Alex North: Der Kinderflüsterer, gelesen von Stefan Kaminski

Es ist 20 Jahre her, dass in Featherbank fünf Kinder verschwanden, der Täter ist gefasst und längst hinter Gittern, nur das letzte Opfer wurde nie gefunden. Ausgerechnet diesen Ort sucht Tom, oder vielmehr sein Sohn Jake, für einen Neuanfang aus. Toms Frau Rebecca ist plötzlich und unerwartet verstorben und der kleine Jake hat seine Mutter gefunden. Das neue Haus zieht den Jungen magisch an, dort möchte er wohnen. Kurz nach ihrem Einzug verschwindet wieder ein Kind und im Ort werden Gerüchte laut, der Kinderflüsterer hätte vor 20 Jahren einen Komplizen gehabt, der jetzt sein Werk fortsetze. Und Jake benimmt sich merkwürdig, hört ein Wispern – wie die Kinder vor 20 Jahren, sieht Kinder, die nur er sieht. Ist ausgerechnet er in Gefahr?

Der Anfang des Hörbuchs war ein echter Knaller. Die Atmosphäre ins Toms Haus ist derart gruselig und gut gesprochen, dass ich das Licht wieder angeschaltet und unter das Bett gesehen habe. Leider hält sich die Stimmung nicht über das ganze Hörbuch. Dazu wird die Geschichte zum komplex, was ihr viel von der Spannung nimmt und sie in Nebenschauplätze zerfranst. Da ist zum einen Jake und das kleine zerrissene Mädchen, mit dem er immer wieder spricht, Weiterlesen

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Carmen Buttjer: Levi, gelesen von Jasna Fritzi Bauer

Levis Mutter ist tot und unversehens findet sich der 11-Jährige auf ihrer Beisetzung wieder. Dabei hat ihm niemand jemals erklärt, dass Mütter sterben. Oder so junge Menschen. Levis Welt steht Kopf und er weiß nicht, wie er mit seinem Vater allein klarkommen soll. Kurzerhand haut er von der Besetzung mit der Urne seiner Mutter ab. Er versteckt sich mit ihr in der Nähe seines Wohnhauses und beobachtet die Lage. Das gibt ihm außerdem viel Zeit zum Nachdenken über das Geschehene der letzten Wochen.

Gelesen wird das Hörbuch zu Carmen Buttjers Roman „Levi“ von Jasna Fritzi Bauer. Obwohl die Figuren, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird – allen voran Levi selbst –, allesamt männlich sind, ist die junge Frau doch eine gute Wahl als Sprecherin dieses Hörbuchs. Sie gibt Levi eine ganz besondere, nachdenkliche und verwirrte Stimme, die ins Ohr geht. Trotz der Perspektive eines 11-jährigen Jungen handelt es sich bei „Levi“ um keinen Kinder- und Jugendroman, sondern um Lektüre für Erwachsene. Der junge Protagonist regt zum Denken an und hinterfragt die Welt der Erwachsenen. In nur knapp 6 Stunden Lesung ist tatsächlich der ganze, ungekürzte Roman verpackt. Weiterlesen

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 02: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, gelesen von Laura Maire

Ophelia wird zu Faruk bestellt, dem Ur-Ahn des Erdteils Pol. Durch mehrere Missverständnisse wird sie zur Vize-Erzählerin des Hofes ernannt und glaubt sich endlich sicher. Denn nachdem am Ende des letzten Bandes beinahe der gesamte Clan der Drachen, Thorns Clan , ausgelöscht wurde, ist sie mehr denn je gefährdet. Die Sicherheit durch Faruk ist jedoch trügerisch, denn er hat seine ganz eigenen Ansprüche an die Leserin von Gegenständen. Dazu verschwinden nach und nach immer mehr hochgestellte Persönlichkeiten spurlos und Ophelia findet heraus, dass es etwas mit bestimmten Sanduhren zu tun hat. Aber wer steckt dahinter? Und schon ist sie wieder mittendrin in gefährlichen Illusionen und Verwicklungen. Ihrem Verlobten Thorn kommt sie näher und näher, auch wenn beide das überhaupt nicht zugeben wollen.

