Carolin Frey: Das Krähenzimmer

Eher verzweifelt überstürzt als wohldurchdacht geplant kommt Lotta nach Geelekow, einem kleinen Küstenort, in dem sie als Kind die Ferien mit ihrer Familie verbracht hat. Mitten in der Nacht kommt sie am Bahnhof an, den noch kilometerweiten Weg zur „Villa Sturmmöwe“ muss sie wohl oder übel zu Fuß bewerkstelligen, Bus oder Taxi gibt es nicht. Es ist November, eiskalt und Lottas Kleidung alles andere als wettergerecht. Verdrossen macht sie sich auf den Weg, bis sie nach einer gefühlten Ewigkeit eigentlich wider besseres Wissen dann doch in einen Wagen steigt und sich mitnehmen lässt. Die Adresse erstaunt den Fahrer offensichtlich, doch er kommentiert das nicht näher. Lotta findet einen Zweitschlüssel an der Stelle, an der schon früher immer einer versteckt gewesen ist.

Zu müde und k.o., um sich weiter umzusehen, schläft sie auf dem Sofa in einem offensichtlich neu gestalteten Wohnbereich ein. Am nächsten Morgen wird sie von Justus überrascht, der ihr erklärt, das Haus sei verkauft worden, er gehöre zur Hausverwaltung und müsse sie eigentlich rausschmeißen. Sie einigen sich auf Mietzahlung und Lottas Mitarbeit bei den drei Ferienhäusern, damit will Justus ihr unbefugtes Eindringen vergessen. Alles hat sich verändert, das Haus ist völlig neu gestaltet, Lotta fühlt sich nicht mehr wohl darin. Von der ersten Minute an hat sie den Eindruck, nicht willkommen zu sein. Nicht im Haus, nicht im Dorf, nicht bei den Dorfbewohnern. Ihr Gefühl wird zur Gewissheit, als sie zunächst eher subtil, dann aber ganz offen bedroht wird. Geräusche, die sie nachts erschrecken, das Gefühl, nicht allein im Haus zu sein. Schmierereien und Drohbriefe.

Trotzdem lernt sie Gleichaltrige kennen, mit denen sie sich anfreundet – aber kann sie ihnen trauen, nach allem, was sie inzwischen über die „Sturmmöwe“ gehört und hier erlebt hat? Lottas Aufenthalt wird zum lebensbedrohlichen Albtraum. Auf der „Villa Sturmmöwe“ scheint ein Fluch zu liegen, der seit der Zeit der Hexenverbrennungen gilt. Nach und nach erfährt Lotta immer mehr über die Geschichte des Hauses, in dem sie sich als Kind so wohl gefühlt hat. Erfährt vom Schicksal derer, die vor ihr hier gewohnt haben und gerät immer mehr in einen Strudel aus Zweifel, Angst und dem Willen, sich nicht geschlagen zu geben. Lotta nimmt den Kampf auf, unterstützt von ihren neuen Freunden, denen sie dennoch nicht wirklich traut. Kann sie der Bedrohung entkommen? Den Fluch brechen?

Erzählt wird jeweils aus der Sicht Lottas, dann auch aus Tagebuchaufzeichnungen, von denen lange nicht klar ist, wer sie geschrieben hat, und zuletzt werden zwölf Regeln zitiert, die derjenige aufgestellt hat, der – nicht nur – Lotta bedroht und ihr nach dem Leben trachtet.

Kein Krimi, in dem Blut fließt, eher Gänsehaut zwischen den Zeilen, unterschwellig und subtil. Eine gut angelegte Story, teilweise langatmig und ein bisschen unglaubwürdig. Interessante Charaktere, insgesamt eher düster. Die richtige Spannung hat mir gefehlt.

Carolin Frey: Das Krähenzimmer
Rowohlt Polaris, August 2026
432 Seiten, Paperback, 18,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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