Amy Sackville: Reise nach Orkney

Reise nach Orkney von Amy SackvilleDie junge britische Autorin Amy Sackville (Jahrgang 1981) wurde für ihre Romane „The Still Point“ von 2010 (in Deutsch unter dem Titel „Ruhepol“, 2012) und „Orkney“ von 2013 (in Deutsch unter dem Titel „Reise nach Orkney“, Luchterhand, 2016) in ihrer Heimat mit Preisen ausgezeichnet und unterrichtet Creative Writing an der Universität Kent.

In „Reise nach Orkney“ beschreibt Amy Sackville die Hochzeitsreise eines Paares auf eine kleine, einsame Orkney-Insel vor der schottischen Küste. Der sechzigjährige Richard, ein Literaturprofessor, ist dort auf Wunsch seiner jungen Frau, die seine ehemalige Studentin ist und namenlos bleibt. Sie will ihre Heimat besuchen, er möchte an seinem Buch schreiben, das seine universitäre Laufbahn abrunden soll. Das Paar richtet sich in einer einfachen Hütte am Strand ein und verbringt windige und graue Tage mit immer wiederkehrenden Abläufen. Die Frau leidet nachts unter Alpträumen vom Ertrinken im Meer und verbringt ihre Zeit tagsüber bei jedem Wetter am Strand, während Richard versucht zu schreiben und doch nur seine Frau durch das kleine Fenster der Hütte beobachtet. Dazwischen essen, trinken, schlafen und reden die beiden miteinander. Aber im Grunde erfährt der Lesende nicht viel über das Paar. Richard, der auch als Ich-Erzähler der Geschichte fungiert, spekuliert über die Vergangenheit seiner jungen Frau und verwebt sie immer mehr mit den Frauengestalten aus den Mythen und Sagen, über die er schreiben will. Beinahe erscheint die Frau selber als sein Fantasie-Produkt. Richard ist eifersüchtig auf alles, was sich seiner Frau nähert, das Meer, die Landschaft, Vater und Sohn einer Touristen-Familie, die alten Männer von der Insel. Er gerät fast in Panik, wenn sie sich aus dem Fensterrahmen entfernt und sich damit seinen Blicken entzieht. Er bringt kaum eine Zeile auf das Papier, hadert mit seinem Alter und seine Beobachtungen nehmen zwanghafte Züge an. Seine junge Frau bleibt geheimnisvoll und seltsam unberührt von Richards Ängsten und seinem Interesse an ihrer Person. Sie scheint nur ihrem eigenen Rhythmus zu folgen und verschwindet am Ende der Geschichte spurlos.

Amy Sackville schwelgt in Farben und Schattierungen der Natur des Nordens: das Meer, die Landschaft, der Himmel. Die Menschen und ihre Beweggründe bleiben rätselhaft. So scheint Richard die ganze Zeit über zu befürchten, dass seine Frau ihn wieder verlässt, aber warum eigentlich? Und was lässt die junge Frau jeden Tag das Gleiche tun und aus ihrem Leben ein Geheimnis machen?

Sackvilles Sprache ist reich an Adjektiven, die Atmosphäre ist entrückt und unergründlich, die Handlung eintönig.

Das trägt leider nicht für einen ganzen Roman, es fehlt mir als Lesende an Spannung, die mich an die Geschichte fesselt und mein Interesse an dem Schicksal des Paares bindet. So plätschert die Geschichte trotz Regen und Sturm dahin, wie die Wellen an den Strand der Insel, und die Protagonisten bleiben mir  gleichgültig. Vielleicht hätte der Stoff eher für eine kurze Erzählung getaugt, verdichtet und verkürzt, hätte die Geschichte an Intensität gewinnen können.

So jedoch bleibe ich ratlos nach dem Lesen des Buches zurück, bei dem der Schluss auf mich wirkt, als ob Amy Sackville selbst nicht genau wusste, welches Ende die Geschichte nehmen und wie sie es erzählen soll.

Amy Sackville: Reise nach Orkney.
Luchterhand, Juni 2016.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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