Tom Hillebrand: Hologrammatica, gelesen von Oliver Siebeck

Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der Galahad Singh lebt. Er wohnt in der Stadt, die wir heute als London kennen, aber die Welt hat sich verändert. Nicht nur, dass die Autos endlich selbst fahren und Eigensteuerung als Abenteuer gilt, es gibt das Holonet, das die ganze Welt ein bisschen aufhübscht und „Mind Uploading“ – das zeitweise Leben in einem Wunschkörper – ist Alltag. Dazu haben die Folgen des Klimawandels und einer Art Pestausbruch die Welt und die Bevölkerung grundlegend verändert. Galahad arbeitet als Quästor, heißt: Er sucht verschwundene Menschen. Keine einfache Sache in einer Welt, in der jeder so aussehen kann, wie er gerade will. Sein aktueller Fall ist die die Ausnahmeprogrammiererin Juliette Perotte, Tochter eines greisen Herrschers. Die Suche führt Galahad tief in die Szene der Menschen ein, die inzwischen das Leben in einem Holokörper dem eigenen Selbst vorziehen. Natürlich haben sich hierbei – wie bei allen menschlichen Gewohnheiten – auch die verrücktesten Spielarten eingeschlichen. Juliette scheint es sich zum Hobby gemacht zu haben, ihren Holokörper in einem ungesicherten Auto mit Schwung gegen die Wand krachen zu lassen, ihren Mind in den nächsten Holokörper zu packen und dann wieder von vorne anzufangen. Ist dabei etwas schiefgegangen?

Ich fand das Hörbuch von Anfang an spannend, aber das letzte Drittel ist echt der Hammer. Da fängt es nämlich an, um die Dinge zu gehen, die mich wirklich interessieren an Scifi: Geschichten darüber, wie die Menschheit mehr oder weniger erfolgreich versucht, aus der aktuellen Misere herauszukommen und was dabei gut- oder auch schiefgeht. Und hier fängt der Roman auch an, für die Gegenwart aktuell zu werden. Was ist aus dem Klimawandel geworden, was hat man versucht, um dem Müllproblem Herr zu werden? Hillebrand entwickelt hier die typische Techniklösung eines Sci-Fi-Autors, lässt sie Dystopie-typisch schiefgehen und am Ende ist dann doch alles ganz anders. Und am Ende Ende noch mal anders. Toller Plot, durchdachte Twists und außerdem noch ein sauber aufgebauter Krimi. „Hologrammtica“ war mein erstes Hörbuch von Tom Hillenbrand, aber garantiert nicht mein letztes. Oliver Siebeck trägt deutlich und mitreißend durch die Geschichte und gleicht damit auch ein paar Längen aus (ok, vermutlich bin ich der einzige Zuhörer, die Meer-Verfolgungsjagd als Länge empfindet).  Mir hat vor allem gefallen, dass im ersten Teil der Thriller-Anteil im Vordergrund stand und genau zu dem Zeitpunkt, als ich anfing, enttäuscht zu werden (äh, schon wieder ein Blade-Runner-Abklatsch), wurde es mit der Aufklärung um das geheimnisumwitterte Jahr 2048 dann nochmal richtig richtig gut und eben auch nachdenklich, wo der Thriller-Anteil nur spannend war.

Fazit: Spannender Thriller, der in der Zukunft spielt und die Probleme der Gegenwart nicht vergessen oder einfach wegtechnologiesiert hat.

Tom Hillenbrand: Hologrammatica, gelesen von Oliver Siebeck.
Lübbe Audio, Februar 2018.
3 mp3-CDs, Ungekürzte Fassung, 16 Stunden und 36 Minuten.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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