Torsten Sträter: Mach mal das große Leselicht an

Der bekannte Komiker und Slam-Poet Torsten Sträter hat wieder gesammelt: Texte aus vier Jahren zu den verschiedensten Themen.

Wie sich bereits vermuten lässt, ist Sträter ein Wortakrobat. Sein einzigartiger Erzählstil verläuft nicht geradlinig, sondern schlängelt sich von einem Thema zum nächsten, um wenig später auf den eigentlichen Erzählanlass zurückzukehren. Für Erstleser des Autors mag das zunächst verwirrend wirken. Nach etwas Eingewöhnungszeit bereitet dieser verzweigte Stil aber eine kurzweilige Unterhaltung beim Lesen.

Durch die Kürze der Texte ist das Buch auch sehr gut für das Lesen zwischendurch (z. B. in Bus und Bahn) geeignet. Vorausgesetzt, man stört sich nicht an fremden Blicken, weil man oft lachen muss. Mein erster Lacher kam nach drei Sätzen…
Eine kleine Kostprobe:
Einer meiner größten Favoriten an dummen Fragen lautet übrigens: SIND SIE VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN? Antwort: „Muss ich gucken. Nee. Hui Buh, Casper, Dschinni, Patrick Swayze aus GHOST, das Gespenst von Canterville, der kopflose Nick, der tote Obi-Wan und Kellergeister: alle noch da. Also daran liegt’s nicht.“
Muten viele Texte ausschließlich humoristisch an, finden sich jedoch auch sehr tiefgründige Texte und Gedanken im Buch, beispielsweise im Text zu QualityTime:
Sollte das Leben nicht ausschließlich aus qualitativ hochwertiger Zeit bestehen? Sicher, du hast immer mal Tage, wo du aufgrund eines ledrigen Brathähnchens brechen musst, als wärst du ein gerammter Hydrant, und ja, den Lohnsteuerjahresausgleich machen ist jetzt auch nicht das, wo einem die Freudentränen aus dem Polohemd tropfen, und gewiss, große Teile des Lebens lesen sich wie ein ziemlicher Schundroman, aber überhaupt am Leben zu sein ist eine dermaßen qualitativ hochwertige Angelegenheit, dass wir das Leben täglich feiern sollten. Und nicht von QualityTime reden, weil man’s schafft, sich das Abendessen mit der Familie reinzuziehen, ohne dabei CANDY CRUSH zu spielen.
Die emotionale Tiefe und Bedeutung der Kernaussage werden – typisch Sträter – durch verschlungene, irritierende Vergleiche zwar hinausgezögert und verfehlen ihre Wirkung jedoch nicht. Auch die Absurdität der Erzählweise hebt sich deutlich vom üblichen populärkulturellen Schreibstil ab und ist einfach wunderbar.
Fazit: „Mach mal das große Leselicht an“ ist hinsichtlich der Themenauswahl und -darbietung ein abwechslungsreiches, sehr humoristisches Buch in Sträters wunderbarem, markantem Stil. Um es à la Sträter zu sagen: Sollten Sie lesen, ist lustig. Absolute Leseempfehlung!

Torsten Sträter: Mach mal das große Leselicht an
Ullstein, August 2026
304 Seiten, Hardcover, 20,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Kati Szangolies.

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