Alexey Pehov: Chroniken der Seelenfänger 04: Glühendes Tor

Die Welt der Seelenwächter erinnert an die Zeit der späten Renaissance. Buchdruck, Musketen und wissenschaftliche Erkenntnisse haben ihre Spuren hinterlassen, die Fürsten haben mit einem selbstbewussten Handwerkerstand zu kämpfen, erste Demokratiebewegungen bilden sich. Als Stabilisator zu den gesellschaftlichen Verwerfungen hat sich der Klerus etabliert, die Inquisition verbreitet Furcht und Schrecken.

Anders aber, als in der Realität, leidet die Welt in Pehovs Tetralogie unter der Heimsuchung von Hexen, Geistern und Dämonen. Hier kommt nicht nur die Inquisition, die sich dem Kampf gegen die Höllenabkömmlinge auf ihre Fahnen geschrieben hat ins Spiel, auch die Bruderschaft der Seelenfänger und ihr Konkurrent, der Orden sind im Kampf gegen das Übernatürliche verwickelt. Auch wenn sie einander argwöhnisch beäugen, sich ihre magische begabten Lehrlinge gegenseitig abjagen haben sich beide letztgenannte Institutionen die Vernichtung dunkler Seelen auf ihre Fahnen geschrieben. Dass die Seelenwächter aus der Richtung Dunkler Geister mittels ihrer Dolche aus den gerichteten finsteren Seelen Lebenskraft ziehen verlängert nicht nur ihr Leben sondern weckt auch Neider. Hier kommen die Seraphimdolche, die ein unbekannter Schmied fertigt ins Spiel. Mit diesen können dunkle Seelen gebannt und genutzt werden – entgegen aller Regeln der Kirche und des Anstands.

Der Seelenfänger Ludwig von Normayenn ist dem unbekannten Schmied auf der Spur. Er, der es selbst mit Regeln nicht immer ganz genau nimmt, der verbotene Freundschaften zu Hexen und übernatürlichen Wesen pflegt weiß, dass das Ende der Welt droht, hält man den Schmied nicht auf. Dieser plant nicht weniger, als die Tore zur Hölle zu öffnen – buchstäblich. Die Dämonen Satans scharren schon mit ihren Hufen, eine Tödliche Seuche sucht die Königreiche heim und selbst im Hauptquartier des Ordens sind Verräter am Werk. Wird es Ludwig, seinem dunkler Animatus und der lichten Seele Scheuch gelingen, den drohenden Weltuntergang aufzuhalten? Mit vorliegendem Band schließt der russische-Star-Autor, der dank des Piper Verlags zwischenzeitlich auch bei uns eine treue Fangemeinde sein Eigen nennt, seine Tetralogie ab.

In dieser hat er ganz Fantasy-untypisch die reale Welt als Vorbild genommen. Unschwer kann der Leser erkennen, welche Länder den Reichen der Welt unserer Seelenfänger als Vorbild gedient haben. Dies verleiht den Romanen zunächst ein sehr real wirkendes Gerüst, in das der Autor dann, sehr dosiert, seine übernatürlichen Wesen eingebettet hat. Dass er für seine Bücher den stilistisch sehr ungewöhnlichen Weg gegangen ist, diese in Form von miteinander verbundenen Novellen zu präsentieren, erleichtert die Lektüre nicht, macht sie aber interessanter. Immer wieder überspringt der Autor Zeitabschnitte, über die wir dann später nur aus Bemerkungen Rückschlüsse ziehen können, treibt so seinen Plot weiter voran. Man könnte auch sagen, er konzentriert sich auf das Wesentliche, ohne auf wichtige Geschehnisse nicht einzugehen. Dafür fordert er dann eben ein wenig Gehirnschmalz seiner Leser ein, wenn diese aus den Bemerkungen Rückschlüsse auf die ausgelassenen Abenteuer ziehen sollen. Das ist sicherlich ungewöhnlich, aber ein Kniff, der sobald man sich daran gewöhnt hat, die Lektüre bereichert und interessanter macht. Ich habe bemerkt, dass ich ungleich genauer, intensiver die Geschehnisse verfolgt habe, nur um keinen Hinweis zu verpassen.

Mit unseren Protagonisten lernen wir die unterschiedlichen Landstriche, ihre Eigenheiten und Bewohner näher kennen. Dass es dabei immer wieder zu Begegnungen der übernatürlichen Art kommt, dass gar ein Ausflug in die Hölle ansteht reichert das Buch mit weiterer Dramatik an – als ob es das angesichts der drohenden Katastrophen noch nötig hätte!

Als Fazit bleibt mir, dass Pehov einmal mehr bewiesen hat, dass auch Autoren außerhalb der anglo-amerikanischen Länder eigenständige, faszinierende und packende Fantasy schreiben können – und unter dieser Gruppe befindet sich Pehov definitiv unter den Top 3.

Alexey Pehov: Chroniken der Seelenfänger 04: Glühendes Tor.
Piper, September 2017.
528 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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