Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde

anaEin Drogenhändler erschießt seinen betrügerischen Dealer. Kurz darauf stirbt dieser an Herzversagen. Der Lauscher an der Tür, ein Pornodarsteller, nutzt die Gunst der Sekunde und klaut den Toten ihre Drogen. Diese sollen der Grundstein für ein besseres Leben mit der neuen Freundin sein. Nun wird er von zwei brutalen Killern gejagt, die überall ihre blutigen Spuren hinterlassen.
Währenddessen wartet die Freundin auf ein Lebenszeichen und arbeitet als Straßenkämpferin die Schulden ihrer Familie ab. Gerade wird sie von einem Drogenboss zu einem mittäglichen Showkampf gezwungen. Der Gegner ist ein Champion, der zur Unterhaltung der johlenden Menge drei Frauen zusammenschlagen soll. Wider Erwarten gewinnt sie und kann fliehen. Jetzt muss sie nur noch ihren untergetauchten Freund finden.
„… Überwachen und Strafen, das ist die Art von Arbeit, die sie (die Polizisten) zu tun meinen. Und in einer Stadt wie dieser werden deine Verbrechen schon übertroffen, während du sie gerade noch begehst. Die Kirschen des Nachbarn sind immer besser, und seine Vergehen schockierender.“ (S. 209)
Die brasilianische Autorin Ana Paula Maia hat in ihrem kurzweiligen Roman einen Mikrokosmos des Verbrechens geschaffen, in dem jeder jeden fressen kann und niemand wirklich vor Gewalt sicher ist. Für die Umsetzung verwendet die Autorin eine bildhafte und wortgewaltige Sprache. Gleichzeitig spielt sie mit der Hoffnung. Jeder, der sich von ihr nährt und auf sein persönliches Glück setzt, kann durch Zufall viel gewinnen und alles verlieren. Schnell wechselnde Szenen, ungewöhnliche Personen in absurden Ausnahmesituationen zeigen ein Gesellschaftsgefüge ohne Regeln, ohne Moral und Hoffnung. Die geballte Trostlosigkeit gleicht die Autorin gekonnt mit skurriler Übersteigerung und dem Ausreizen des Faktors „Zufall“ aus. Zeitweise erinnert diese Form der Präsentation an den Stil von Quentin Tarantino, der Grausamkeit und Gewalt in tiefschwarzen Humor zu verpacken weiß. Bei Ana Paula Maia ist die Verpackung geschmackvoll, ungewöhnlich skurril und trotzdem gnadenlos ehrlich. Das Überleben im gesetzlosen Dschungel kann vieles sein, nur eines nicht – ein bonbonbunter Kindergeburtstag.

Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde.
A 1 Verlagsgesellschaft, August 2013.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,80 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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