Uli Aechtner: Leise rieselt der Tod

Ein Krimi mit allen erforderlichen Zutaten: eine gewisse Zahl an Leichen, sehr viele Verdächtige, ein bisschen Liebe, ein ganz klein wenig Humor und eine Hobbydetektivin, die sich schließlich selbst in Gefahr bringt. Das Ganze rund ums Weihnachtsfest in einem alten Herrenhaus, welches in einem winzigen Dorf steht, das dann auch noch zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Zur Handlung: die frisch getrennte Jenny findet über Weihnachten Unterschlupf bei ihrem Kindheitsfreund Tom, der gerade in besagtes, noch weitgehend unmöbliertes Herrenhaus gezogen ist. Dort eröffnet er eine Arztpraxis, die aber bislang wenig Zulauf hat. Am Abend ihrer Ankunft stolpert Jenny vor der Haustür über ihre erste Tote, eine Zeitungsausträgerin im Weihnachtsmannkostüm. Weil Jenny nun fürchtet, dass ihr Freund Tom in Verdacht gerät, der Mörder zu sein, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Recherchen führen sie zuerst auf den „Seelenhof“, wo ein Weihnachtsflirtkurs abgehalten wird. Natürlich sind erstmal alle Teilnehmer des Kurses schwer verdächtig, in den Mord verstrickt zu sein.

Jenny lässt sich auch durch Toms Ermahnungen nicht abhalten, weiter zu recherchieren. Sie befragt einigermaßen direkt alle in Frage kommenden Verdächtigen und mögliche Zeugen. An der Stelle beschlich mich beim Lesen dann doch mal die Frage, wieso sich die Menschen Jennys Fragerei gefallen lassen und auch noch bereitwillig Auskunft geben. Auch der Grund, der sie antreibt, schien mir nicht so ganz nachvollziehbar, äußert doch im Grunde niemand einen wirklichen Verdacht gegen ihren Freund Tom. Vielleicht hätte man das etwas realistischer gestalten können, zumal auch der ermittelnde Kommissar offensichtlich irgendwann seine Vorbehalte aufgibt und sogar mit Jenny zu kooperieren scheint. Gerade das kommt mir nicht sehr wahrscheinlich vor. Das tut der Spannung aber keinerlei Abbruch, sie steigt nach und nach erheblich an, insbesondere, als Jenny schließlich selbst in Gefahr gerät.

Mir hat der Krimi gut gefallen, denn er ist spannend, flüssig geschrieben und die Figuren sind lebensecht und frisch, wenn auch nicht ganz frei von Klischees. Die Autorin versteht es, sowohl die düstere Stimmung im Dorf wie auch die winterliche Kälte und die knisternde Atmosphäre zwischen Jenny und Tom anschaulich zu schildern. Als dann schließlich, nachdem das Dorf wieder erreichbar ist, auch noch Toms Familie auftaucht, schafft Uli Aechtner sogar noch den Schwenk zu einem beschaulichen und stimmungsvollen Weihnachtsroman.

Ein Krimi-Liebes-Weihnachtsroman, ein schöner Schmöker, perfekt für die aktuelle Jahreszeit.

Uli Aechtner: Leise rieselt der Tod.
Emons, September 2020.
240 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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