Ayọ̀bámi Adébáyọ̀: Bleib bei mir

Anfang der 1980er Jahre in Nigeria: Akin trifft Yejide im Kino und ist vom ersten Augenblick an fasziniert von ihr. Sie ist kämpferisch, selbstbewusst und stolz, studiert und verdient ihr eigenes Geld als Friseurin. Nur wenige Monate später heiraten sie und werden zu einem modernen Paar, das sich politisch engagiert und die überkommenen Traditionen, wie die Polygamie, hinter sich lassen will. Yejide fühlt sich in Akins Familie, vor allem bei seiner Mutter, gut aufgehoben und angenommen. Ihre Kindheit war schwer und zum ersten Mal spürt sie Geborgenheit.

Doch alles ändert sich, als Yejide nicht schwanger wird. Sie wünscht sich sehnlichst ein Kind und auch Akin möchte eine Familie gründen. Natürlich erwartet die Verwandtschaft ebenfalls, dass sich Nachwuchs einstellt. Schließlich soll die Familie weiterleben . Die Ärzte bestätigen Yejide, dass sie Kinder bekommen kann und auch Akin lässt sich untersuchen, um seine Zeugungsfähigkeit nachzuweisen. Yejide versucht alles, lässt sich von Wunderheilern behandeln und reist zu Propheten. Nichts hilft.

Auf Druck seiner Mutter heiratet Akin eine zweite Frau, die die erwünschten Kinder zur Welt bringen soll. Yejide fühlt sich verraten. Hatten sie nicht vereinbart, dass die Vielehe für sie nicht in Frage kommt? Zerrissen zwischen ihrem Anspruch, ein modernes Leben zu führen und den Traditionen und Erwartungen des Umfeldes gerecht zu werden, quälen sich Akin und Yejide durch ihre Beziehung. Doch plötzlich ist Yejide morgens übel und ihr Bauch schwillt an. Ist es endlich soweit?

Die junge nigerianische Autorin Ayọ̀bámi Adébáyọ̀, die unter anderem bei Margaret Atwood studiert hat, legt mit „Bleib bei mir“ einen ergreifenden und fesselnden Debütroman vor. Aus der Perspektive von Yejide und Akin verfolgt der Leser und die Leserin ihr Leben, taucht tief in ihre Gefühle ein, erfährt von ihren Verletzungen, ihrem Leid, aber auch von ihrem Glück.

Auf wechselnden Zeitebenen zwischen 1981 und 2008, mit Rückblicken in die Kindheit, erzählt Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ die Geschichte zweier Menschen, die sich lieben, sich aber dennoch in ein Gespinst aus Lügen verstricken, die sich brauchen und einander doch wehtun. Dabei kommt die Wahrheit nur langsam, Stück für Stück ans Licht.

Im Hintergrund schwelt die politische und gesellschaftliche Situation in Nigeria. Fast schon nebenbei, werden gewalttätige Demonstrationen, die Korruption innerhalb der Polizei oder die unsichere Lage beschrieben. Die Sitten und Gebräuche, wie die Polygamie oder der Aberglaube wirken fremd und ungewöhnlich. Doch der Wunsch nach Kindern, nach der Gründung einer Familie ist ein universelles Thema, das uns in Mitteleuropa und im Rest der Welt genauso beschäftigt. Auch hier nehmen Männer und vor allem Frauen Vieles auf sich, um Eltern zu werden. Ehen zerbrechen daran, Wunden werden gerissen.

Liebe und Verbundenheit gibt es hier wie dort, genauso wie den Wunsch, selbständig und unabhängig, nach den eigenen Vorstellungen zu leben. So bleibt die (keinesfalls neue) Erkenntnis, dass es zwischen den Menschen, auch wenn sie aus verschiedenen Kulturen stammen, mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt und dass Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ mit „Bleib bei mir“ ein wunderschön erzählter, bis zum Ende spannender Roman gelungen ist, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Ayọ̀bámi Adébáyọ̀: Bleib bei mir.
Piper, August 2018.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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