Daniel Silva: Das Meisterwerk: Ein Gabriel-Allon-Thriller

Auch nach 25 Bänden wird die Reihe um den begnadeten Restaurator alter Meister und ehemaligen Geheimagenten bzw. Chef „des Dienstes“ in Israel, Gabriel Allon, nicht langweilig.
Diesmal führt die Entdeckung eines bislang unbekannten Werkes von Leonardo da Vinci Gabriel Allon wieder einmal in den Vatikan. Wer die Reihe kennt, wird in Papst Paul VII. (den es natürlich nur in der Phantasie des Autors gibt) den früheren Privatsekretär des damaligen Papstes erkennen, Luigi Donati, der bereits in einem der ersten Bände eine wesentliche Rolle gespielt hat. Gabriel hat ihm damals das Leben gerettet und darf Luigi seither zu seinen Freunden zählen.

Ein nicht unwichtiges Detail, wenn es diesmal darum geht, den Raub an eben dem wahrscheinlichen Werk Leonardo da Vincis aus der Kunstsammlung des Vatikans aufzuklären. Wie schon häufiger gerät Gabriel eher zufällig in diese Geschichte, als er in Venedig die Leiche einer jungen Frau in einem der vielen Kanäle entdeckt. Die Tote wird identifiziert als eine junge Restauratorin aus Rom, die nach ihrem Studium an renommierten Universitäten und Instituten ein Praktikum im Vatikan gemacht hat und eine unglaubliche Entdeckung gemacht zu haben glaubt. In Venedig wollte sie sich mit einer bekannten und renommierten Journalistin treffen, um ihr von ihrem Fund zu berichten. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Gabriel ist dank seiner Tätigkeit und Bekanntheit als hervorragender Restaurator natürlich bestens in der Kunstszene vernetzt und unterstützt seinen Freund Luca Rossetti, Offizier des Kunstdezernats, bei den Ermittlungen, die – wie nicht anders zu erwarten – tief in die oft unergründlichen Wege des Vatikan führen.

Missgunst, Korruption und persönliche Gier nach Macht und Besitz sind in Kirchenkreisen ebenso ein Motiv wie anderswo. Dazu kommt, dass Luigi Donati es sich als Papst zur Aufgabe gemacht hat, die Kirche solle wieder Demut und Armut zu leben lernen, und er gehe selbst mit gutem Beispiel voran. Das macht ihn bei vielen Kirchenfürsten zum Feind, die ein Leben in Saus und Braus nicht missen möchten und die Macht, die ihnen ihr Amt verschafft, nur zu gerne nutzen, sich selbst zu bereichern. Wie sich im Laufe der – möglichst diskret gehaltenen – Ermittlungen herausstellt, ist es genau das, worum bei dem Diebstahl des wertvollen Gemäldes, das nur zufällig entdeckt worden war, geht. Der unschätzbare Wert des Werkes soll Schulden decken, einen Lebensstil finanzieren, der maßlos ausgeufert ist. Ein ranghoher Kardinal hat jahrelang gut von den Finanzen des Vatikans gelebt, mit Spekulationen und Immobilienkäufen, die ihn allerdings auch in Kontakt mit der Mafia gebracht haben. Das soll natürlich alles nicht bekannt werden – das Gemälde soll helfen, die Finanzlücke in den Büchern zu schließen. Nur dumm, dass die junge Restauratorin den vermeintlichen Wert des Werkes erkannt hat und seine Existenz publik machen wollte.

Auch diesmal wieder sind Gabriel Allons Methoden mitunter recht unorthodox, aber eben wirkungsvoll. Seine Kontakte sind unschätzbar wertvoll, und der eine oder andere Gefallen wird jetzt eingefordert.

Wieder ist dieser Krimi eine gelungene und bis zum Schluss spannende Mischung aus Krimi, Kunstgeschichte und Intrigen im Vatikan. Und auch in diesem 25. Band der Reihe wird die Figur des sympathischen Gabriel Allon als Privatmensch fortgeschrieben. Wir nehmen als Leser auch diesmal Anteil am Leben seiner Familie, an der Entwicklung seiner Kinder und an der Begeisterung, mit der Allon nach wie vor wertvolle „alte Meister“ restauriert. Klar, dass das eine oder andere vorhersehbar ist, wenn man die Reihe kennt, aber das schmälert das Lesevergnügen keineswegs. Silva versteht es, die Leser von der ersten Seite an mitzunehmen, die Schönheit Venedigs und diesmal auch Roms einzufangen und spürbar zu machen. Wer die Reihe nicht kennt, kann „Das Meisterwerk“ dennoch gut als Einzelwerk lesen. Flüssig, spannend, eine gute Story, die tiefe Einblicke in die Strukturen der Kunstszene aber auch der Mafia gibt und sich intensiv mit Korruption und Machtversessenheit befasst.

Daniel Silva: Das Meisterwerk: Ein Gabriel-Allon-Thriller
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Wulf Bergner
HarperCollins, Juli 2026
416 Seiten, Paperback, 17 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.