Anika Beer: Succession Game

2054: In einem Berlin der Zukunft ist das Succession Game zum beliebtesten Unterhaltungsformat aufgestiegen. Dabei müssen mehrere Auserwählte verschiedene Escape Rooms lösen, bis am Ende ein Gewinner dasteht. Sie sind währenddessen aber nicht sie selbst, sondern vorprogrammierte Personas, die durch chemische Medikamente mit ihrem Bewusstsein verbunden werden, sodass sie jede Erinnerung an ihr wahres Selbst verlieren. Sobald sie ausscheiden, wird die Wirkung rückgängig gemacht, doch was für die Zuschauer Unterhaltung ist, ist für einige purer Horror. Zum Beispiel für Théo, der als mehrfacher Gewinner des Spiels Jahr um Jahr teilnehmen muss und zwischenzeitlich der Gefangene des dubiosen Megakonzerns ist, der Succession Game leitet. Die Antwort auf die Frage, warum er nicht einfach verliert, um seinem Schicksal zu entkommen, ist viel komplexer und verstörender, als irgendwer ahnen kann.

Als Rafael Álvarez als neuer Chefarzt bei Succession Game eingestellt wird, um für die Gesundheit der Teilnehmer zu sorgen, ist er geschockt, wie sehr die Vorgehensweisen hinter den Kulissen gegen alles verstoßen, woran er als ethischer Mediziner glaubt. Kann er den Teilnehmern helfen? Oder kommt jede Hilfe zu spät – zum Beispiel bei Clue: Privatdetektivin und zum ersten Mal beim Spiel dabei – und eigentlich jemand ganz anderes. Nur dass sie das nicht mehr weiß.

Als dann ein Teilnehmer stirbt, wird endgültig klar: Succession Game ist kein Spiel.

Dieses Buch ist so gut, es hat mich umgehauen! Es ist spannend, sprachlich innovativ, an den richtigen Stellen berührend und erschreckend realistisch. Wissenschaftliche Hintergründe werden überzeugend dargestellt, mit der Sprache wird gespielt. Was sprachlich besonders hervorsticht, ist das Verwenden  eines geschlechtsneutralen dritten Pronomens bei einigen Figuren. Ich persönlich fand es sehr spannend zu beobachten, wie schnell man sich beim Lesen daran gewöhnt. Natürlich stockt man bei den ersten paar Malen, weil man es nicht gewohnt ist, aber die Gewohnheit stellt sich erstaunlich schnell ein – viel schneller als ich es erwartet hätte, weshalb so ein konkretes Fallbeispiel in modernen Debatten enorm hilfreich sein kann. Weiterhin spielt die Autorin mit den verwendeten Zeiten und lässt Gegenwart und Vergangenheit gegen Ende des Buches auf eine geniale Art verfließen. Wirklich ein spannendes Leseerlebnis in jeder Hinsicht! Mit Herz und Fachwissen geschrieben und so viel rührender, als man es von einem Thriller dieser Art erwartet. Wer nach den ersten 100 Seiten nicht an Théo hängt, dem ist nicht mehr zu helfen. Einfach eine durch und durch durchdachte, stimmige Story, die ich jedem Leser ans Herz legen kann!

Anika Beer: Succession Game.
Piper, September 2022.
496 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.

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