Adrian Draschoff: Jenseits von Gut und Böhme

Kommissarin Salima Rahmani und die 76-jährige Friedel Böhme passen zusammen »wie Pommes und Mayo«. Die eine sitzt im Keller des Kriminalkommissariats Köln und bearbeitet Cold Cases. Die andere war so unvorsichtig, mit einem Messer im Toaster herumzustochern. Sie stirbt – nur um kurz danach wieder aufzuwachen.

Zunächst scheint alles normal, doch dann steht Jonathan Krummbiegel vor ihr: ein Geist in 70er-Jahre-Klamotten, der ermordet wurde und gerne wüsste, was eigentlich damals geschehen ist. Als Friedel eingesehen hat, dass sie tatsächlich Geister sehen und mit ihnen reden kann, Jonathan aber nur loswird, wenn sie dessen Tod aufklärt, beginnt sie zu ermitteln. So erfolgreich, dass kurz danach ihr Treppenhaus bevölkert ist mit Dutzenden Geistern, die ermordet wurden und sich von ihr Hilfe erhoffen. Im Folgenden klärt Friedel ein weiteres Verbrechen auf, und dann tummeln sich sechs Verblichene in ihrer Wohnung, die einem Serientäter zum Opfer gefallen sind.

Salima und Friedel sind zunächst ein unfreiwilliges Duo. Die alte Dame ist der Kommissarin mehr als suspekt; kein Wunder, fragt sie sich doch zu Recht, woher Friedel all die Informationen hat. Von Geistern weiß sie nichts und würde auch nicht an sie glauben. Beide ermitteln auf ihre Weise, und so dauert es eine Weile, bis sie zu einem Team werden.

Bei diesem Inhalt dürfte klar sein: Diese Geschichte ist nicht ernst zu nehmen. Draschoff erzählt sein Kriminalmärchen mit viel Situationskomik – die Geister sind nicht nur tot, sondern obendrein äußerst skurrile Figuren – und sprachlichem Humor, der vor allem auf seinen ungewöhnlichen Vergleichen beruht:

»Das Seniorenheim […] sah aus, als hätte Norman Bates dort seine Mutter in Pflege gegeben.«

»[Der Kater] lag zusammengerollt wie ein beleidigtes Croissant.«

»Der Morgen glänzte wie ein frisch gewienerter Misthaufen.«

»Er stand da, […], die Augen leer wie die Schaufenster vom Karstadt, nachdem sie pleitegegangen waren.«

Nicht jeder der unzähligen Vergleiche zündet (»Ich bin müde. Als hätte jemand meinen Akku gegen ’ne kalte Bulette getauscht.«), und der Satz »wenn man das einem Geist zuschreiben kann« taucht etwas zu häufig auf, aber insgesamt ist das Buch eine humorvolle, unterhaltsame Lektüre für Freunde abgedrehter Geschichten.

Übrigens wird es am Ende sogar spannend.

Adrian Draschoff: Jenseits von Gut und Böhme.
Emons Verlag, September 2026.
304 Seiten, Taschenbuch, 16,00 €.

Diese Rezension wurde verfasst von Wolfgang Mebs.

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