Laetitia Colombani: Der Zopf, gelesen von Andrea Sawatzki u.a.

Drei Frauen, drei Kontinente, drei Geschichten. Arm und reich, mit und ohne Kinder, allein oder eingebunden. Was haben diese drei Frauen miteinander zu tun?

Smita lebt in Indien, gehört einer der untersten Kasten an, verrichtet Arbeit, die verachtet wird und sie krank macht und möchte etwas besseres als Schicksal für ihre kleine Tochter.

Giulia lebt in Italien, glaubt alles zu haben, der geliebte Vater besitzt eine Perückenmanufaktur und ihr größtes Problem ist ihr neuer Freund, von dem sie nicht weiß, ob die Familie ihn akzeptieren wird. Da verändert ein Rollerunfall ihr ganzes Leben.

Und Sarah, sie lebt in Kanada auf der Sonnenseite des Lebens, zumindest oberflächlich betrachtet. Die ist erfolgreiche Anwältin einer großen Kanzlei, verdient gut, aber sie muss sich dafür verbiegen. Niemand darf wissen, dass die Arbeit nicht das ganze Leben ist, sie muss funktionieren wie eine Maschine und niemals zeigen, dass sie etwa noch ein Leben außerhalb der Kanzlei hat. Bis ihr das Leben schmerzhaft zeigt, dass auch sie eine Schwachstelle hat und dass sie mit einem Recht hatte: die Kanzlei darf man nicht schwächeln, sonst kommen die Haifische. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Thalamus, gelesen von Jens Wawrczek

Timo ist 17 Jahre alt, als er mit seinem Roller auf einer nassen Straße angefahren wird. Schädel-Hirn-Trauma, Koma – das ganze Programm. Doch er erwacht aus dem Koma und in der Rehabilitationseinrichtung des Markwaldhofes soll er nicht nur sprichwörtlich wieder auf die Beine kommen. Denn Timo muss alles neu lernen: Laufen, sprechen, essen. Vor allem das Sprechen wurmt ihn sehr, denn er kann sich nicht mit den anderen Menschen verständigen. Sein Zimmerpartner ist Magnus, ein junger Mann, der nicht mal aus dem Bett aufsteht, stumm und liegend seinen Tag verbringt. Doch nachts entdeckt Timo etwas Sonderbares: Magnus läuft und spricht ganz normal! Und er droht ihm, dies bloß nicht zu verraten. Naja, die Möglichkeit hat Timo nicht. Aber Gedanken machen kann er sich und schon bald muss Timo erkennen, dass nicht alles auf dem Markwaldhof mit rechten Dingen zugeht.

Gelesen wird das Hörbuch von Jens Wawrczeck, einem seit vielen Jahren beliebten Hörbuch-Sprecher von Kinder- und Jugendbüchern. Ursula Poznanski auf der anderen Seite ist bekannt für ihre Jugendbücher mit ernsten, zukunftsweisenden Themen. In diese Reihe fügt sich „Thalamus“ perfekt ein. Der Roman wirft einen Blick auf die aktuelle Hirnforschung, bleibt dabei aber seiner Zielgruppe treu. Die Themen sind für Jugendliche ab 14 Jahren leicht zu verstehen. Weiterlesen

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Neal Shusterman: Scythe 02: Der Zorn der Gerechten, gelesen von T. Michaelis u.a.

Am Ende des ersten Bandes ist die Entscheidung gefallen:  Citra wurde auserwählt und Rowan geht in den Untergrund. Etwa ein Jahr später haben beide einen Platz gefunden. Citra geht als Scythe Anastasia die Nachlesen auf ihre ganz eigene Art und Weise an, die der Rat nicht immer billigt. Rowan dagegen hat sich einen Namen als Scythe Luzifer gemacht, weil er Scythen nachliest, die ihrer Aufgabe mit sagen wir mal unangemessener Begeisterung nachgehen. Allein die Existenz von Scythe Luzifer ist in dieser Welt schon ein Unding, aber die Umbrüche gehen noch viel weiter. Es scheint, dass das Ende des sorglosen Lebens für alle Menschen gekommen ist.