Ich fand den zweiten Band, wieder herrlich gelesen von Laura Maire, eine Spur spannender als den ersten, Weiterlesen

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Anika Decker: Wir von der anderen Seite, gelesen von Katja Riemann

Als Rahel aufwacht, versteht sie die Welt nicht mehr. War sie nicht eben noch in die Notaufnahme gegangen, da ein Nierenstein ihr Probleme machte? Nun liegt sie verkabelt mit zahlreichen Schläuchen im Körper auf der Intensivstation und weiß nicht, wo oben und unten sind. Sie kann sich kaum bewegen, wird mit Medikamenten vollgepumpt und niemand verrät ihr etwas. Erst Tage später erfährt sie, dass sie wegen multiplem Organversagen im Koma lag. Nun muss sie mit ganz kleinen Schritten anfangen. Einen Löffel selbst zu halten, ist beispielsweise unmöglich, vom Bett aufstehen undenkbar. Kleine Schritte führen Rahel zurück ins Leben und die Komödienautorin versucht, alles mit etwas Humor zu nehmen.

Anika Decker ist selbst Drehbuchautorin und unter anderem durch Filme wie „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“. „Wir von der anderen Seite“ ist ein teilweise biographischer Roman, denn die Autorin lag selbst in einem künstlichen Koma und musste sich zurück ins Leben kämpfen. Wegen einer Nierenbeckenentzündung mit Blutvergiftung wurde diese Maßnahme damals nötig. Rahel, ihre Romanfigur, durchlebt ein sehr ähnliches Schicksal. Weiterlesen

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Anne Griffin: Ein Leben und eine Nacht, gelesen von Reinhard Kuhnert

Im Alter von 84 Jahren beschließt Maurice Hannigan, in ein Altersheim umzuziehen. Er hat alle Kisten gepackt und beschriftet, das Land verkauft und sitzt nun in einer Hotelbar und lässt sein Leben Revue passieren. Im Laufe des Abends spricht er fünf Mal einen Toast aus auf Menschen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Übernachten wird er in dieser Nacht in der besonderen Hochzeitssuite des Hotels – auch diese hat für Maurice eine ganz besondere Bedeutung, wie schnell klar wird. Im Geiste geht er die wichtigsten Stationen seines Lebens durch und muss dabei immer an seinen Sohn Kevin denken, an den er ebendiese Gedanken auch richtet.

Maurice befindet sich in diesem Abend im gedanklichen Austausch mit Kevin. Da dieser in der Situation aber nicht anwesend ist, gestaltet sich das Gespräch sehr einseitig. Es spricht aber auf der anderen Seite die Zuhörer und Zuhörerinnen an. Man wird durch die direkte Ansprache Kevins immer wieder zur Geschichte zurückgeholt und mit ihr verbunden. Weiterlesen

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 01: Die Verlobten des Winters, gelesen von Laura Maire

Laura Maire entführt uns in eine Welt voller Tücken und Zauber. Ophelia ist eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie führt ein kleines Museum und besitzt zwei Eigenschaften: Sie kann durch Spiegel reisen und sie kann Gegenstände lesen, da heißt, die Gegenstände erzählen ihr, was ihnen in der Vergangenheit geschehen ist. An Heirat denkt Ophelia überhaupt nicht, aber sie wird an einen mächtigen Mann eines anderen Erdenteils verschachert. Thorn erweist sich als spröde, wenn auch nicht völlig lieblos, aber er hat einfach keine Zeit für seine Braut. Diese wird bei seiner Tante abgeladen und dort lernt sie eine Art von Illusionen kennen, wie sie sich aus ihrer Heimatwelt nicht einmal vorstellen konnte.

Der Auftakt der Serie ist superspannend und reißt einen beim Zuhören einfach mit Ophelia gibt nicht etwa auf und ergibt sich in ihr Schiksal, wie man es von der Protagonistin vom Anfang erwartet hätte, sondern sie bringt sich aktiv in diese neue Welt ein, die sie eigentlich niemals kennenlernen wollte. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind, gelesen von Martina Treger

Nathaniel ist blind. Normalerweise kommt er gut zurecht, aber es gibt so das eine oder andere, bei dem er gerne jemanden Sehenden um Rat fragen würde. Die Farbe der Krawatte zum Beispiel. Dafür gibt es eine App: „be my eyes“. Die App ruft eine Reihe von registrierten Nutzern an, und der Erste der sich meldet, wird mit Nathaniel verbunden. Per Kamera kann er dann bei was auch immer helfen. Eines Tages endet eine solche Hilfestellung mit einem gellenden Schrei der Frau am anderen Ende und Verbindungsabbruch. Natürlich kann etwas völlig harmloses dahinter stecken, aber Nathaniel lässt die Sache keine Ruhe. Die Polizei glaubt ihm zwar, sieht aber keinen Handlungsbedarf und auch keine Möglichkeit. Denn für die Nutzer sind die anderen Nutzer anonym, da es Zufall ist, wer von den Angerufenen zuerst ans Telefon geht, hat selbst der App-Betreiber kaum Möglichkeiten, die Identität festzustellen – und für eine Privatmann schon mal gar nicht. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla macht Nathaniel sich trotzdem auf die Suche – und taucht dabei tief in seine Vergangenheit. Weiterlesen

