Maria Kager: Die aussergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf

Maria Kager (Jahrgang 1978) ist eine niederländische Literaturwissenschaftlerin. Mit „Die aussergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf“ hat sie ihren ersten Roman geschrieben. Die deutsche Ausgabe wurde am 8. September 2026 in einer Übersetzung von Lisa Mensing im S. Fischer Verlag veröffentlicht.

Maria Kagers Familie Wolf ist besonders
In dem Roman geht es um die Familie Wolf, die aus den Eltern Timofey und Constance Wolf und ihrer Tochter Frida besteht. Fridas Vater, ein ehemaliger Psychologe, ist Gefängnisdirektor der „Kuppel“, einem Gefängnis in Haarlem. Die Mutter arbeitet als Kinderpsychiaterin und hat viel zu tun. Die Wolfs wohnen unmittelbar neben dem Gefängnis. Frida wächst mit einem Vater auf, der raucht, trinkt, lügt und stiehlt, aber sehr belesen ist. Mutter Constance widmet sich der Therapie schwieriger, verhaltensauffälliger Kinder und kümmert sich wenig bis gar nicht um Frida. Zum Haushalt gehören außerdem die Kater Frits und Hans, an denen Timofey Wolf sehr hängt.
Fridas Kindheit ist ungewöhnlich und wenig kindgerecht. Die Eltern sind überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Aber Frida ist intelligent und humorvoll.
Ein Autounfall, bei dem Constance stirbt und Frida schwer verletzt wird, bringt die Familie aus der mühsam gehaltenen Balance.

Frida hat es schwer. Sie findet nur wenige Freundinnen oder Freunde und schlägt sich noch lange nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater herum. Der ist unberechenbar und nicht sehr einfühlsam gegenüber den Bedürfnissen eines Kindes bzw. Jugendlichen:
„»…Ach, wisst ihr was«, er klatscht laut in die Hände. »Ich habe da eine großartige Idee: Warum unterrichte ich euch heute nicht einfach in Selbstverteidigung? Wäre das nicht klasse? Davon habt ihr den Rest eures Lebens was.«
»Ich weiß nicht, ob wir Lust darauf haben, Papa. Wir wollten eigentlich in meinem Zimmer Armbänder machen.«
»Unsinn. Armbänder könnt ihr immer noch machen. Armbänder werden euch nicht beschützen, wenn euch jemand in der Kneipe belästigt.«
»Wir gehen nicht in Kneipen, wir sind acht!«
»Neun«, sagt Rimade.
»Ist das so? Ich dachte, ihr wärt älter.«
»Du weißt ja wohl, wie alt deine eigene Tochter ist!«, sage ich.
»Kind, ich kann mir nicht alles merken. Aber zum Glück erkenne ich dich immer…«“ (S. 22)

Frida jobbt in einem Restaurant, in dem auch ihr Vater Stammgast ist. Der Gastwirt ist cholerisch und ausbeuterisch. Bei einem Austausch in Israel lernt sie Uri kennen. Nach dem Tod des Vaters reist sie nach Mexiko. Um ein Kinderbuch zu schreiben, besucht sie als schwangere Universitätsdozentin für Literatur im letzten Kapitel des Romans noch einmal ihr altes Wohnhaus und die „Kuppel“, die nun Kulturzentrum werden soll.

„Die aussergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf“ ist wenig überzeugend
O je, o je! Ich habe mich als Pädagogin vom Titel des Romans von Maria Kager leiten lassen und dachte, es könnte eine interessante Geschichte dahinterstecken. Aber leider hat mich „Die aussergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf“ nicht überzeugen können. Frida, die Hauptfigur, bleibt mir fremd. Maria Kagers Erzählstruktur ist unruhig, unübersichtlich und sprunghaft. In den Kapiteln wechseln nummerierte Abschnitte zu solchen mit Datumsangaben oder Überschriften. Andere Kapitel kommen ganz ohne Abschnittsüberschriften aus. Verwirrend sind auch die Wechsel in der Erzählperspektive. (Vom Ich-Erzähler zum Du-Erzähler und umgekehrt). Hinzu kommt noch das Kapitel „Der Werdegang von Metzelaar und Metzelaar“, in dem Kager mit Fußnoten arbeitet, um Fridas Schularbeit an einem Referat über Gefängnisse zu beschreiben. Als Lesende empfinde ich es in diesem Kapitel besonders anstrengend, der Geschichte um Frida zu folgen und das seitenlang (S. 67–115). Da scheint mir ihre Profession als Wissenschaftlerin mit Maria Kager durchgegangen zu sein.
Sicher hat der Roman auch seine humorvollen, tröstlichen und berührenden Anteile, die mir jedoch nicht pointiert genug herausgearbeitet sind.
Am besten gelingen noch die Dialoge.
Das Leben der Familie Wolf und vor allem Fridas Entwicklung vom Kind zur erwachsenen Frau, so exzentrisch und „aussergewöhnlich“ sie sein sollen, ergreifen mich nicht und das hat viel damit zu tun, wie Maria Kager die Geschichte erzählt. Schade!

Maria Kager: Die aussergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
S. Fischer Verlag, September 2026
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,- Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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