Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind

Toni Morrison, 86jährige Literaturnobel- und Pulitzerpreisträgerin, beschäftigt sich in ihren Werken mit Rassendiskriminierungen und Rassenkonflikten in den USA. Sie ist nicht nur dort, sondern auch  international die Stimme afroamerikanischer Literatur. Und diesem Ruf wird sie nun wieder mit ihrer 2015 unter dem Originaltitel erschienenen Novelle „God Help the Child“ gerecht. Jetzt liegt das Buch in einer Übersetzung von Thomas Piltz unter dem Titel „Gott, hilf dem Kind“ bei Rowohlt auf Deutsch vor.

Da bekommt die sehr hellhäutige Sweetness Bridewell in den 1990er Jahren ein teerschwarzes Baby, das sie Lula Ann nennt, und dessen Vater Louis die kleine Familie umgehend verlässt, weil er annimmt, das Kind sei nicht von ihm. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Schatten

Irgendwie scheint dies wohl das Jahr zu werden, in dem alle bekannten Kommissare tief in ihre eigene Vergangenheit eintauchen. So auch Beatrice Kaspary, die bei ihrem neuen Mordfall mit dem Grund konfrontiert wird, aus dem sie einmal zur Polizei gegangen ist. Während ihres Studiums ist ihre Mitbewohnerin brutal ermordet worden, der Täter wurde nie gefasst. Jetzt wurde ein Mann in seiner Wohnung brutal hingerichtet und es finden sich Hinweise darauf, dass er der Täter gewesen sein könnte. Aber er bleibt nicht das letzte Opfer und bei jedem neuen Opfer finden sich Hinweise auf das vorherige. Eine Linie zieht sich durch die Morde und sie zeigt direkt auf Beatrice. Weiterlesen

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Jennifer Haigh: Licht und Glut

Die Energie-Industrie entdeckt einen kleinen heruntergekommenen Ort namens Bakerton in Pennsylvania für ihre Zwecke und macht den ortsansässigen Grundstückseigentümern verlockende Pachtangebote.

Das Städtchen hat den Niedergang von Kohle und Stahl nicht gut verkraftet, und so können die meisten Menschen, die dort leben, das Geld gut gebrauchen.

Doch „Licht und Glut“ ist weit davon entfernt, ausschließlich ein umweltpolitischer Roman zu sein. Schön ist vor allem, wie psychologisch genau die so unterschiedlichen Figuren in diesem Buch gezeichnet sind. Da ist Gefängniswärter Rich mit psychisch labiler Ehefrau und drogenabhängigem Bruder, da ist Pastorin Jess, die sich auf eine Affäre mit einem verheirateten Mitarbeiter einer der Erdgasfirmen einlässt, Weiterlesen

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Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes

Es gibt sie noch, die modernen Märchen. Dafür bedarf es eines italienischen Drehbuchautors und Regisseurs, der in seinem ersten Roman zwar nicht die „fabelhafte Welt der Amélie“, dafür aber die nicht weniger fabelhafte Welt des Michele erschaffen hat. Der sonderbare Einzelgänger lebt in seinem Bahnhofswärterhäuschen und sammelt Gegenstände, die Fahrgäste im Zug vergessen haben. Vor über zwanzig Jahren ist seine Mutter in einen dieser Züge gestiegen und nie wieder heimgekehrt. Seitdem misstraut Michele allen Menschen. Bis eines Tages die quirlige Elena in seine Alltagsroutine platzt. Wenig später findet Michele im Zug einen persönlichen Gegenstand. Sein altes Tagebuch, das seine Mutter bei ihrer Abreise mitgenommen hat … Weiterlesen

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Sven Koch: Dünenfluch

Mit dem Titel „Dünenfluch“ legt der Autor Sven Koch den fünften Band seiner Dünen-Krimi-Reihe vor. Wieder fordert er seine Protagonisten, das bewährte ostfriesische Ermittlerteam Femke Folkmer und Tjark Wolf stark heraus. Dabei spürt man dem Multitalent Sven Koch an, er hat sich als Musiker, Fotograf und Autor einen Namen gemacht, dass er eine persönliche Beziehung zur Nordsee und zur ostfriesischen Küste hat. Die Tiefe des Meeres, die Weite des Horizonts und die Melancholie der Landschaft hinter dem Deich beflügeln seine Fantasie, die ein fester Bestandteil der Krimiszene Ostfrieslands geworden ist. Weiterlesen

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Kate Ling: Ventura-Saga 01: Wir zwei in fremden Galaxien

Die 17-jährige Seren hat die Erde niemals betreten und kennt sie nur von Bildschirmen. Sie lebt auf dem Raumschiff Ventura, das sich im achtundachtzigsten Jahr seiner 350 Jahre andauernden Reise zu einem fernen Planeten befindet. Dieser soll auf seine Bewohnbarkeit untersucht werden. Seren wird deshalb vermutlich in ihrer Lebenszeit auch niemals irgendeinen Planeten betreten. Das System ist durchkalkuliert und nach ihrem Schulabschluss soll sie einen vom System bestimmten jungen Mann heiraten und mit ihm künstlich gezeugte Babys großziehen. Doch Seren begehrt auf und will sich nicht fügen. Viel lieber würde sie ihre Zeit mit Dom verbringen, der auch nicht ganz systemkonform zu leben scheint. Plötzlich ergibt sich für die beiden jungen Menschen eine Chance, die Ventura zu verlassen … Weiterlesen