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Wiebke Lorenz: Einer wird sterben, gelesen von Christiane Marx

Stella Johannsen lebt zurückgezogen in dem Häuschen, das sie mit ihrem Mann Paul bewohnt. Seit einem schweren Unfall, in den die beiden verwickelt waren und bei dem auch Pauls Exfrau starb, ist ihr Gesicht entstellt und sie zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit. Als tagelang ein Auto scheinbar grundlos in ihrer Straße parkt, ist Stella in Alarmbereitschaft. Kann es sein, dass der Mann und die Frau nur wegen des Unfalls da sind, dass sie vielleicht sogar wissen, was damals wirklich passiert ist? Stella ruft in hellem Aufruhr ihren Ehemann Paul an, der als Pilot überall auf der Welt unterwegs ist.

Wiebke Lorenz verlagert die Handlung ihres neusten Romans in die so genannte Blumenstraße. Ein idyllisches Sträßchen mit wenigen Mietern, die sich kennen und allesamt irgendwie Geheimnisse vor einander haben. Der Bau einer großen Wohnanlage bringt das Leben der Ansässigen kräftig durcheinander und auch für das seit Tagen dort parkende Auto interessiert sich nicht nur Stella. Auch die anderen Bewohner fragen sich, was es mit den mysteriösen Leuten auf sich hat. Um so schlimmer, denkt Stella. Denn niemand soll erfahren, was vor sechs Jahren wirklich passiert ist. Doch Stella ist auf sich allein gestellt, denn Paul ist weit entfernt und wird so schnell nicht nach Hause kommen. Weiterlesen

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Marion Brasch: Lieber woanders, gelesen von Jasna Fritzi Bauer u.a.

Toni und Alex könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie kennen sich nicht und sind doch untrennbar miteinander verbunden. „Lieber woanders“ begleitet die beiden 24 Stunden, bis sich ihre Wege kreuzen. Tonis Leben ist mit dem Tod ihres kleinen Bruders bei einem Unfall, in den auch sie verwickelt war, nicht mehr dasselbe. Sie gibt sich die Schuld und kommt nicht mehr recht auf die Beine. Auch Alex Leben ist aus dem Lot geraten. Als seine kleine Tochter am Blinddarm operiert wird, reden er und seine Frau zum ersten Mal seit vielen Jahren wirklich miteinander. Seit sieben Jahren betrügt Alex seine Frau und hat es ihr immer verschwiegen. Unaufhaltsam bewegen sich Toni und Alex aufeinander zu.

Im Hörbuch zu „Lieber woanders“ finden sich drei verschiedene Sprecher. Jasna Fritzi Bauer liest Tonis Passagen sehr überzeugend. Sie ist eine junge Frau voller Kreativität und Ideen, deren Leben mit dem Tod des kleinen Bruders allerdings zum Stillstand gekommen ist. Die Teile von Alex übernimmt Thorsten Merten, der in meinen Augen zwar nicht so ein überzeugender Hörbuch-Sprecher ist, aber sehr gut zu Alex passt. Weiterlesen

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Chloe Benjamin: Die Unsterblichen, gelesen von Wolfram Koch

1969 legen die Geschwister Simon, Daniel, Klara und Varya ihr Geld zusammen, um eine Wahrsagerin zu besuchen, die angeblich den Todestag voraussagen kann. Da sind sie noch Kinder und können darüber lachen. Aber was macht es mit ihnen, ihren Todestag zu wissen? Macht es einen Unterschied, ob sie daran glauben oder nicht? Diesen Fragen geht Chloe Benjamin in diesem Hörbuch nach.

Die Geschichten der vier werden nacheinander erzählt, sozusagen in ihrer Todesreihenfolge. Der homosexuelle Simon sucht sein Glück im liberalen San Francisco der 80ger Jahr. Es gelingt ihm sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, er findet immer wieder tolle Liebhaber, aber damit ist auch früh klar, warum sein Todesdatum das erste ist.

Klara ist von Magie fasziniert, kann ihre Leidenschaft aber im Gegensatz zu ihrem Bruder nicht ausleben, weil sie glaubt, mit langweiligen Jobs Geld verdienen zu müssen. Als sich das endlich ändert, hat sie ihr nicht mehr weit entferntes Todesdatum immer vor Augen und wird auch nicht wirklich glücklich. Weiterlesen

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