Vieles an diesem Hörbuch ist beeindruckend, aber bei weitem am meisten ist es die (manchmal echt quengelnde) Stimme des Thunderhead. Der Thunderhead ist jener Computer, der allgegenwärtig ist, der vom Wetter bis zum Denken in dieser Welt alles steuert, außer den Skythen, der per Definition unabhängig sein müssen. Weiterlesen

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Otto Waalkes: Kleinhirn an alle, gelesen vom Autor

Nach meiner Erinnerung kam Otto in den 70gern ins deutsche Fernsehen. Meinen Eltern war er zeitweise zu modern. Ich glaube er hat meine Liebe zu Märchenadaptionen jeglicher Art zementiert. Damals war es neu, was er gemacht hat, oder zumindest in unserem kleinbürgerlichen Haushalt neu. Beim Hören seiner Biographie kommen also jede Menge alte Erinnerungen hoch. Man merkst dem Hörbuch an, dass Otto sowohl schreiben als auch entertainen kann. Das Zuhören ist ein einziger Genuss. Der – ich verspreche es – zu jeder Zeit  gefesselte Zuhörer erfährt viel über die Anfänge, über die erste Band, die meistens wichtiger war als die Schule und über die ersten Auftrittsversuche. Persönlich fand ich es auch erleuchtend, wie Otto die 60ger und 70ger Jahre wieder lebendig werden lässt, denn es kamen nicht nur Erinnerungen auf, die mit Otto unmittelbar zusammenhingen. Locker flockig von der Leber weg, wie es so seine Art ist, erzählt er – aber nicht zu intim – aus seinem Leben und Wirken und auch einiges über seine Vorbilder. Nach Ende des Hörbuchs hat man so richtig Lust auf mehr Otto. Weiterlesen

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Tom Hillebrand: Hologrammatica, gelesen von Oliver Siebeck

Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der Galahad Singh lebt. Er wohnt in der Stadt, die wir heute als London kennen, aber die Welt hat sich verändert. Nicht nur, dass die Autos endlich selbst fahren und Eigensteuerung als Abenteuer gilt, es gibt das Holonet, das die ganze Welt ein bisschen aufhübscht und „Mind Uploading“ – das zeitweise Leben in einem Wunschkörper – ist Alltag. Dazu haben die Folgen des Klimawandels und einer Art Pestausbruch die Welt und die Bevölkerung grundlegend verändert. Galahad arbeitet als Quästor, heißt: Er sucht verschwundene Menschen. Keine einfache Sache in einer Welt, in der jeder so aussehen kann, wie er gerade will. Sein aktueller Fall ist die die Ausnahmeprogrammiererin Juliette Perotte, Tochter eines greisen Herrschers. Die Suche führt Galahad tief in die Szene der Menschen ein, die inzwischen das Leben in einem Holokörper dem eigenen Selbst vorziehen. Weiterlesen

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A.J. Finn: The Woman in the Window, gelesen von Nina Kunzendorf

Anna Fox lebt in New York. Allein. Ihre Familie ist „abwesend“. Sie fotografiert. Sie kann das Haus nicht verlassen. Aber nicht ein Beinbruch hindert sie daran, wie in dem nicht zufällig ähnlich klingenden Klassiker-Film, sondern ihre Angst. Sie hat sich eingerichtet, verbringt viel Zeit im Internet und geht dort sogar ihrem Beruf als Psychologin nach. Nachbarn kommen und gehen und sie lernt eine der neuen Nachbarinnen kennen. Man trifft sich, man unterhält sich, dann eines Nachts beobachtet Anna, wie die Nachbarin ermordet wird. Sie ruft die Polizei. Aber es gab keinen Mord, bloß sieht die neu Nachbarin überhaupt nicht so aus, wie Anna sie kennengelernt hat, es ist eine ganz andere Frau. Wer war bei Anna, oder hat sie sich den Besuch nur eingebildet. Niemand glaubt ihr, fast verliert sie den Glauben an sich selbst.

