Axel Simon: Eisenblut, gelesen von David Nathan

Berlin-Kreuzberg, 1888: Gabriel Landow hält sich mit kleineren Ermittlungen mehr schlecht als recht über Wasser. Doch dann macht er den ganz großen Fang, als er Ermittlungen zu einem geheimen Marineprojekt aufnehmen soll. Warum man dabei an ihn gedacht hat, ist Lando schleierhaft. Aber umso besser, füllen sich vielleicht so endlich mal die Kassen. Dass die Ermittlungen allerdings gefährlicher sind als gedacht, hätte Lando zunächst nicht vermutet …

Mehr als einmal dachte ich beim Hören, dass die Geschichte den erfolgreichen Romanen von Niklas Natt och Dag („1793“ und „1794“) nachempfunden sein sollte. Immer wieder werden eklig anmutende Sachverhalte beschrieben und eine derbe Sprache in Szene gesetzt. Leider wirkt das bei Axel Simon nicht so gut wie bei dem erfolgreichen schwedischen Autor. Es ist eher ein gewollt wirkendes Bild, das sich zeigt. Sieht man über diese Stellen hinaus, hat der Roman aber durchaus Potenzial. In „Eisenblut“ werden sehr plastisch und direkt menschliche Schicksale in einer ohnehin schweren Zeit beschrieben. Axel Simon beweist ein Händchen für das Umreißen von menschlichen Existenzen nahe dem Abgrund. Und das macht „Eisenblut“ dann doch wieder zum Teil sehr gut. Wären die aufgesetzt wirkenden Szenen rund um Fäkalien und Co. nicht, wäre der Roman wirklich klasse.

Die Qualität des Hörbuchs ist super. David Nathan, der schon zig Hörbücher vertont hat, macht auch hier seinen Job wirklich gut. Der Synchronsprecher (u.a. Christian Bale, Johnny Depp …) spricht die Kapitel klar und deutlich, fast schon wie in einer inszenierten Lesung mit viel Spannung und Effekten. Auch das lässt gerne wieder über die ein oder andere seltsam anmutende Szene hinwegsehen.

Der Spannungsbogen, den die Geschichte bietet, weist manchmal Stillstand auf. Gelungen sind hingegen die Rückblicke in die Vergangenheit, die Jugend Landos in einer Getreidejunker-Familie, in der er nie so wirklich Fuß fassen konnte.

Das Hörbuch lässt mich zwiegespalten zurück. Perfekt in Szene gesetzt, hat die eigentliche Geschichte leider immer mal ihre Tücken. Das Leben der Menschen insgesamt ist aber sehr gut in Szene gesetzt und perfekt vertont von David Nathan.

Axel Simon: Eisenblut, gelesen von David Nathan.
Argon Verlag, März 2020.
2 mp3-CDs, Gekürzte Fassung, 9 Stunden und 59 Minuten.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.