William Finnegan: Barbarentage

„… – wenn man … von einer riesigen Welle erwischt wird …, dann nützen einem alle Fähigkeiten … gar nichts mehr … Das Einzige, was man … idealerweise noch in den Griff bekommt, ist die Panik.“ (S. 438, 439)

William Finnegan, geboren 1952 in New York, Autor, Journalist und Kriegsreporter lernte im Alter von elf Jahren surfen. Was ihn ins Wasser zu den Wellen trieb, war viel mehr als der Spaß an einem Wassersport. Es war die dem Surfen innewohnende Lebensphilosophie, die den Surfer mit der Welle in sehr intensiven Momenten verbindet: zum Beispiel wenn das Licht sich in den aufgetürmten Wellen bricht, das Wechselspiel der Farben im Wasser oder wenn Strömung und Entladung der Brandung eigenen Gesetzen folgen. In diesen besonderen ekstatischen Momenten wird der Ritt auf der Welle zu einer Art Zwiesprache mit ihr, die den Surfer traumähnlich in die Höhe hebt und weiter katapultiert.

Die Liebe zum Wasser und dem Surfen begann bei William Finnegan an der Küste Kaliforniens. Als sein Vater drei Jahre später beruflich nach Hawaii zog, nahm er die gesamte Familie mit. Und wieder lebten sie am Wasser in der Nähe von Wellen, auch wenn es die für Surfer weniger interessante Inselseite war. Als seine Familie ein paar Jahr später wieder zurück in die Heimat zog, hatte der sechzehnjährige William nur eines im Kopf: Die perfekte Welle reiten.

Nach seinem Studium gab es dann für ihn kein Halten mehr. Er begann eine Reise rund um die Welt, um so viele Wellen wie möglich zu reiten, am liebsten dort, wo die große Masse noch nie war.

Barbarentage nennt der Autor speziell die Zeit der Reise, spartanisches Leben, mal unter freiem Himmel schlafen, mal in Bruchbuden, Gelegenheitsjobs zum Auffüllen der Reisekasse und das Kennenlernen vieler Länder, Menschen und Sitten. Sein Buch ist deshalb viel mehr als eine Biografie. Sie bietet einen äußerst ergiebigen Fundus als Reisereportage, einen faszinierenden Einblick in die Seele der Surfer und sein Verständnis für Wasser und Geologie. Und Dank einer Legende kann jeder Leser in die Sprache der Surfer eintauchen.

Auf so unterhaltsame Weise so umfassend informiert zu werden, zeigt auch William Finnegans anderes Talent, das des investigativen Reporters, der mit dem Wort genauso umzugehen weiß wie früher mit dem Surfbrett. Am Ende der wunderbaren, mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Lektüre ist der Wunsch, einen Surferfilm zu sehen, immens groß.

William Finnegan: Barbarentage.
Suhrkamp, Mai 2018.
566 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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