„Das Buch der gefallenen Blätter“ spielt in einem stark von Japan inspirierten Fantasyreich, fast zwanzig Jahre nach einer gescheiterten Rebellion. Im Mittelpunkt steht Sen Hoshiakari, der Sohn eines besiegten Fürsten, der im Exil aufgewachsen ist und mit dem Erbe seiner Familie ringt. An seiner Seite steht Rui, ein Bauernmädchen, das ihm einst das Leben rettete.
Während verschiedene Adelsfamilien und Fraktionen um Macht kämpfen, droht das Reich erneut im Bürgerkrieg zu versinken. Gleichzeitig wird die Grenze zwischen der Menschenwelt und der Welt von Göttern, Geistern und Dämonen immer instabiler. Auch Sens Schwester Kai gerät am Kaiserhof in ein Netz aus Intrigen und politischen Machtspielen.
Nach und nach verbinden sich die persönlichen Schicksale der Figuren mit den großen Umwälzungen des Reiches. Alte Feindschaften, verborgene Familiengeheimnisse und übernatürliche Mächte treiben die Handlung voran, während Sen, Rui und ihre Verbündeten ihren Platz in einer sich verändernden Welt suchen …
Klett-Cotta präsentiert uns in dem wohl letzten vom langjährigen Herausgeber und Lektor Stephan Askani zusammengestellten Programm den Auftakt einer etwas anderen Fantasy-Reihe.
Wir kennen zum Beispiel Lian Hearns „Otori“-Saga; vorliegend präsentiert uns der Verfasser ein ganz eigenes, ungewöhnliches Werk, das, um dies vorwegzunehmen, seine Leserinnen und Leser durchaus fordert. Die Handlung umfasst in ihrer Detailfülle zahlreiche Figuren, Fraktionen und politische Bündnisse, sodass man am Anfang leicht den Überblick verlieren kann. Zudem ist das Tempo zu Beginn eher langsam, steigert sich aber im Verlauf der Ereignisse kontinuierlich.
Das stark von japanischer Geschichte und Mythologie inspirierte Setting, die vielen politischen Intrigen zwischen den Clans und die übernatürlichen Sequenzen sorgen für eine sehr dichte Atmosphäre. In den USA wird das Buch als Mischung aus „Shōgun“ und „Game of Thrones“ gehypt, wobei ich eher der Auffassung bin, dass Tamakis Roman durchaus eigenständig stehen und fesselnd unterhalten kann. Geschickt schildert uns der Autor die Familienkonflikte und sorgt für eine langsame Eskalation hin zum großen Finale.
So ist dies ein Auftakt, der uns eine komplexe, düstere Welt vorstellt und sich vornehmlich an Lesende richtet, die gerne politische Intrigen verfolgen und offen für eine uns fremde Kultursphäre sind.
A. S. Tamaki: Das Buch der gefallenen Blätter (The Book of Fallen Leaves – 2026)
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Pfingstl
Klett-Cotta Verlag, September 2026
622 Seiten / Hardcover mit OU / € 26,00
Titelillustration von Isabelle Hirtz
Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr
