Ursula Poznanski: Vanitas – Grau wie Asche

Wie schön, dass diese Autorin immer hält, was sie verspricht. Auch dieser Roman ist wieder hochspannend. Es ist die Fortsetzung ihres Erfolgsromans Vanitas – Schwarz wie Erde und damit die Fortsetzung der Geschichte um die Friedhofsgärtnerin Carolin, die nicht die ist, für die sie sich ausgibt. In dem 2019 erschienenen ersten Band erfährt man die Hintergründe, warum diese Frau sich versteckt hinter einer neuen Identität und warum sie mit Hilfe von Blumen mit ihrem Kontaktmann bei der deutschen Polizei kommuniziert.

Carolin Bauer lebt mit ihrer neuen Identität in Wien, immer auf der Flucht vor ihren Verfolgern, die sie bis zu den im ersten Band geschilderten Ereignissen für tot hielten, nun aber ihre Spur wiedergefunden haben. Da geschehen merkwürdige Dinge auf dem Wiener Hauptfriedhof, Gräber werden geschändet und mehrere Morde verübt. Carolin, immer und grundsätzlich misstrauisch gegenüber jedermann, mischt sich mehr als gut für sie ist in die polizeilichen Ermittlungen ein. Dadurch gerät sie nicht nur ins Visier eines sehr fähigen Kommissars, sondern auch in höchste Lebensgefahr.

Doch Carolin gibt nicht auf, sie wehrt sich, sie greift ihrerseits an, indem sie zu äußersten Mitteln greift. Sie folgt den Spuren, die die Schänder auf den Gräbern hinterlassen haben, satanische Zeichnungen, Totenschädel mit Hühnerköpfen und ähnliches mehr. Und gleichzeitig versucht sie, ihren Verfolgern immer mindestens einen Schritt voraus zu sein. Dafür wendet sie nicht nur legale Methoden an, dabei sind ihr die Aufmerksamkeit der Polizei und der Öffentlichkeit für die Vorkommnisse auf dem Friedhof gar nicht recht.

Wie in all ihren psychologischen Thrillern gelingt es der Autorin auch in diesem Roman, die Leserin zu fesseln. Das Buch ist ein absoluter Pageturner, vor allem, wenn man wie ich bereits den vorherigen Titel um diese Protagonistin gelesen hat und sich daher um so mehr in sie hineinfühlen kann. Carolin ist eine absolut zerrissene, geschundene und zerstörte Persönlichkeit, die es dennoch immer wieder schafft, die letzten Reserven aus sich herauszuholen und weiter zu kämpfen. Dabei hat sie ihre Empathie, ihr Mitgefühl für andere nie verloren, eine Eigenschaft, die ihr durchaus zum Verhängnis wird. Und natürlich ist der ganze Roman so angelegt, dass man nach der letzten Seite nun mit hängender Zunge auf den nächsten Band wartet, denn Carolins Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Wenn ich ein Manko in diesem Roman finde, dann die für mich nicht immer nachvollziehbare Bereitschaft der Protagonistin, sich in unnötige Gefahr zu begeben. Mich erinnert das an die scheue Heldin, die mitten in der Nacht mit einer einzelnen Kerze in der Hand auf einen dunklen Dachboden steigt um den Grund für verdächtige Geräusche herauszufinden, wo jeder vernünftige Mensch sich lediglich die Decke über den Kopf ziehen würde. Szenen, die mich auch in jedem Film immer wieder stören, weil sie ziemlich an den Haaren herbeigezogen sind. An mancher Stelle in Ursula Poznanskis Thriller kam mir dieses Bild in den Sinn. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn ein Lesehighlight ist dieser Roman in jedem Fall.

Ursula Poznanski: Vanitas – Grau wie Asche.
Knaur, März 2020.
400 Seiten, Taschenbuch, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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