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Felix Lobrecht: Sonne und Beton

»Julius hat grad geschrieben, ja. Heut Abend Party Grenzallee. Könnten auch bei ihm vorsaufen«, sagt Gino. »Hört sich doch jut an, oder? Lass da auf jeden Fall hingehen. Trinken, paar Bitches umschießen. Is doch geil.« Sanchez grinst. Ich zucke mit den Schultern. »Die Partys da sind ’ne Katastrophe. Ich kann dir jetz schon sagen, wie das wird: Wir kommen um zehn, es läuft scheiß Radiomusik, alle saufen, haben gute Laune für ein, zwei Stunden. Spätestens halb eins wird Aggro angemacht, alle Jungs rasten aus, die Mädels gehen, und dann reiten irgendwelche Kanaken ein, schlagen alle, klauen den Suff und verpissen sich wieder.« »Locooo, was’n dit für ’ne Erklärung? Dann bleiben wa halt bis halb eins, schnappen uns paar Putas und machen woanders weiter!« Sanchez rudert mit den Armen. »Asere, heut ist Freitag. Wir gehn auf jeden Fall da hin!«

Es ist Sommer, es ist heiß und vier Jungs sitzen fest, eingekesselt in den Hochhausschluchten von Berlin: Sonne und Beton eben. Schule schwänzen, kiffen, ab und an eine kleine Prügelei, so sieht der Alltag der vier Protagonisten im Coming-of-Age-Roman von Felix Lobrecht aus. Weiterlesen

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Dieses Buch handelt von der Einsamkeit in endlos scheinenden Nächten, die nicht schlafen lassen. Von der Suche nach Verständnis und Glück im Alter und der damit verbundenen Akzeptanz/Intoleranz der Menschen aus dem gewohnten Lebensumfeld.

Sie ist schon mutig und dabei auch ein klein wenig verwegen, diese Addie Moore: Eines Abends fasst sich die Siebzigjährige ein Herz und klingelt bei ihrem langjährigen Nachbarn Louis Waters, um ihm einen höchst ungewöhnlichen Vorschlag zu unterbreiten. – Wie auch Addie, ist Louis verwitwet. Die empfundene Isolation, die damit einhergeht, bringt Addie auf die Idee, Louis zu fragen, ob er sich vorstellen könne, die Nächte zusammen mit ihr zu verbringen. Weiterlesen

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Robert McCammon: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal

Carolina, Neue Welt im Jahr des Herren 1699. Die Kolonie, die südlich an das von Spanien beherrschte Florida grenzt hat es schwer, Siedler anzuziehen. Das Klima ist ungesund, die weit verbreiteten Sümpfe, die Moskitos und die ständigen Unwetter machen das Siedeln wie die Bestellung des Bodens zur Qual. Dennoch hat Bidwell genau dort, in einem Landstrich von dem er annimmt, dass er aufgrund seiner Lage eines Tages zum Dreh- und Angelpunkt des Handels mit der Karibik wird seine Stadt gebaut.

Fount Royal aber wird heimgesucht. Nicht von der Beulenpest, eine Hexe soll dort ihr Unwesen treiben. Mehrfach haben die Bewohner schon einen Richter angefordert, der über die Verdächtige zu Gericht sitzen soll. Einig sind sie sich fast alle – Rachel Howarth die portugiesisch-stämmige Witwe mit dem dunklen Teint und dem verführerischen Körper soll zuerst den anglistischen Pfarrer, dann ihren eigenen Gatten umgebracht haben, bevor sie mit dem Teufel selbst Unzucht getrieben hat. Weiterlesen

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Nedim Gürsel: Der Sohn des Hauptmanns

So ein Journalistenleben, spannend gelebt, hat viel zu erzählen. Franka Magnani, Ulrich Wickert, Scholl – Latour, etc., oder eher Tiziano Terzani „Das Ende ist mein Anfang“, im Übrigen sehr beeindruckend von Bruno Ganz gespielt. Vielleicht haben sich die beiden ja auch gekannt, der eine, Terziani, war Spiegel -Reporter und in aller Welt unterwegs, ebenso wie Gürsel. Sie sind, oder waren, in etwa gleich alt. Also warum nicht? Während Terzani die Sache mit dem Altwerden und dem nahen Tod eher mit erkenntnisphilosophischem Hintergrund angeht, bleibt Gürsel wohltuend realistisch. Er mag den Tod nicht, hat aber gleichwohl ein Einsehen.

Es kommt, wie es kommt. Warum ich hier so rumschwafel, hat auch einen Grund. Eigentlich bin ich zu befangen, um eine Rezension zu schreiben. Wir hatten grad ein „Verfassungsreferendum“, welches die Diktatur in der Türkei nun auch legitimiert. Weiterlesen

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