Svenja Gräfen: Das Rauschen in unseren Köpfen

Mich erinnert dieser Liebesroman, bzw. er fügt sich nahtlos ein, an den Sprachstil und der Inhalte,  der  zur Zeit auf allen „Happy Wellen“ im Radio laufenden neuen Schlager-Schnulzen, wie von Revolverheld, Silbermond, Holofernes, Max Giesinger oder Marc Forster, etc… Da geht der Himmel auf, der Bauch ist voll Zement, man verschenkt Sonne, Mond und Sterne sowie Regenbögen, Wellen und Wolken mit der Nummer 7! Träume platzen, etc.! Nun gut, man kann ja ausmachen und wer war nicht schon mal verliebt.

Die Geschichte kann man schnell zusammen fassen: zwei innige Freundinnen, auch Klassenkameradinnen, machen gemeinsam Abi und irgendwann ziehen sie zusammen in ihre erste Wohnung. Man lebt wohlbehütet noch, wenn auch als naher Satellit etwas entfernter vom Elternhaus, man flirtet und feiert viel in Clubs und durch Nächte, hier und da Urlaub am Meer oder träumend im Gras im Stadtpark. Weiterlesen

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Thomas Reverdy: Es war einmal eine Stadt

Der in Frankreich lebende Autor Thomas Reverdy widmet sich in seinem Roman „Es war einmal eine Stadt“ dem sterbenden Detroit – und verknüpft dabei mehrere Genres miteinander. Eugène, Mitarbeiter einer Autofirma, wird in die ehemalige Autostadt schlechthin versetzt: Detroit. Doch der Lack ist allerspätestens seit der großen Finanzkrise im Jahre 2008 ab. Die ehemals als „Motown“ bezeichnete Stadt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die arbeitslosen Menschen ziehen weg und ganze Fabrikhallen stehen leer. Das einzige, was hier noch floriert, ist die steigende Kriminalitätsrate.

Reverdy, der für diesen Roman den begehrten Buchhandelspreis in Frankreich erhalten hat, erzählt seine Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Bewohner der Stadt. Weiterlesen

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Jane Gardam: Die Leute von Privilege Hill

Die britische Schriftstellerin Jane Gardam (Jahrgang 1928) wurde hierzulande durch die „Old Filth“-Trilogie über Richter Edward Feathers („Ein untadeliger Mann“, 2015), seine Frau Elisabeth („Eine treue Frau“, 2016) und seinen Nachbarn und Kontrahenten Terry Veneering („Letzte Freunde“, 2016) bekannt. In ihrer Heimat ist sie eine berühmte und vielfach ausgezeichnete Autorin.

Mit „Die Leute von Privilege Hill“ veröffentlichte Hanser Berlin am 25. September 2017 nun einen Band mit 16 Erzählungen in einer Übersetzung von Isabel Bogdan. Die ausgewählten Geschichten stammen aus der englischen Originalausgabe mit dem Titel „The Stories“, die schon 2014 erschienen ist.

Da begegnet Hetty ihrem ehemaligen Liebhaber, dem berühmten Maler Heneker Mann, im Urlaub mit ihrer Familie am Strand und erlebt verwirrende Tage bis ihr Ehemann nachgereist kommt. Weiterlesen

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Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Was für eine Geschichte: Boris, ein junger Russe aus gutem Hause flieht nach Amerika. Er will frei sein und unbedingt unterrichten. Denn seine Vorstellung, dass auch Arme gebildet sein dürfen, wird in seinem Land nicht geduldet und bei Missachtung sogar mit Haft und Tod bestraft. Kaum in New York angekommen, beginnt seine grandiose Karriere. Boris heiratet, wird Vater und ein berühmter Wissenschaftler. Am Beispiel seines Sohnes Billy zeigt er, wie seine spezielle Erziehung, die Sidis-Methode, aus jedem Kind ein Genie machen kann. Und wie großspurig angekündigt, entwickelt sich sein Sohn unter den Argusaugen der Lehrer und Presse zu einem Genie. Billy lernt gern und unvorstellbar viel, so dass er innerhalb weniger Jahre alle Klassen überspringt, die Highschool beendet, um schließlich im Alter von elf Jahren der jüngste Student in der Eliteuniversität Harvard zu werden. Weiterlesen

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Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Der zwölfjährige Antoine ist richtig wütend. Seine Mutter verbietet ihm das Spiel mit den anderen Kindern. Seiner Jugendliebe Émilie missfällt das so mühsam erbaute Baumhaus im Wald. Der Nachbarhund, der bisher treu seinen Nöten zugehört hat, wird von einem Auto angefahren und danach von seinem Besitzer erschossen. Und dann nervt noch dessen sechsjähriger Sohn Rémi. Die Wut ist so groß, dass er den Kleinen mit einem Ast erschlägt. Antoine versteckt die Leiche. Drei Tage lang suchen die Bewohner des Ortes nach dem vermissten Jungen. Am dritten Tag beenden heftige Unwetter die Suche. Antoine glaubt, endlich gerettet zu sein. Seine Mutter hat nur ihn und er nur seine Mutter. Was würde passieren, wenn er als Kindsmörder berühmt würde? Weiterlesen

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Antoine Laurain: Die Melodie meines Lebens

Da schickt eine Band ein Demo-Tape an eine Plattenfirma, und 33 Jahre später kommt die Antwort. Bei der Post war der Brief hinter ein Regal gefallen. Erst als die Filiale renoviert wurde, konnte das Schreiben zugestellt werden. An Alain, eines der Bandmitglieder, der inzwischen Arzt ist..

