Svenja K. Buchner: Bis die Zeit verschwimmt

Für die 15-jährige Helene bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihre beste Freundin Cassie bei dem Attentat in der Schule gestorben ist. Sie wurde einfach von einem ehemaligen Schüler der Schule erschossen. Und nun ist nichts mehr wie vorher. Helene hört nur noch laute Musik, isst nichts und ihre Eltern wollen sie zu einer Psychotante schicken, die ihr helfen soll. Aber wie kann ihr sowas helfen? Nur eins könnte ihr helfen: Wenn sie weiß, dass Cassie nicht willkürlich gestorben ist, dass der Täter ein Motiv hatte und keines der Opfer zufällig starb. Deswegen will Helene auf eigene Faust herausfinden, ob es zwischen dem Täter und seinen Opfern eine Verbindung gab. Ihr Kumpel Erik ist davon wenig begeistert und möchte die Sache lieber ruhen lassen.

„Peter Damm.
Nur neun Buchstaben.
Die meine Welt zerstört haben.“
(Zitat Drei: Peter D.)

Helene ist schließlich wie besessen davon, eine Verbindung zwischen den Opfern – acht Schülern und Schülerinnen, einem Lehrer – und dem ehemaligen Schüler der Schule zu finden. Als sie auf leichte Verbindungen zwischen Peter und einem der Opfer trifft, schöpft sie Hoffnung. Auch Cassies Tod muss eine Bedeutung gehabt haben. Doch Helene verrennt sich zusehends in der Idee, vergisst, dass auch ihr Kumpel Erik mit Cassie eine ihm sehr wichtige Person verloren hat.

Erik stellt fest: „‚Hast du seit ihrem Tod eigentlich nur eine klitzekleine Sekunde an etwas anderes gedacht als an dich? […] Daran, dass andere nachts auch nicht mehr schlafen können? Und vor allem, Helene: Hast du an Cassie gedacht?‘“ (Zitat Sechs: Über Erik und Cassie). Denn seit Cassie gestorben ist, dreht sich Helene nur noch um sich selbst, hat ihrem besten Freund nicht ein einziges Mal Trost gespendet und ist lediglich besessen von der Idee, Hintergründe zur Tat aufzudecken.

„Bis die Zeit verschwimmt“ ist kein schlechter Roman. Svenja K. Buchner (Jahrgang 1995) legt mit diesem Jugendroman für Jugendliche ab 14 Jahren ihr Debüt vor. Man spürt, dass sie sich vorher mit Dingen wie Figurenausgestaltung und Spannungsbögen befasst hat. Die Geschichte ist gut erzählt und technisch sicher. Die Gefühle kamen in meinen Augen aber nicht wirklich rüber. Trotz des berührenden Themas kam nichts bei mir an – und es kommt wahrhaft selten vor, dass ich eine Grabrede lese und von dieser nicht emotional berührt werde. Und genau das ist bei „Bis die Zeit verschwimmt“ – zumindest bei mir – nicht passiert. Man liest die Geschichte, ohne von ihr oder den Figuren etwas mitzunehmen. Es fehlt das gewisse Etwas und eine Tiefe in den Gefühlen.

Was dann bleibt, ist ein netter Roman, der sich insgesamt gut lesen lässt. Aber eben nicht mehr. Es bleibt nichts haften von Helenes und Cassies Geschichte.

Svenja K. Buchner: Bis die Zeit verschwimmt.
Thienemann Verlag, Januar 2020.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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