dass Julie da mit Magie etwas nachhelfen will und auch kein Wunder, dass das das eine oder andere Mal gründlich schiefgeht. Vielleicht hat ihre Mutter ja doch recht, die sich bewußt von der Magie abgewandt hat und Julie einfach nicht sagen will, warum. Weiterlesen

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Fredrik Backman: Kleine Stadt der großen Träume, gelesen von Heikko Deutschmann

Ich liebe den melancholischen Stil von Fredrik Backman schon seit seinem ersten Buch. Hier ist er wieder in Höchstform, dazu kommt die nüchterne Stimme von Heikko Deutschmann, der dem Leser die Geschichte der Stadt Björnstad am Ende der Welt intensiv ins Ohr flüstert. Björnstad ist nur in einer Sache einigermaßen erfolgreich: im Eishockey. Die Mannschaft ist auf dem besten Weg, einen großen Sieg heimzubringen und das könnte viel bedeuten für die kleine Stadt im Nirgendwo. Ein neues Leistungszentrum für das ganze Land läge in greifbarer Näche, das würde Arbeitsplätze bedeuten, Ruhm und einfach Leben. Aber der Preis dafür könnte hoch sein.

Fredrik Backman bringt uns die einzelnen Charaktere sehr nahe, sie alle haben ein Schicksal, das mit dem Eishockey verbunden ist. Für die meisten bedeutet Eishockey Leben, Flucht, eine Hoffnung auf ein besseres Leben. Weiterlesen

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Daniel Suarez: Bios, gelesen von Uve Teschner

Noch ein Zukunftsroman, in dem die Menschheit alle Krankheit überwunden hat durch Gentechnik. Daniel Suarez beschäftigt sich mit der Frage, wie weit Gentechnik gehen kann und darf. In seiner Welt sind Designerbabys keine Frage mehr, sondern Realität. Aber was ist mit den vorher Geborenen. Sollten sie nicht auch teilhaben können. Und könnte man mit dieser Frage nicht kriminell viel Geld machen?

Kenneth Durand leitet im Jahre 2045 bei Interpol den Kampf gegen die Genkriminalität. Eines Tages findet er sich im Krankenhaus im Körper seines mächtigsten Gegners wieder. Weiterlesen

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