Was für ein Ritt durch die Psyche. Stück für Stück enthüllt sich die Wahrheit ebenso wie der Grund für Annas Angststörung. Von der ersten Minute an superspannend, entfaltet das Hörbuch einen Sog, dem man sich als Zuhörer kaum entziehen kann. Das liegt unter anderem an Nina Kunzendorf, die Anna eine tolle Stimme gibt. Mal ängstlich, mal trotzig, mal zweifelnd, aber immer Anna. Weiterlesen

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Kelly Barnhill: Das Mächen, das den Mond trank, gelesen von Simon Jäger

Jedes Jahr kommt in die an Trauer und Verzweiflung nicht arme Protektoratsstadt noch weitereTrauer hinzu. Jedes Jahr zur gleichen Zeit müssen sie das jeweils jüngste Kind im umliegenden Sumpf zurücklassen und die Hexe holt es sich, um dafür die Stadt ein weiteres Jahr zu verschonen. Die Hexe dagegen wundert sich über die seltsamen Stadtbewohner, die einmal im Jahr ein Kind aussetzen. Was müssen das nur für herzlose Menschen sein. Sie holt das Kind, damit es im Sumpf nicht umkommt, tränkt es mit Sternenlicht und bringt es bei kinderlosen Paaren in der nächsten, glücklicheren Stadt unter. Was für ein grausamer Kreislauf.

Und was für ein bezauberndes Hörbuch. Liebevoll vorgetragen von Simon Jäger ist es ein Märchen, eine Geschichte über Mut und Veränderung, aber auch über den Lauf der Zeit. Denn eines Tages geht etwas schief. Weiterlesen

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Gin Phillips: Nachtwild, gelesen von Andrea Sawatzki u.a.

Boah, was für ein Ritt durch die Nacht. Gin Phillips versteht es, die Spannung mit kleinen Randbemerkungen bis ins Unerträgliche aufzubauen und dann zu halten bis zum Schluss. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Mit einem Zoobesuch. Joan geht gerne mit ihrem kleinen Sohn Lincoln in den Zoo, sie beobachten die Menschen und Tiere, der phantasiebegabte Lincoln spielt mit seinen Figuren, ein schöner Tag. Gerade als sie auf dem Weg zum Ausgang sind, fallen Schüsse, die Joan zunächst nicht zuordnen kann. Bis sie die ersten Leichen findet. Der Weg zum Ausgang ist versperrt, sie ist gezwungen, sich mit ihrem kleinen Sohn zu verstecken und die Nacht auszuharren. Was dann folgt, ist sowohl spannend als auch grauenhaft. Joan verändert sich. Ihr Denken, sogar ihre Werte verändern sich, denn es gibt nur noch einen Grundsatz: Lincoln muss überleben. Dafür ist Joan bereit, die Sicherheit anderer Menschen zu opfern. Weiterlesen

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Poznanski & Strobel: Invisible, gelesen von Christiane Marx u.a.

Wie erkennt man eine Mordserie, wenn es kein offensichtliches Motiv, immer andere – bekannte – Täter gibt und dazu Opfer, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben? Kriminalkommissarin Nina Salomon erkennt genau darin das Gemeinsame: die scheinbare Wahllosigkeit der Opfer und natürlich die immer gleiche Fassungslosigkeit der Täter. Da ist der Chirurg, der auf seinen Patienten während der Operation mit dem Skalpell einsticht, da ist der junge Mann, der auf offener Straße förmlich erschlagen wird. Und allen Täter ist doch etwas gemeinsam: Sie sind unglaublich wütend auf die Opfer – obwohl sie sie in den meisten Fällen sogar nur flüchtig kannten.

Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Buchholz kommt sie zu der Überzeugung, dass es noch einen weiteren, quasi einen übergeordneten Täter geben muß, der alle anderen steuert. Aber wie? Und warum? Weiterlesen

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Jan Weiler: Kühn hat Ärger, gelesen vom Autor

Drei Jahre nach seinem ersten Auftreten ermittelt Hauptkommissar Kühn wieder auf und um die (imaginäre) Münchner Weberhöhe herum: Die Leiche eines jungen ausländischen Mannes, Amir, wird an einer S-Bahn-Haltestelle erschlagen und äußerst übel zugerichtet aufgefunden. Eine rechtsorientierte Tat?

Die Ermittlungen führen Kühn und seinen Kollegen Steierer in die High Society Münchens, denn das Opfer war mit einem Mädchen aus gutem Haus zusammen. Neben dieser Krimihandlung, die – wie bereits im ersten Fall – oft zur Nebensache verkommt, wirft dieser Roman vor allem einen  ironischen, oft auch bissigen Blick auf die Münchner Schickeria. Besonders gelungen dabei fand ich die Beschreibungen des Hauses der van Hautens. Gut inszeniert auch der Kontrast zwischen dem vielleicht etwas biederen Kleinbürger Martin Kühn und der Welt der Schönen und Reichen  auf dem Sommerfest der Familie. Weiterlesen

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