Antoine Laurain schickt in „Die Melodie meines Herzens“ Alain auf die Suche nach den Musikerkumpel. Einer ist nach Thailand ausgewandert, ein anderer ein größenwahnsinniger Faschist im politischen Vollrausch, der dritte ein überheblicher Künstler. Nur die Sängerin bleibt zunächst verschollen.

Laurain, dessen Figuren in seinen früheren Romanen immer so wunderbar altmodisch und aus der Zeit gefallen waren, geht auf eine Spurensuche des Lebens und setzt ein Mosaik aus Einzelgeschichten zusammen. Weiterlesen

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Geoff Dyer: White Sands

Geoff Dyer, ein 1958 geborener Autor und Journalist, legt mit „White Sands“ eine Sammlung von zehn Reise-Erinnerungen vor, die er halb erfunden, halb wirklich so erlebt hat, wie er im Vorwort erklärt. Am stärksten ist dabei gleich die erste Geschichte, die von einem Peking-Aufenthalt handelt, bei dem sich der Ich-Erzähler ausgerechnet am letzten Tag in eine verkappte Reiseleiterin verliebt. Diese Geschichte ist rasant und sprüht vor Lebenslust und Überraschungen.

Danach geht‘s leider bergab. Etwas zu oft lässt der Autor seine Bildung heraushängen. Das wirkt nicht nur latent unsympathisch, sondern hemmt auch noch den Lesefluss. Es gibt Stellen, da hat man Mitleid mit den Menschen, denen Geoff Dyer/der Ich-Erzähler auf seinen Reisen begegnet Weiterlesen

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Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge

Ein spannender Abenteuerroman vor historisch ernstem Hintergrund ist Peter Keglevic unter dem Titel „Ich war Hitlers Trauzeuge“ gelungen. Harry Freudenthal, ein junger Jude aus Berchtesgaden hat 1945 nur eine Chance, dem nationalsozialistischen Rassenwahn zu entgehen: Er muss an der Veranstaltung „Laufen für den Führer“ teilnehmen, bei der die Teilnehmer in mehreren Etappen 1000 Kilometer von Berchtesgaden nach Berlin laufen: Der Sieger darf dem Führer am 20. April persönlich zum Geburtstag gratulieren. Freudenthal, der sich zu Tarnzwecken Paul Renner nennt, trifft auf gleich mehrere Persönlichkeiten, die damals eine Rolle spielten – zum Beispiel die bekannte Filmregisseurin Leni Riefenstahl, Winifred Wagner in Bayreuth, Eva Braun und natürlich ganz am Ende – Adolf Hitler selbst. Weiterlesen

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Sven Regener: Wiener Straße

Sven Regener ist ein künstlerisches Multitalent. Er ist bekanntlich nicht nur Sänger und Gitarrist der Band „Element of Crime“, sondern hat mit „Herr Lehmann“ im Jahre 2001 auch einen der wichtigsten Kultromane dieser Zeit verfasst.

Nun legt er mit „Wiener Straße“ erneut einen Roman vor, in dem Frank Lehmann und neben ihm auch andere Figuren aus Regeners Büchern vorkommen, aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Leider jedoch fällt „Wiener Straße“ gegenüber dem sympathischen „Herr Lehmann“ und auch gegenüber Regener-Werken wie „Neue Vahr Süd“ (2004) deutlich ab. Weiterlesen

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Emma Garnier: Grand Hotel Angst

Geistergeschichten spielen im Normalfall in abgelegenen englischen Landhäusern, in herbstlicher Atmosphäre zwischen Hochnebel und Moor. Das geht auch anders, dachte sich Autorin Emma Garnier und verlegte ihre Geschichte zur Frühlingszeit an die italienische Adria – den Ort Bordighera, der sich 1899 vom einstigen Fischerdorf zum noblen Tourismusziel für den europäischen (Geld-) Adel entwickelt hat. Im luxuriösen Grand Hotel Angst reisen die junge Nell und ihr Ehemann Oliver an. Sie wollen hier ihre Flitterwochen verbringen. Doch das Honeymoon-Feeling währt nicht lange. Nell ähnelt einer gewissen Lucrezia, die unter ungeklärten Umständen starb und durchs Haus spuken soll. Seltsame Vorkommnisse, unheilvolle Visionen, die dubiosen Geschäftspartner ihres Ehemannes: Nell muss schnell feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint – und stellt eigene Nachforschungen an. Weiterlesen

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