Anna Pfeffer: Unter uns nur Wolken

Tom weiß wirklich nicht mehr weiter. Sein Großvater Florian hat Alzheimer und er möchte alles tun, damit der Opa nicht ins Heim muss. Doch Tom hat eine Arbeit und Verpflichtungen und kann ganz sicher nicht den ganzen Tag zur Betreuung opfern. Alle Pflegekräfte, die er bisher eingestellt hat, sind innerhalb weniger Tage getürmt und wurden nie wiedergesehen. Denn Florian ist ein echtes Ekel und gibt sein Bestes, um alle zu vergraulen. Als die junge Ani plötzlich vor der Tür der beiden steht und sich sowohl für das Zimmer als auch die Stelle als Pflegekraft interessiert, fragt Tom deshalb nicht lange nach Reverenzen und stellt Ani ein. Ani selbst ist ebenfalls verzweifelt, hat nach der Trennung von ihrem Partner keine Wohnung und Perspektive mehr. In der Stelle bei Tom und Florian sieht sie einen letzten Hoffnungsschimmer.

Hinter Anna Pfeffer verbergen sich die Autorinnen Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die an diesem Werk nicht zum ersten Mal gemeinsam gearbeitet haben. Diesmal ist ihnen eine witzige, aber auch ein bisschen tiefgründige Geschichte gelungen, die abwechselnd aus den Perspektiven von Tom und Ani geschrieben ist. Natürlich versucht Witwer Florian auch Ani zu vergraulen. Seine Vorgehensweise ist dabei grausam und direkt, früher war er bei Verhören tätig und er weiß, welche Stränge er ziehen muss, um Menschen psychisch an ihren Rand zu bringen. Trotz seiner Alzheimer Erkrankung ist er noch recht fit und hat gute Tage, an denen er klar im Kopf ist und sich an vieles erinnert. Doch auch die schlechten Tage sind immer mehr geworden und Enkel Tom befürchtet, dass er die Betreuung von Florian bald nicht mehr stemmen kann.

Tom und Ani könnten als Protagonisten nicht unterschiedlicher sein und ermöglichen es gleichzeitig, zwei sehr verschiedene Sichtwinkel auf Florian zu haben. Die des liebenden Enkels, der aber auch zusehends an seine Grenzen kommt und die der unbeteiligten Pflegekraft, die alles mit einem neutralen aber sehr menschlichen Blick sieht. Denn Ani ist natürlich keine ausgebildete Pflegekraft und hat keinerlei Referenzen vorzuweisen. Zusätzlich kämpfen Ani und Tom auch mit ihren eigenen Sorgen, die beiden ebenfalls ziemlich massiv sind. Was dabei rauskommt ist ein sehr netter, gelungener Roman für Zwischendurch mit Humor und Tiefgang – eben eine gelungene, lesenswerte Mischung auch für die eher lesefaulen Interessenten. Ein schönes Buch zum Verschenken, das so gut wie jeden Geschmack treffen sollte!

Anna Pfeffer: Unter uns nur Wolken.
Aufbau Verlag, Dezember 2018.
288 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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